Silber Preis: Fünfte Verlustwoche trotz Iran-Hoffnung

Hohe US-Anleiherenditen und sinkende Solarnachfrage belasten den Silberpreis trotz geopolitischer Entspannungssignale.

Redaktion Stock-World ·
Ein glänzender Silberbarren auf dunklem Hintergrund mit angedeuteten, leicht steigenden Marktcharts im Unschärfebereich. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Fünfte Verlustwoche in Folge
  • Hohe Zinsen setzen Silber zu
  • Solarindustrie reduziert Silberverbrauch
  • Angebotsdefizit bleibt bestehen

Fünf Wochen Minus am Stück — und das trotz einem Freitagsschub von über einem Prozent. Silber schließt die Woche bei 68,13 US-Dollar je Feinunze. Der Optimismus über einen möglichen US-Iran-Friedensdeal reicht nicht, um den Zinsgegenwind zu überwinden.

Die Juli-Futures sprangen am Freitag kurzzeitig auf 67,49 Dollar, nachdem Präsident Trump weitere Luftangriffe stoppte und den Krieg gegen Iran für beendet erklärte. Pakistans Premier Shehbaz Sharif meldete zudem, beide Seiten hätten einen abgestimmten Vertragstext erreicht. Saxo-Bank-Rohstoffstratege Ole Hansen warnte Trader jedoch zur Vorsicht: Man solle sich eher an dem orientieren, was Iran sage und tue — nicht an Aussagen des US-Präsidenten.

Zinsen fressen die Geopolitik-Prämie auf

Der eigentliche Druckpunkt liegt woanders. Die 10-jährige US-Staatsanleiherendite notiert nahe 4,6 Prozent, die 30-jährige liegt über 5,1 Prozent. Für ein zinsloses Metall wie Silber sind das ungünstige Bedingungen. Wer Kapital sicher parken will, bekommt anderswo Rendite.

Auf Monatssicht hat Silber fast 24 Prozent verloren. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 75,82 Dollar liegt mehr als zehn Prozent über dem aktuellen Kurs — ein klares technisches Signal für den anhaltenden Abwärtstrend.

Solarindustrie spart Silber weg

Abseits der Zinspolitik verändert sich die Nachfragestruktur strukturell. Der World Silver Survey 2026 des Silver Institute prognostiziert ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen — das sechste Jahr in Folge. Trotzdem sinkt ausgerechnet die Nachfrage aus dem wichtigsten Industriesektor.

Photovoltaikanlagen verbrauchten im vergangenen Jahr 186,6 Millionen Unzen Silber — sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Für 2026 erwartet das Silver Institute einen weiteren Rückgang um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Unzen.

Der Grund: sogenanntes Thrifting. Hersteller setzen pro Solarmodul schlicht weniger Silber ein, ohne Leistung zu opfern. Philip Newman von der Londoner Beratungsfirma Metals Focus bringt es auf den Punkt: „Silber bei 80 Dollar motiviert zu einem sehr aggressiven Thrifting und zur direkten Substitution durch Kupfer.“

Angebot reagiert kaum

Das strukturelle Defizit schließt sich nicht von selbst. Ein Großteil der Silberproduktion fällt als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Zink und Blei an. Produktionsentscheidungen hängen damit kaum vom Silberpreis ab. Neue Minen brauchen Jahre bis zur Förderung.

Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 63 — Silber ist also im historischen Vergleich gegenüber Gold nicht teuer. Ob das als Kaufargument reicht, hängt davon ab, wie schnell sich die Lage an der Straße von Hormuz und an den Anleihemärkten klärt. Kerntechnische Fragen im Iran-Deal — Urananreicherungsgrenzen, Lagerbestandsabbau, Verifikation — sind noch offen. Solange das so bleibt, bleibt auch die Unsicherheit.

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