Silber Preis: Angebotsdefizit 2026 wächst um 15 Prozent

US-Inflations- und Wachstumsdaten bremsen den Silberpreis. Trotz kurzfristiger Konsolidierung stützen Angebotsdefizit und Industrienachfrage den langfristigen Aufwärtstrend.

Eduard Altmann ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Silberpreis fällt um 0,5 Prozent
  • US-Inflationsdaten bremsen Edelmetall-Rally
  • Angebotsdefizit und Industrienachfrage stützen
  • Zinserhöhungswahrscheinlichkeit steigt auf 40 Prozent

Der Silberpreis ist am Dienstag mit 68,63 US-Dollar je Feinunze aus dem Handel gegangen, ein Minus von 0,5 Prozent. Damit unterbricht das Edelmetall vorerst seinen kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen, bleibt aber weiterhin deutlich im Aufwärtstrend: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 20 Prozent, auf Jahressicht sogar von 76 Prozent zu Buche.

Überraschend hohe Inflation bremst die Rally

Auslöser der jüngsten Verschnaufpause sind US-Konjunkturdaten vom Mittwoch. Der Headline-PCE-Index für Juli kletterte auf 3,7 Prozent im Jahresvergleich und lag damit über den Erwartungen der Märkte.

Zugleich wurde der BIP-Preisdeflator nach oben revidiert, auf 6,4 Prozent – der höchste Wert außerhalb der Pandemiezeit seit 1981. Das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal fiel mit annualisiert 1,5 Prozent zugleich so schwach aus wie seit vier Jahren nicht mehr.

Diese Kombination aus hartnäckiger Inflation und schwächerem Wachstum sorgte für Verunsicherung an den Terminmärkten. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank im September wird inzwischen mit rund 40 Prozent eingepreist, während einige Prognosen für Oktober sogar auf über 54 Prozent kommen. Steigende Zinserwartungen stützten den Dollar und drückten damit kurzfristig auf zinslose Edelmetalle wie Silber und Gold.

Charttechnik: Kampf um wichtige Marken

Auf der Chartseite hat Silber die Marke von 70,02 US-Dollar – das höchste Niveau seit Mitte Juni – bislang nicht überwinden können. Der gleitende 100-Tage-Durchschnitt verläuft aktuell bei 67,40 US-Dollar und markiert damit eine unmittelbare Hürde für Käufer, während der 200-Tage-Durchschnitt bei 74,92 US-Dollar liegt – der Kurs notiert derzeit rund 8,4 Prozent darunter.

Nach unten gilt die Zone um 65 bis 66 US-Dollar als erste Unterstützung, darunter der 50-Tage-Durchschnitt bei 61,25 US-Dollar, von dem der Silberpreis derzeit rund 12 Prozent entfernt notiert.

Der Relative-Stärke-Index von 65 signalisiert, dass der Markt trotz der jüngsten Konsolidierung nicht überkauft ist – Raum für eine Fortsetzung der Bewegung in beide Richtungen bleibt also vorhanden. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 35 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel in den vergangenen Wochen verlaufen ist.

Angebotsdefizit und Industrienachfrage als struktureller Rückenwind

Unabhängig von der kurzfristigen Zinsdiskussion bleibt die fundamentale Angebotslage angespannt. Der World Silver Survey rechnet für 2026 bereits im sechsten Jahr in Folge mit einem Angebotsdefizit, das Lücke soll rund 15 Prozent größer ausfallen als im Vorjahr.

Getrieben wird die Nachfrage vor allem von der Industrie: Photovoltaik, Elektronik und Elektrofahrzeuge gelten als zentrale Verbraucher, ohne dass sich derzeit ein Ersatzstoff für Silber in diesen Anwendungen abzeichnet.

Diese strukturelle Knappheit erklärt, warum Analysehäuser trotz kurzfristiger Rückschläge langfristig teils sehr optimistische Ziele nennen. UBS hatte ihr Silberziel für 2026 zuletzt auf 80 US-Dollar gesenkt, wies aber zugleich auf die fundamentale Überbewertung durch die jüngste Rally hin.

Andere Häuser wie Bank of America und JPMorgan rechnen für die kommenden Quartale mit stärkeren Schwankungen zwischen 55 und 75 US-Dollar, bevor der Preis nach ihrer Einschätzung in Richtung Mitte oder Ende 2027 wieder anziehen könnte.

Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Kurzfristig dominiert die Zinsdebatte um die US-Notenbank, während strukturell das Defizit auf der Angebotsseite und die wachsende Industrienachfrage weiter für Unterstützung sorgen dürften.

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