Silber Preis: Kevin Warsh bremst Zinsfantasie
Geopolitische Spannungen und neue Fed-Strategie treiben den Silberpreis. Das Edelmetall schwankt zwischen sicherer Nachfrage und Konjunktursorgen.

Kurz zusammengefasst
- Kurzer Preisanstieg auf fast 59 Dollar
- Blockade in der Straße von Hormus
- Fed-Chef Warsh signalisiert harten Kurs
- Wichtige Chartmarken bei 55,50 und 60 Dollar
Blockade in der Straße von Hormus, Raketenangriffe auf US-Stützpunkte, ein neuer Fed-Chef mit Kampfansage gegen die Inflation. Der Silberpreis steckt zwischen zwei starken Kräften. Sichere-Hafen-Nachfrage trifft auf Sorgen um die Weltwirtschaft.
Am 14. Juli kletterte der Preis zeitweise um fast 2 Prozent auf rund 58,79 US-Dollar. Ausgelöst haben das schwächere US-Inflationsdaten. Am 15. Juli pendelte sich die Notierung im asiatischen Handel bei etwa 58,50 US-Dollar ein, später gab sie leicht auf 58,48 US-Dollar nach.
Eskalation am Golf treibt Öl und Silber
Die Lage in der Straße von Hormus hat sich innerhalb von 48 Stunden dramatisch zugespitzt. Die USA haben Berichten zufolge eine Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt und neue Luftangriffe gestartet. Der Iran reagierte mit der erneuten Schließung der Meerenge und griff US-Stützpunkte in Jordanien, Bahrain und Kuwait mit Drohnen und Raketen an.
Die Ölpreise reagierten sofort. Brent stieg zeitweise auf über 87 US-Dollar pro Barrel.
Für Silber ergibt sich daraus ein Balanceakt. Das Edelmetall profitiert einerseits von seiner Rolle als Krisenwährung. Andererseits belasten die steigenden Energiekosten die Inflationserwartungen und drücken auf die industrielle Nachfrage nach dem Metall.
Neuer Fed-Chef kündigt harten Kurs an
Parallel zur Krise am Golf richtete sich der Blick auf Washington. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh stellte sich am 14. Juli erstmals dem US-Kongress. Er verspricht einen „Regimewechsel“ in der Geldpolitik und eine Null-Toleranz-Politik gegenüber hoher Inflation.
Die Juni-Daten zeigten zwar eine Entspannung: Die jährliche Inflationsrate sank auf 3,5 Prozent. Warsh warnte dennoch davor, die Mission als erfüllt zu betrachten. Er bezeichnete die inzwischen 63 Monate andauernde Inflation oberhalb des Fed-Ziels als „Steuer“ für die Amerikaner.
Die Markterwartungen für eine Zinserhöhung im Juli brachen nach den Daten regelrecht ein. Das CME FedWatch Tool zeigte einen Rückgang der Wahrscheinlichkeit von zuvor 40 Prozent auf nur noch 10 bis 15,5 Prozent. Für September rechnen Marktteilnehmer weiterhin mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 59 Prozent für einen Zinsschritt.
Weniger Zinsdruck bedeutet für Silber kurzfristig Entlastung. Die Opportunitätskosten für das Halten des unverzinsten Metalls steigen dann langsamer als befürchtet.
Wichtige Marken im Blick
Charttechnisch bewegt sich Silber aktuell in einem klar abgesteckten Korridor. Bei 60,00 US-Dollar liegt ein markanter Widerstand, die Marke von 55,50 US-Dollar gilt als wichtige Unterstützung.
Der US-Dollar-Index gab am 14. Juli auf 100,95 Punkte nach und stützte damit zunächst die Erholung des Silberpreises. Belastend wirkte hingegen die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die zuletzt bei 4,583 Prozent notierte.
Auch regional zeigt sich ein uneinheitliches Bild. In Vietnam kostete Silber am 15. Juli zwischen 1.939.000 und 1.985.000 VND pro Tael. Diese Spanne unterstreicht, wie unterschiedlich die physische Nachfrage weltweit ausfällt.
Zwei Kräfte bestimmen damit vorerst den Kurs: die Krise am Golf und der geldpolitische Kurswechsel unter Warsh. Solange die Lage in der Straße von Hormus angespannt bleibt, dürfte die Volatilität im Silberpreis hoch bleiben.
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