Silber Preis: 46,3 Millionen Unzen Defizit

Silber fällt trotz Nahost-Krise, belastet von Dollarstärke und Zinserhöhungsängsten. Angebotslücke und KI-Nachfrage stützen langfristig.

Eduard Altmann ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Dollar und Zinsängste drücken Silber
  • Angebotslücke bleibt strukturell bestehen
  • KI-Rechenzentren als neue Nachfragequelle
  • Analysten sehen mittelfristig Kurspotenzial

Der Silberpreis gerät zum Wochenauftakt unter Druck – und das, obwohl die Eskalation im Nahen Osten eigentlich für sichere Häfen sprechen würde. Ein erstarkter US-Dollar und wachsende Wetten auf eine baldige Zinserhöhung der Federal Reserve belasten das Edelmetall seit mehreren Handelstagen in Folge, wie FXStreet berichtet. Marktteilnehmer richten den Blick auf die US-Inflationsdaten für Juni, die am Dienstag veröffentlicht werden sollen.

Auslöser der Zinssorgen ist die Zuspitzung zwischen den USA und dem Iran: Nach einer von Präsident Trump verhängten erneuten Blockade der Straße von Hormus und einer angekündigten 20-Prozent-Transitgebühr sprang der Ölpreis kräftig nach oben. Steigende Energiepreise schüren Inflationsängste. Laut CME FedWatch lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September zuletzt bei 51 Prozent, verglichen mit 23 Prozent für ein Beibehalten des aktuellen Zinsniveaus. Fed-Gouverneur Waller warnte, eine Zinserhöhung sei „in naher Zukunft“ nötig, sollte die Kerninflation erneut anziehen. Fed-Chef Warsh sagt am 14. und 15. Juli vor dem Kongress aus, sein Bericht dürfte für die weitere Richtung mitentscheidend sein.

Für Silber bedeutet ein stärkerer Dollar samt steigenden Realzinsen tendenziell Gegenwind, weil das zinslose Edelmetall im Vergleich zu verzinsten Anlagen an Attraktivität verliert. Das Gold-Silber-Verhältnis kletterte in diesem Umfeld auf 69 zu 1 – ein Zeichen dafür, dass Silber zuletzt schwächer abschnitt als Gold.

Sechstes Defizitjahr in Folge

Unter der Oberfläche der kurzfristigen Zinsdebatte bleibt die fundamentale Angebotslage angespannt. Der Welt-Silberverband rechnet für 2026 mit dem sechsten Defizitjahr in Folge: Die Angebotslücke soll auf 46,3 Millionen Unzen anwachsen. Zwar dürfte die Solarindustrie als traditionell größter industrieller Silberverbraucher ihren Verbrauch um 19 Prozent auf 151 Millionen Unzen zurückfahren. Als Ausgleich etabliert sich jedoch eine neue Nachfragequelle: Rechenzentren für Künstliche Intelligenz benötigen zunehmend silberhaltige Komponenten und gelten als neuer struktureller Treiber der Industrienachfrage.

Auf der Angebotsseite bleibt die Lage fragil. In Peru, einem der wichtigsten Förderländer, hatte im Mai ein Energie-Notstand die Produktion belastet und kurzzeitig für einen kräftigen Kurssprung gesorgt, bevor sich der Markt wieder beruhigte. Silver Mountain Resources bereitet unterdessen die Wiederinbetriebnahme der peruanischen Reliquias-Mine für das dritte Quartal 2026 vor. Die Aufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 2.600 Tonnen pro Tag ist zu 95 Prozent fertiggestellt und war seit 2017 stillgelegt. Eine Erweiterung der Sierra-Gorda-Mine soll ab 2031 zusätzlich rund 170 Millionen Unzen Silber pro Jahr liefern – ein Effekt, der die kurzfristige Angebotslücke jedoch nicht schließt.

Analysten bleiben trotz Konsolidierung optimistisch

Auch nach dem jüngsten Rücksetzer sehen mehrere Häuser mittelfristig weiteres Potenzial. UBS senkte sein Kursziel für Silber im Mai auf 80 US-Dollar je Unze bis Jahresende 2026. HSBC taxiert das Edelmetall für 2026 auf 75 und für 2027 auf 68 US-Dollar je Unze. Beide Institute verweisen auf die anhaltende strukturelle Angebotslücke als tragendes Argument, selbst wenn kurzfristige Zinssorgen und ein starker Dollar den Preis derzeit belasten.

An der Shanghai Futures Exchange reagierte die Börse unterdessen auf die zuletzt erhöhte Volatilität: Für den neuen Silber-Futures-Kontrakt AG2705 wurden die Risikokontrollen verschärft, mit einem Preislimit von 17 Prozent und einer Margin-Anforderung zwischen 18 und 19 Prozent. Auch das signalisiert, dass Handelsplätze sich auf anhaltend große Kursausschläge am Silbermarkt einstellen, während sich die Marktteilnehmer gleichzeitig auf die US-Inflationsdaten und die Kongressanhörung der Fed-Spitze konzentrieren.

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