Silber Preis: 57.000 Jobs zünden Rally
Enttäuschende US-Jobdaten beflügeln den Silberpreis, der von sinkenden Zinserwartungen und starker Industrienachfrage profitiert.

Kurz zusammengefasst
- US-Jobdaten enttäuschen Erwartungen deutlich
- Zinssenkungsspekulationen treiben Edelmetall
- Industrielle Nachfrage und Angebotslücke stützen
- Charttechnische Widerstände bei 70 bis 74 Dollar
Ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht gibt dem Silberpreis neuen Schwung. Das Edelmetall notiert am Montag bei rund 62,66 US-Dollar je Feinunze. Der Grund: Schwächere Jobzahlen dämpfen die Erwartungen an weitere Zinsschritte der US-Notenbank.
US-Arbeitsmarkt kühlt spürbar ab
Am Freitag veröffentlichte Daten zeigten nur 57.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft im Juni. Analysten hatten mit 110.000 bis 113.000 neuen Jobs gerechnet. Die Zahlen der Vormonate April und Mai korrigierte das US-Arbeitsministerium um insgesamt 74.000 Stellen nach unten.
Die Arbeitslosenquote sank dennoch leicht von 4,3 auf 4,2 Prozent. Laut dem CME FedWatch Tool fiel die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September auf rund 50 Prozent. Silber gilt als zinsloses Investment und wird bei sinkenden Zinserwartungen für Anleger attraktiver.
Industrielle Nachfrage und Angebotsdefizit stützen
Neben den Zinsspekulationen stützen fundamentale Faktoren den Kurs. Die industrielle Nachfrage macht mittlerweile über 50 Prozent des weltweiten Silberkonsums aus. Photovoltaik und Elektromobilität treiben den Bedarf an, ebenso der Ausbau der Künstlichen Intelligenz in der Elektronikindustrie.
Der Wechsel zu effizienteren Solarzellen-Technologien wie TOPCon und HJT sorgt zusätzlich für stabilen Bedarf. Hinzu kommt ein strukturelles Angebotsdefizit: Für 2026 erwarten Marktbeobachter eine Lücke von 46,3 Millionen Unzen. Das wäre bereits das sechste Jahr in Folge, in dem die Nachfrage die Minenproduktion und das Recycling übersteigt.
Ölpreis und Indien als weitere Faktoren
Sorgen vor einer Stagflation könnten sich durch die Entwicklung am Ölmarkt leicht verschieben. Brent-Rohöl notiert im Juli bei rund 71 bis 73 US-Dollar je Barrel. Ein starker US-Dollar kann den Silberpreis zeitweise belasten. In wirtschaftlich unsicheren Phasen dient das Metall dagegen als Absicherung.
In Indien, einem der größten Silbermärkte weltweit, dürfen Banken seit dem 1. April 2026 Silber als Kreditsicherheit akzeptieren. Das könnte die physische Nachfrage im Einzelhandel langfristig stützen. Kurzfristig sanken die Importe im Mai wegen höherer Einfuhrzölle jedoch deutlich.
Charttechnik: Erholung mit langem Weg
Der jüngste Anstieg zeigt sich auch in den Kursdaten. Silber legte binnen einer Woche über 6,75 Prozent zu, bleibt aber auf Monatssicht mit einem Minus von 7,71 Prozent im Rückstand. Seit Jahresbeginn steht noch immer ein Verlust von 13,21 Prozent zu Buche.
Zum 52-Wochen-Hoch von 121,78 US-Dollar aus dem Januar fehlt dem Metall noch immer fast die Hälfte. Vom 52-Wochen-Tief bei 45,51 US-Dollar aus dem Oktober hat sich der Kurs um rund 38 Prozent erholt.
Der RSI von 43,5 zeigt eine neutrale Marktlage, weder überkauft noch überverkauft. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei hohen 50 Prozent und spiegelt die starken Schwankungen der vergangenen Wochen wider.
Technische Marken im Fokus
Nach dem Anstieg gilt die Marke von 60,00 US-Dollar als wichtige Unterstützung. Auf der Oberseite sehen Marktanalysten den nächsten Widerstand zwischen 70,00 und 74,00 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone könnte weitere Gewinne freisetzen.
Am 7. Juli veröffentlichen die USA ihre Erzeugerpreise. Die PPI-Daten dürften weitere Hinweise auf den künftigen Kurs der Fed liefern und könnten den Silberpreis kurzfristig deutlich bewegen.
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