Silber: Zwischen Hormuz und Hochzinsdruck

Entspannung im Nahen Osten entzieht Silber die Krisenprämie, während eine restriktive Fed-Politik und ein starker Dollar zusätzlichen Abwärtsdruck erzeugen. Das strukturelle Marktdefizit bleibt jedoch bestehen.

Dr. Robert Sasse ·
Silber Preis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Geopolitische Entspannung entzieht Silber Krisenprämie
  • Fed-Zinspolitik und starker Dollar belasten den Preis
  • Markt verzeichnet sechstes Defizitjahr in Folge
  • Industrielle Nachfrage gewinnt zunehmend an Bedeutung

Der Silberpreis steht unter Druck — und diesmal kommt dieser von einer ungewöhnlichen Seite. Signale einer möglichen Deeskalation im Nahen Osten nehmen dem Metall ausgerechnet jene Krisenprämie weg, die seinen Kurs zuletzt gestützt hatte.

Geopolitische Entspannung als Belastung

Der Iran hat die Durchfahrtsregeln für die Straße von Hormuz gelockert. Schiffe, die nicht als feindlich eingestuft werden, dürfen den strategisch wichtigen Seeweg unter bestimmten Bedingungen wieder nutzen. US-Präsident Trump bezeichnete die laufenden Gespräche mit Teheran als „effektiv und positiv“ — und verschob geplante Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur um fünf Tage.

Die Reaktion an den Märkten war prompt: Rohöl der Sorte Brent fiel zeitweise unter 100 Dollar je Barrel, zuletzt ein Minus von rund 3,6 Prozent auf 100,60 Dollar. Für Silber ist dieser Rückgang zweischneidig. Niedrigere Energiepreise entlasten zwar die Industrie, nehmen dem Metall aber gleichzeitig seine Funktion als Inflationsschutz — ein wesentlicher Treiber der vorangegangenen Kursgewinne.

Silber notiert derzeit bei rund 68 Dollar je Unze. Im Monatsverlauf summieren sich die Verluste auf über 21 Prozent.

Fed-Politik verstärkt den Gegenwind

Neben der geopolitischen Entspannung lastet die Geldpolitik auf dem Preis. Zinssenkungen der US-Notenbank Fed gelten für 2026 mittlerweile als unwahrscheinlich, robuste Konjunkturdaten nehmen den Druck von der Zentralbank. Ein starker Dollar verteuert Silber für Käufer außerhalb des Dollarraums, die hohen Renditen auf zehnjährige US-Staatsanleihen machen nicht-zinsbringende Anlagen wie Silber weniger attraktiv.

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Strukturelles Defizit bleibt bestehen

Das fundamentale Bild trübt sich trotz der Preisschwäche nicht ein. Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste Defizitjahr in Folge — mit einem projizierten Angebotsfehlbetrag von 67 Millionen Unzen. Allein die Solarbranche absorbiert inzwischen 29 Prozent der gesamten industriellen Nachfrage, gegenüber lediglich 11 Prozent im Jahr 2014.

Auffällig ist auch die jüngste Divergenz zu Gold: Während Gold am 23. März um 2,54 Prozent nachgab, legte Silber um 0,69 Prozent zu — ein Hinweis darauf, dass industrielle Nachfragesignale den Preis zunehmend stärker beeinflussen als reine Risikoaversion.

Ob die partielle Hormuz-Öffnung eine nachhaltige Beruhigung einleitet oder nur eine kurze Atempause vor neuen Eskalationen ist, entscheidet darüber, wie schnell die Krisenprämie zurückkehrt — und mit ihr ein wesentlicher Stützfaktor für den Silberpreis.

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