Silber Preis: Sechstes Angebotsdefizit in Folge

Der Silbermarkt erlebt das sechste Jahr in Folge ein Angebotsdefizit. Analysten sehen trotz jüngster Korrekturen weiteres Kurspotenzial für das Edelmetall.

Andreas Sommer ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Bereits sechstes Jahr mit Angebotsdefizit
  • Solarindustrie treibt Silbernachfrage stark an
  • Bank of America sieht Kurspotenzial bis 135 Dollar
  • Kurserholung nach zwischenzeitlicher Schwächephase

Der Silbermarkt steuert auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu – und Analysten von Wall-Street-Häusern trauen dem Edelmetall trotz der jüngsten Korrektur zweistellige Kursziele weit über dem aktuellen Niveau zu. Der Silberpreis schloss am Freitag bei 58,49 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,99 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht summiert sich der Zugewinn auf 4,04 Prozent.

Strukturelles Defizit als Preistreiber

Das Silver Institute bestätigte für 2026 ein globales Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen – bereits das sechste Jahr in Folge, in dem die Nachfrage das Minenangebot übersteigt. Seit 2021 haben sich die kumulierten Abflüsse aus Lagerbeständen auf 762 Millionen Unzen aufsummiert. Das Analysehaus Metals Focus rechnet damit, dass sich jährliche Defizite von 50 bis 80 Millionen Unzen bis mindestens 2030 fortsetzen werden.

Ein wesentlicher Nachfragetreiber bleibt die Solarindustrie: Laut dem Marktbericht ITRPV verbrauchte die weltweite Modulproduktion von 706 Gigawatt im Jahr 2025 rund 7.244 Tonnen Silber – gut ein Fünftel des globalen Angebots. Zwar arbeitet die Branche an Technologien zur Reduzierung des Silberverbrauchs, doch die Umstellung auf effizientere TOPCon-Zellen hat den Bedarf pro Modul bislang nicht ausreichend gesenkt, um das Ungleichgewicht auszugleichen. Auch die Elektromobilität trägt mit 25 bis 50 Gramm Silber pro batterieelektrischem Fahrzeug zur strukturellen Nachfrage bei.

Wall Street bleibt trotz Korrektur optimistisch

Die Bank of America nennt als Basisszenario ein Kursziel von 135 US-Dollar je Unze bis Ende 2026, im optimistischeren Fall sogar 309 US-Dollar. J.P. Morgan kalkuliert konservativer mit einem Durchschnittspreis von 81 US-Dollar für das laufende Jahr. Der breitere Analystenkonsens für 2030 verortet den Silberpreis zwischen 100 und 150 US-Dollar.

Auch unter privaten Anlegern ist der Optimismus laut einer Umfrage von BullionVault so ausgeprägt wie selten zuvor: Die Teilnehmer erwarteten zur Jahresmitte 2026 im Schnitt einen Silberpreis von rund 69,60 US-Dollar bis zum Jahreswechsel 2027, ein Plus von 16,7 Prozent gegenüber dem damaligen Niveau. Als wichtigster Preistreiber gilt den Befragten die Geldpolitik, gefolgt von geopolitischen Risiken und der Verschuldungslage der großen Volkswirtschaften.

Der Rohstoffstratege Greg Weldon ordnet die jüngste Kursschwäche als Korrektur innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends ein. Er hatte eigene Positionen bereits zwischen 96 und 98 US-Dollar aufgelöst und sieht Silber nun auf dem Weg der Erholung. Über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren hält er einen Anstieg auf rund 326 US-Dollar je Unze für möglich – getrieben unter anderem durch eine erwartete Rückkehr der US-Notenbank zu einer expansiveren Geldpolitik.

Physische Nachfrage zeigt sich auch in Unternehmenszahlen

Wie stark die reale Silbernachfrage bereits in Unternehmensbilanzen durchschlägt, zeigen die jüngsten Quartalszahlen des indischen Bergbaukonzerns Hindustan Zinc: Der Silberumsatz kletterte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 von 1.426 Crore auf 3.839 Crore indische Rupien. Der Konzerngewinn stieg im selben Zeitraum um 145 Prozent auf 5.469 Crore Rupien.

Charttechnisch bleibt der Silberpreis trotz der jüngsten Erholung von seinem längerfristigen Trend entfernt: Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei minus 20,92 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen fundamentaler Angebotsknappheit und technischer Schwäche dürfte den Markt vorerst volatil halten – Handelsspannen zwischen 55 und 63 US-Dollar prägten zuletzt das kurzfristige Bild.

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