Silber Preis: Reuters-Umfrage macht Mut?
Analysten sehen Silber 2027 im Jahresmittel bei 66,75 US-Dollar, während Metals Focus einen globalen Angebotsüberschuss erwartet.

Kurz zusammengefasst
- Reuters-Umfrage: 66,75 US-Dollar für 2027
- Metals Focus erwartet globalen Überschuss
- Rund 60 Millionen Unzen flossen ab
- US-Arbeitsmarktbericht folgt am 6. November
Für Silber stehen heute deutlich höhere Preisprognosen einer möglichen Entspannung des Angebots gegenüber. Eine Reuters-Umfrage sieht den Jahresdurchschnitt 2027 über dem heutigen Preisniveau.
Metals Focus erwartet hingegen für das kommende Jahr einen weltweiten Angebotsüberschuss. Die Erholung zum Wochenauftakt beantwortet deshalb noch nicht die entscheidende Anlegerfrage: Wie tragfähig ist der längerfristige Preisausblick nach dem jüngsten Ausverkauf?
Prognosen signalisieren Erholungspotenzial
In der Reuters-Umfrage unter 30 Analysten und Händlern liegt die mittlere Prognose für den Silberpreis im Jahresdurchschnitt 2027 bei 66,75 US-Dollar je Feinunze. Für den Jahresdurchschnitt 2026 beträgt sie 70,30 US-Dollar. Die Befragten rechnen damit für das kommende Jahr mit einem niedrigeren Durchschnitt als für das laufende Jahr.
Diese Jahresdurchschnitte sind weder kurzfristige Handelsziele noch Prognosen für den jeweiligen Jahresschluss. Sie lassen sich deshalb nicht unmittelbar mit einzelnen Terminprognosen vergleichen. Beide Perspektiven zeigen aber, welche Preiserholung die Befragten beziehungsweise einzelne Häuser erwarten.
UBS CIO prognostiziert 70 US-Dollar je Feinunze bis Dezember 2026. Bis Mitte 2027 erwartet das Haus 75 US-Dollar und bis September 2027 schließlich 80 US-Dollar. Zugleich hält es kurzfristig weiteren Verkaufsdruck für möglich.
Die optimistische längerfristige Einschätzung schließt damit neue Rückschläge nicht aus. Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich: Ein höheres mittelfristiges Preisziel bedeutet nicht, dass die jüngste Abwärtsbewegung bereits beendet ist.
Das Angebot könnte den Ausblick verändern
Einen Gegenpunkt setzt Metals Focus mit der Erwartung eines weltweiten Silberüberschusses 2027. Seit Januar flossen außerdem rund 60 Millionen Unzen aus Anlageprodukten ab.
Damit hängt die Perspektive nicht allein von der Förderung ab. Auch die Entwicklung der Lagerbestände und die Nachfrage nach Silberanlagen gehören zur Angebots- und Nachfragebilanz. Die genannten Abflüsse zeigen, dass eine optimistische Preisprognose nicht automatisch mit anhaltenden Käufen von Anlageprodukten einhergeht.
Der heutige Spot-Schlusskurs von 50,34 USD je Feinunze liegt unter den genannten Preisprognosen. Das Tagesplus von 2,4% markiert eine Gegenbewegung nach dem Verkaufsdruck der Vorwoche. Ein Beleg für die optimistischen längerfristigen Erwartungen ist ein einzelner positiver Handelstag jedoch nicht.
Arbeitsmarktdaten als nächster Prüfstein
Kurzfristig bestimmen weiterhin Ölpreise, Zinserwartungen und Liquidationen das Geschehen. Sinkende Ölpreise dämpften heute die Inflationssorgen und unterstützten die Edelmetalle. In der Vorwoche hatten Inflationsängste und Verkäufe im Zuge des KI-bedingten Aktienausverkaufs Silber belastet.
Für Freitag, den 6. November, ist der US-Arbeitsmarktbericht angekündigt. Er gehört zu den nächsten wichtigen Terminen für die Zinserwartungen. Die US-Zwischenwahlen am 3. November stehen ebenfalls im Fokus.
Für Silber treffen damit zwei Zeithorizonte aufeinander: kurzfristige Entlastung durch nachlassenden Öldruck und längerfristige Unsicherheit über die Marktbilanz. Die höheren Preisprognosen bleiben Erwartungen – insbesondere dann, wenn sich der von Metals Focus erwartete Angebotsüberschuss bestätigt.
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