Silber Preis: De-Silvering verdrängt das Metall

Die Solarbranche senkt ihren Silberverbrauch weiter, während Zinserwartungen den Preis kurzfristig prägen und der Markt zwischen zwei Kräften steht.

Andreas Sommer ·
Ein Stapel Silberbarren auf einer Werkbank in einer Metallraffinerie bei natürlichem Seitenlicht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Solarbranche reduziert Silberverbrauch erneut
  • Günstigere Materialien ersetzen Silber zunehmend
  • Fed-Erwartungen beeinflussen kurzfristig den Preis
  • Silber notiert bei 66,82 US-Dollar

Die Solarindustrie galt lange als Wachstumsmotor für die Silbernachfrage. Damit ist es vorbei: Nach Angaben von BloombergNEF sinkt der Silberverbrauch der Solarbranche in diesem Jahr bereits das zweite Jahr in Folge. Für Anleger ist das mehr als eine Randnotiz, denn die Solarindustrie war zuletzt einer der wichtigsten Nachfragetreiber für das Industriemetall.

Silber wird aus Solarmodulen verdrängt

Der Rückgang hat einen konkreten Grund: Hersteller ersetzen Silber zunehmend durch günstigere Alternativen in der Zellfertigung, ein Trend, den die Branche als „De-Silvering“ bezeichnet.

Paradoxerweise ist Silber inzwischen so teuer geworden, dass es einen immer größeren Anteil an den Produktionskosten von Solarmodulen ausmacht – laut BloombergNEF mittlerweile rund 20 Prozent, verglichen mit lediglich 3 bis 5 Prozent vor 2024. Der hohe Preis treibt damit seinen eigenen Substitutionsdruck an.

Diese Entwicklung dürfte sich mittelfristig fortsetzen. Solarunternehmen investieren gezielt in silberärmere Zelldesigns, um ihre Margen zu schützen. Für den Silbermarkt bedeutet das eine schleichende Erosion einer Nachfragesäule, die in den vergangenen Jahren als strukturell und wachstumsstark galt.

Kurzfristig dominiert weiterhin die Fed

Während die Solarnachfrage strukturell schwächelt, bestimmen kurzfristig weiterhin die Zinserwartungen der US-Notenbank das Preisgeschehen. Fed-Gouverneur Christopher Waller signalisierte am Freitag, Zinserhöhungen nur dann zu unterstützen, wenn Preisdrücke nicht nachlassen.

Die Märkte reagierten prompt: Die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September fiel von 63 auf rund 50 Prozent – eine Entwicklung, die Edelmetalle grundsätzlich stützt, da niedrigere Zinsen die Opportunitätskosten für unverzinste Anlagen wie Silber senken.

Der Silberpreis schloss am Freitag bei 66,82 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 1,1 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Plus von 7,3 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die Erholung der vergangenen Wochen trotz des jüngsten Rücksetzers intakt bleibt.

Zwei gegenläufige Kräfte, ein Markt in der Findungsphase

Der Silbermarkt steht damit an einem Scheideweg zweier gegenläufiger Kräfte. Auf der einen Seite drückt die schwächelnde Solarnachfrage langfristig auf die Verbrauchsseite. Auf der anderen Seite bleiben geldpolitische Erwartungen der kurzfristig dominierende Preistreiber, wie die Reaktion auf Wallers Äußerungen zeigt.

Für Anleger heißt das: Die kommenden Wochen dürften weiterhin stark von Fed-Kommunikation geprägt sein, während sich das strukturelle Bild der industriellen Nachfrage im Hintergrund langsam verschiebt.

Wer Silber primär als Wette auf die Energiewende betrachtet hat, muss diese These angesichts der Substitutionsdynamik in der Solarbranche überdenken – auch wenn andere industrielle Anwendungen und die Investmentnachfrage die Lücke bislang teilweise auffangen.

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