Silber Preis: 59,77 Dollar vor 60er-Marke
Geopolitische Spannungen und ein strukturelles Angebotsdefizit treiben den Silberpreis auf 59,77 US-Dollar. Analysten sehen weiteres Potenzial.

Kurz zusammengefasst
- Silberpreis erreicht 59,77 US-Dollar
- Angebotslücke seit sechs Jahren
- Industrienachfrage treibt Rally an
- Charttechnik signalisiert Aufwärtstrend
Silber greift wieder nach der 60-Dollar-Marke. Am Mittwochmorgen kletterte der Preis pro Feinunze bis auf 59,77 US-Dollar. Zwei Kräfte treiben die Rally: eine angespannte Lage im Nahen Osten und ein tiefes strukturelles Angebotsdefizit.
Auslöser der jüngsten Bewegung sind Berichte über eine Blockade am Bab el-Mandeb. Die Meerenge gilt als kritischer Nadelöhr für den globalen Ölhandel. Investoren reagieren auf die Unsicherheit mit Käufen von Sachwerten wie Silber.
Ein Markt, der seit Jahren zu wenig liefert
Der Silbermarkt kämpft mit einem strukturellen Problem. Bereits im sechsten Jahr in Folge übersteigt die Nachfrage das Angebot. Die Lagerbestände weltweit schrumpfen kontinuierlich.
Der Grund: Minen können ihre Produktion kaum ausweiten. Etwa 70 Prozent des Silbers fallen nur als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer oder Zink an. Steigt der Silberpreis, fördern Minenbetreiber deshalb nicht automatisch mehr davon.
Auf der Nachfrageseite zieht vor allem die Industrie an. Photovoltaik, Elektromobilität und der Ausbau von KI-Rechenzentren verschlingen wachsende Mengen des Metalls. Diese Kombination aus starrem Angebot und wachsendem Bedarf treibt den aktuellen Aufwärtstrend an.
Öl, Iran und ein nervöser Dollar
Die Blockade der jemenitischen Milizen am Bab el-Mandeb hat den Ölpreis der Sorte WTI zeitweise auf über 86 US-Dollar getrieben. Teureres Öl schürt Inflationssorgen. Das wiederum lässt Anleger verstärkt in Edelmetalle flüchten.
Parallel kursieren Berichte über diplomatische Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Ziel soll ein temporärer Waffenstillstand sein. Diese Signale widersprechen sich – und genau das sorgt für Nervosität an den Märkten.
Eine Entspannung im Nahen Osten würde den Ölpreis wohl belasten. Silber könnte davon trotzdem profitieren: Steigt die Risikobereitschaft der Anleger, schwächelt oft der US-Dollar. Ein schwächerer Dollar macht Silber für Käufer außerhalb der USA günstiger.
Chartbild spricht für Fortsetzung
Auch technisch sendet Silber ein klares Signal. Mit dem Sprung über 59 US-Dollar hat das Metall seinen seit Mai laufenden Abwärtstrendkanal verlassen. Der Kurs kreuzte zudem die 20-Tage-Linie nach oben – ein Signal, das Analysten häufig als Bestätigung einer Trendwende werten.
Hält sich der Kurs oberhalb von 58 bis 59 US-Dollar, rückt laut Charttechnik das nächste Ziel bei 68,88 US-Dollar in Reichweite. Langfristig fallen die Prognosen großer Häuser noch optimistischer aus:
- J.P. Morgan sieht den Durchschnittspreis für Silber 2026 bei rund 81 US-Dollar
- LBMA-Analysten halten Werte bis 79,57 US-Dollar für erreichbar
- Kurzfristige Unterstützungszone: 58 bis 59 US-Dollar
- Nächstes Fibonacci-Ziel: 68,88 US-Dollar
Vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag bleiben viele Marktteilnehmer vorsichtig. Nahe der 60-Dollar-Marke sichern einige Anleger bereits Gewinne ab. Ob Silber die psychologische Schwelle diesmal knackt, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen – die fundamentalen Treiber sprechen dafür.
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