Silber Preis: Zehn-Prozent-Woche belastet
Silber verliert zehn Prozent in einer Woche, belastet durch aggressive Fed-Zinserwartungen und einen starken Dollar.

Kurz zusammengefasst
- Wöchentlicher Kursverlust von zehn Prozent
- Gold-Silber-Ratio steigt auf 69,3:1
- Banken erwarten weitere Zinserhöhungen
- Nächster PCE-Bericht am 30. Juli
Zehn Prozent Verlust in einer Woche — und das trotz einer kurzen Erholung am Donnerstag. Silber steht unter massivem Druck. Der Haupttreiber: die Fed und ihre Zinssignale.
PCE-Daten liefern wenig Trost
Der US-PCE-Preisindex stieg im Mai auf 4,1 Prozent im Jahresvergleich. Das ist der höchste Wert seit April 2023. Das Kern-PCE kletterte auf 3,4 Prozent — ebenfalls ein Dreijahreshoch.
Kurz nach der Veröffentlichung erholte sich Silber leicht. Ein schwächerer Dollar und sinkende Treasury-Renditen gaben dem Metall vorübergehend Auftrieb. Der Bericht zerstreute zumindest die Befürchtung einer weiteren Beschleunigung des Preisdrucks. Allerdings liegt die Inflation weiterhin weit über dem Fed-Ziel von zwei Prozent.
Die Märkte preisen inzwischen drei Zinserhöhungen für 2026 ein. Die Wahrscheinlichkeit einer ersten Anhebung im September liegt laut CME FedWatch bei rund 63 Prozent — nach kurzzeitig 68 Prozent vor den PCE-Daten.
Warsh und die Banken erhöhen den Druck
Fed-Chef Warsh machte klar: Er gibt dem Druck von US-Präsident Trump nicht nach. Die Zinsen bleiben restriktiv, bis die Inflation unter Kontrolle ist.
Die Bank of America legte nach. Sie veröffentlichte ihre aggressivste Zinsprognose: drei Erhöhungen um je 25 Basispunkte im September, Oktober und Dezember 2026. Das würde den Leitzins auf 4,25 bis 4,50 Prozent heben. Die Deutsche Bank erwartet zwei Erhöhungen.
Der US-Dollar-Index stieg auf ein 13-Monats-Hoch. Kein gutes Umfeld für Edelmetalle.
Silber trifft es härter als Gold
Das Gold-Silber-Ratio schloss die Woche bei 69,3:1. In nur acht Handelstagen weitete es sich von rund 62 auf 69 aus — nahe dem höchsten Stand seit dem Iran-Kriegshöhepunkt.
Silber leidet stärker als Gold, weil es auch ein Industriemetall ist. Wenn die Risikobereitschaft sinkt und das globale Wachstum schwächelt, trifft das Silber doppelt: als monetäres Metall und als Industrierohstoff.
Die Fundamentaldaten bleiben dabei intakt. Das Silver Institute rechnet für 2026 mit dem sechsten jährlichen Angebotsdefizit in Folge — rund 46 Millionen Unzen. Der KI-Infrastrukturausbau verbraucht zusätzlich Silber in der Chipfertigung. Kurzfristig überwiegt jedoch die Zinspolitik.
Nächster Prüfstein: 30. Juli
Der nächste wichtige Datenpunkt kommt am 30. Juli. Das Bureau of Economic Analysis veröffentlicht dann den Juni-PCE. Es ist der erste Bericht, der die Ölpreise nach dem Iran-Waffenstillstand erfasst. Fällt er deflationärer aus als erwartet, dürften die September-Zinserwartungen deutlich sinken — und Silbers monetäre Prämie könnte zurückkehren.
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