Silber Preis: Rekord-Defizit in Folge
Silber fällt unter 60 Dollar trotz bestätigtem sechstem Angebotsdefizit und Chinas Exportbeschränkungen.

Kurz zusammengefasst
- Silberkurs bricht unter 60-Dollar-Marke
- Sechstes Jahr mit Angebotsdefizit bestätigt
- China schränkt Silberexporte drastisch ein
- Solarindustrie senkt Verbrauch pro Modul
Silber verliert am Freitag 3,54 Prozent und schließt bei 57,90 US-Dollar je Feinunze. Der Kurs bricht damit unter die Marke von 60 Dollar. Ausgerechnet in einer Woche, in der neue Daten das sechste Angebotsdefizit in Folge bestätigen.
Der Widerspruch ist auffällig. Am Terminmarkt dominieren Zinssorgen, am physischen Markt wächst die Knappheit weiter.
Sechstes Defizitjahr belastet den Weltmarkt
Das Silver Institute rechnet für 2026 mit einem globalen Fehlbetrag von rund 46,3 Millionen Unzen. Nachfrage und Angebot klaffen damit bereits im sechsten Jahr in Folge auseinander. Die Minenproduktion soll parallel leicht sinken, auf etwa 844 Millionen Unzen.
Ein zweiter Faktor verschärft die Lage zusätzlich. Peking hat den Silberexport seit Jahresbeginn massiv eingeschränkt und das Metall zur strategischen Ressource erklärt. China verarbeitet einen großen Teil des weltweiten Silbers. Das Exportlimit entzieht dem Weltmarkt dadurch zusätzliches Volumen.
Solarindustrie spart Silber, verbraucht aber mehr
Die Industrie macht über die Hälfte der weltweiten Silbernachfrage aus. Die Solarbranche hat 2026 den Silberverbrauch pro Modul um rund 19 Prozent gesenkt. Neue Zelltechnologien und alternative Materialien machen das möglich.
Trotzdem bleibt der Sektor ein zentraler Nachfragetreiber. Die Zahl neu installierter Photovoltaik-Anlagen wächst weltweit so stark, dass sie die Einsparungen pro Modul fast wieder ausgleicht. Der Wachstumsschub der Solarnachfrage verliert an Tempo — verschwindet aber nicht.
Geopolitik stützt die Nachfrage nach Sicherheit
Der Konflikt im Nahen Osten treibt Investoren zusätzlich in Silber als sicheren Hafen. Die USA greifen seit rund zwei Wochen Ziele im Iran an. Angriffe auf Schiffsrouten im Roten Meer und an der russischen Schwarzmeerküste stützen zudem die Ölpreise und schüren Inflationssorgen.
Charttechnisch zeigt sich die Unsicherheit deutlich. Der Kurs liegt inzwischen 11,32 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 65,29 Dollar. Der RSI von 42 signalisiert dabei noch keine überverkaufte Lage, sondern eher eine Konsolidierung nach dem steilen Anstieg der Vorwochen.
Die kommende Handelswoche dreht sich um die US-Notenbank. Silber wirft keine Zinsen ab und reagiert deshalb empfindlich auf steigende Anleiherenditen. Sendet die Fed Signale für dauerhaft hohe Zinsen, dürfte der Kurs trotz der physischen Knappheit unter Druck bleiben. Marktteilnehmer beobachten dabei vor allem die Marke von 57 Dollar als charttechnische Unterstützung.
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