Silber: Strategische Ressource im Zangengriff

China erklärt Silber zum strategischen Mineral und beschränkt den Export. Dies trifft einen Markt, der bereits das sechste Jahr in Folge mehr verbraucht als produziert.

Felix Baarz ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • China kontrolliert den Großteil der globalen Raffination
  • Sechstes aufeinanderfolgendes Marktdefizit erwartet
  • Industrienachfrage durch Solar und KI steigt weiter
  • Preis erreichte Allzeithoch vor deutlicher Korrektur

China hat Silber still und leise zum strategischen Mineral erklärt — und der Markt spürt die Konsequenzen. Seit Januar 2026 dürfen nur noch 44 staatlich zugelassene Unternehmen das Metall exportieren. Das trifft einen globalen Markt, der ohnehin seit Jahren mehr verbraucht als er produziert.

Peking kontrolliert die Raffinationskapazität

Der entscheidende Hebel liegt nicht im Bergbau, sondern in der Verarbeitung. China fördert zwar nur rund 13 % des weltweit abgebauten Silbers, kontrolliert jedoch 60 bis 70 % der globalen Raffinationskapazität. Allein von Januar bis November 2025 exportierte das Land rund 4.600 Tonnen — bei Importen von lediglich 220 Tonnen. Wer also raffiniertes Silber kaufen will, kommt an China kaum vorbei.

Das neue Exportregime schließt kleinere Raffinerien faktisch aus: Nur Unternehmen mit einer Mindestjahresproduktion von etwa 80 Tonnen erhalten überhaupt eine Lizenz. Die Folge ist eine Konzentration der Exportströme auf eine Handvoll staatlich gesteuerter Akteure — was Preise und Volatilität treibt und Abnehmer zwingt, ihre Beschaffung umzustrukturieren.

Mexiko, Peru und Chile könnten die chinesischen Volumina theoretisch teilweise ersetzen. Allerdings fehlt es dort an Raffinationskapazitäten und Logistikinfrastruktur, um kurzfristig einzuspringen.

Sechstes Defizitjahr, keine schnelle Lösung

Die Exportbeschränkungen treffen einen Markt, der sich strukturell bereits im Ungleichgewicht befindet. Das Silver Institute dokumentiert für 2026 das sechste aufeinanderfolgende Defizitjahr. Neue Minenprojekte brauchen acht bis zwölf Jahre zur Entwicklung, die Erzgehalte sinken weltweit, und die Recyclingmenge stagniert seit Jahren bei rund 180 Millionen Unzen jährlich.

Auf der Nachfrageseite wächst der Druck weiter. Industrielle Anwendungen machen über 50 % der Gesamtnachfrage aus. Die Solarzellenproduktion allein verbraucht jährlich rund 230 Millionen Unzen — und Silber besitzt in den elektrischen Kontakten von Solarzellen keine kommerziell verfügbare Alternative. Hinzu kommen steigende Bedarfe aus der Elektromobilität und dem KI-getriebenen Infrastrukturausbau.

Allzeithoch und scharfe Korrektur

Ende Januar 2026 kletterte Silber auf ein neues Allzeithoch von über 121 US-Dollar je Feinunze. Was folgte, war eine ausgeprägte Korrektur: Im März verlor das Metall in einzelnen Wochen zweistellig. Zuletzt drückte ein erstarkter US-Dollar den Preis auf rund 73 Dollar — verstärkt durch Trumps angekündigte Eskalation gegenüber dem Iran, die Inflationserwartungen anhob und Zinssenkungshoffnungen für 2026 vollständig aus dem Markt verdrängte. Vor dem Konflikt hatten Marktteilnehmer noch zwei Fed-Senkungen in diesem Jahr eingepreist.

Das strukturelle Bild und die kurzfristige Marktdynamik zeigen damit in entgegengesetzte Richtungen. Solange sich an der Raffinationskonzentration in China und dem globalen Angebotsdefizit nichts ändert, bleibt der Silbermarkt auf der Angebotsseite eng — unabhängig davon, wohin der Dollar kurzfristig tendiert.

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