Silber Preis: Sechstes Defizit-Jahr stützt Knappheitsthese
Trotz gesenkter Kursziele großer Banken hält das sechste Angebotsdefizit in Folge die Silbernachfrage hoch.

Kurz zusammengefasst
- Mehrere Großbanken reduzieren Silberziele
- Sechstes Jahr mit Angebotsdefizit
- First Majestic mit Rekordumsatz und Gewinn
- Fed-Zinspause stützt Edelmetalle kurzfristig
Der Silbermarkt zeigt sich zerrissen. Während mehrere Großbanken ihre Kursziele für das Edelmetall im Juli spürbar zurückgenommen haben, bleibt die fundamentale Story unverändert: Ein strukturelles Angebotsdefizit prägt den Markt bereits im sechsten Jahr in Folge. Anleger müssen zwischen kurzfristiger Ernüchterung und langfristig intakter Knappheitsthese abwägen.
Banken kappen Ziele, Deckungslücke bleibt
JPMorgan senkte sein Silberziel Anfang Juli auf eine Spanne von 60 bis 65 US-Dollar je Feinunze. UBS strich seine Defizitschätzung für den Markt um rund 80 Prozent auf nur noch 60 bis 70 Millionen Unzen zusammen, ING reduzierte seine Prognosen für das dritte und vierte Quartal, Commerzbank taxiert das Ziel bei 67 US-Dollar. Die Bandbreite der Institute bleibt dennoch enorm: Citi hält an einer Zielmarke von 110 US-Dollar fest, Bank of America nennt 85,93 US-Dollar, Goldman Sachs sieht eine Spanne von 85 bis 100 US-Dollar. Der Konsens der London Bullion Market Association liegt bei 79,57 US-Dollar. Diese Streuung zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das Zusammenspiel aus Industrienachfrage und Zinspolitik derzeit gewichten. Das Gold-Silber-Ratio notiert bei rund 69 und signalisiert, dass Silber im Verhältnis zu Gold noch nicht ausgereizt erscheint.
Die jüngste Kursreaktion auf die Zielsenkungen einer Großbank fiel spürbar aus – das Metall gab merklich nach, konnte den Rücksetzer aber rasch wieder eingrenzen. Genau diese Kombination aus kurzfristiger Nervosität und robuster Nachfragebasis dürfte den Markt in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.
Sechstes Defizit-Jahr in Folge stützt die Story
Unabhängig von den Zielkorrekturen der Analysten bleibt die Angebotslücke bestehen. Metals Focus und das Silver Institute beziffern das globale Defizit für 2026 auf 46,3 Millionen Unzen – bereits das sechste Jahr in Folge, in dem die Minenproduktion die Nachfrage nicht deckt. Getrieben wird die Lücke maßgeblich von der Industrie: Solarmodule, Elektronik und weitere technische Anwendungen saugen physisches Silber in einem Tempo auf, das die Bergbauunternehmen kaum kompensieren können. Genau diese strukturelle Komponente unterscheidet die aktuelle Debatte von reinen Spekulationsbewegungen und erklärt, warum selbst nach Zielsenkungen einzelner Banken kein Institut ein grundsätzliches Ende der Angebotsknappheit prognostiziert.
First Majestic liefert Rekordzahlen
Wie stark Produzenten von den hohen Preisen profitieren, zeigen die jüngsten Geschäftszahlen von First Majestic Silver. Der Konzern steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 57 Prozent auf 415,5 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn kletterte auf 109,4 Millionen US-Dollar bei einem Ergebnis je Aktie von 0,22 US-Dollar. Der freie Cashflow erreichte 194,6 Millionen US-Dollar, die liquiden Mittel wuchsen seit Jahresende um 34 Prozent auf 1.252,7 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen erhöhte seine Quartalsdividende um 217 Prozent auf 0,0152 US-Dollar je Aktie und kaufte zudem 1,2 Millionen eigene Aktien für 22,7 Millionen US-Dollar zurück. Solche Zahlen unterstreichen, wie sehr steigende Silberpreise direkt auf die Margen der Minengesellschaften durchschlagen.
Fed-Zinspause als kurzfristiger Treiber
Makroökonomisch bekam Silber zuletzt Rückenwind von der US-Notenbank. Die Fed beließ den Leitzins nach einer Abstimmung von neun zu drei Stimmen unverändert, während die Kerninflation gemessen am PCE-Index im Juni auf Jahressicht bei 3,3 Prozent verharrte und die Gesamtrate auf 3,7 Prozent zurückging. Das US-Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal annualisiert nur um 1,5 Prozent und verfehlte damit die Erwartungen der Ökonomen deutlich. Ein schwächerer Dollar infolge der gedämpften Inflationsdaten begünstigte zuletzt Edelmetalle generell. Für Silberanleger bleibt damit die Gemengelage komplex: Kurzfristig bestimmen Zinserwartungen und Dollarkurs die Richtung, während das strukturelle Defizit den längerfristigen Rahmen absteckt.
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