Silber Preis: 4,80 Prozent Sprung auf 59,13 Dollar
Silber steigt nach schwachen Wochen um fast fünf Prozent. Strukturelles Angebotsdefizit und hohe Investitionsnachfrage stützen den Markt.

Kurz zusammengefasst
- Tagesplus von 4,8 Prozent auf 59 Dollar
- Sechstes Jahr mit Angebotsdefizit in Folge
- Rekordnachfrage bei Anlegern in Europa und Indien
- Solarbranche reduziert Silberverbrauch pro Modul
Silber macht einen Satz nach oben. Am Dienstag steigt der Preis auf 59,13 US-Dollar je Feinunze. Das ist ein Plus von 4,80 Prozent binnen eines Tages.
In Euro gerechnet liegt der Kurs bei 51,77 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 4,67 Prozent. Eine zweite Quelle bestätigt die Bewegung mit einem Plus von 3,06 Prozent auf 58,20 Dollar.
Der Sprung markiert eine Kehrtwende. Seit dem Allzeithoch im Januar stand Silber unter Abgabedruck. Die vergangenen Handelstage verliefen schwach.
Das Angebot bleibt knapp
Hinter der Kursbewegung steht ein strukturelles Problem: Silber fehlt schlicht. Laut Silver Institute ist der Markt seit 2021 im Defizit. 2026 ist bereits das sechste Jahr in Folge mit einer Lücke von rund 67 Millionen Unzen.
Für das laufende Jahr erwartet das Institut ein Defizit von etwa 46 Millionen Unzen. Im Vorjahr lag der Wert noch bei knapp 40 Millionen Unzen. Die Lücke wächst also weiter.
Bei der industriellen Nachfrage zeigt sich ein gegenläufiger Trend. Die Solarbranche reduziert den Silbereinsatz pro Modul deutlich. Hersteller wie LONGi steigen auf kupferbasierte Kontakte um — ab dem zweiten Quartal 2026 in der Massenfertigung. Der Grund: hohe Materialkosten drücken auf die Margen.
Trotzdem entspannt sich der Gesamtmarkt nicht. 70 Prozent des Silberangebots fallen als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle an. Minenbetreiber können diese Mengen kaum gezielt erhöhen.
Anleger kaufen wie selten zuvor
Neben der Industrie treibt vor allem die Investmentnachfrage den Preis. Im vergangenen Jahr kauften Anleger Münzen, Barren und ETP-Anteile in großem Stil.
Europa zeigt dabei die stärkste Dynamik. Die Nachfrage stieg um 27 Prozent auf 28,5 Millionen Unzen. Indien bleibt als zweiter großer Absatzmarkt relevant: Die physische Nachfrage kletterte dort um 33 Prozent auf 79,2 Millionen Unzen.
Rechnet man die ETP-Zuflüsse hinzu, ergibt sich ein Rekordwert. Die gesamte Investitionsnachfrage erreichte 147,6 Millionen Unzen — so viel wie nie zuvor.
Ein Markt, der schnell kippt
Der Dienstag zeigt exemplarisch, wie nervös der Silbermarkt reagiert. Nach dem Rekordhoch im Januar gab das Edelmetall zeitweise deutlich nach. In den vergangenen Wochen stabilisierte sich der Kurs.
Silber ist im Vergleich zu anderen Rohstoffmärkten klein. Schon moderate Kapitalzuflüsse oder -abflüsse bewegen den Preis überproportional stark.
Der Wechselkurs spielt bei der Tagesbewegung ebenfalls eine Rolle. Silber notiert in Dollar. Bei einem Euro-Dollar-Kurs von 1,1424 wirken sich Dollarbewegungen direkt auf die Notierung in Euro aus.
Das strukturelle Defizit dürfte den Markt vorerst weiter stützen. Ob sich die Rally vom Dienstag fortsetzt, hängt vor allem davon ab, wie viel Kapital in den kommenden Wochen in Münzen, Barren und ETPs fließt.
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