Silber Preis: Londoner Lager-Schock?
Höhere verfügbare Lagerbestände und nachlassende Anlegerkäufe belasten Silber; Metals Focus prognostiziert für 2027 einen Marktüberschuss.

Kurz zusammengefasst
- Londoner Silberlager auf Vierjahreshoch
- Frei verfügbare Vorräte fast verdoppelt
- Silberfonds verlieren rund 60 Millionen Feinunzen
- Metals Focus erwartet 2027 einen Überschuss
Silber droht nach Einschätzung von Metals Focus weiteres Abwärtspotenzial gegenüber Gold. Das Analysehaus verwies gestern auf eine schwächere Investmentnachfrage und eine bessere Verfügbarkeit am physischen Markt. Damit verliert ein wichtiges Argument für steigende Silberpreise an Gewicht: Ein rechnerisches Angebotsdefizit bedeutet nicht automatisch, dass kurzfristig zu wenig Metall verfügbar ist.
Londoner Lager bieten mehr Spielraum
Die Londoner Silberbestände erreichten Ende September 932 Millionen Feinunzen. Das war der höchste Stand seit fast vier Jahren. Ohne die Bestände physisch besicherter börsengehandelter Fonds waren davon rund 267 Millionen Feinunzen verfügbar.
Für die Preisbildung ist diese Unterscheidung wichtig. In Fonds gebundenes Silber steht dem übrigen Markt nicht im gleichen Umfang zur Verfügung. Steigen die frei verfügbaren Bestände, lässt sich zusätzliche Nachfrage leichter aus vorhandenen Lagern bedienen. Metals Focus sieht in der verbesserten Liquidität deshalb einen möglichen Belastungsfaktor.
Die verfügbaren Bestände lagen nach Angaben des Analysehauses fast doppelt so hoch wie im Oktober 2025. Das spricht gegen die Vorstellung einer unmittelbar zunehmenden physischen Verknappung.
Anlegernachfrage verliert an Kraft
Parallel zum besseren Angebot schwächt sich die Nachfrage von Investoren ab. Metals Focus verweist sowohl auf Abflüsse aus Silberfonds als auch auf eine zurückhaltende Positionierung am Terminmarkt. Damit fehlt dem Metall Unterstützung von mehreren Anlegergruppen.
Die Silberbestände börsengehandelter Fonds sanken seit Jahresbeginn um rund 60 Millionen Feinunzen. Die Netto-Kaufpositionen der Kategorie Managed Money an der CME lagen bei 17 Millionen Feinunzen. Das war der niedrigste Stand seit Februar 2024.
Auch die Münzverkäufe entwickelten sich schwach. Das Gesamtbild reicht damit über kurzfristige Verkäufe am Terminmarkt hinaus: Die Zurückhaltung betrifft ebenfalls physische Anlageprodukte. Für eine nachhaltige Erholung wäre eine wieder festere Investmentnachfrage daher ein wichtiges Gegengewicht zu den wachsenden verfügbaren Beständen.
Erwarteter Überschuss verändert die Perspektive
Metals Focus erwartet für 2026 ein kleineres Marktdefizit und für 2027 einen Überschuss. Das sind Prognosen, keine bereits feststehenden Marktergebnisse. Sie stellen die Erwartung einer dauerhaft angespannten Versorgung dennoch infrage.
Entscheidend ist die Trennung zwischen Jahresbilanz und unmittelbarer Verfügbarkeit. Ein Defizit beschreibt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage innerhalb eines Zeitraums. Vorhandene Lagerbestände können die Lücke ausgleichen. Genau deshalb können steigende verfügbare Vorräte und ein weiterhin bestehendes Jahresdefizit gleichzeitig auftreten.
Der gestrige Schlusskurs von 52,42 USD je Feinunze zeigt das gedrückte Preisniveau, auf dem diese Neubewertung stattfindet. Die Einschätzung von Metals Focus liefert noch kein Stabilisierungssignal: Erst eine festere Investmentnachfrage oder eine erneute Verknappung des verfügbaren Metalls würde den beschriebenen Belastungen entgegenwirken.
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