Silberdefizit trifft auf Mega-Merger: Newmont, Barrick und Coeur im Umbruch

Barrick plant milliardenschwere Afrika-Abspaltung, Coeur steigt in MidCap-Index auf. Die Juni-Korrektur trifft auf tiefgreifende Unternehmensveränderungen.

Felix Baarz ·
First Majestic Silver Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Barrick erwägt 30-Milliarden-Deal in Afrika
  • Newmont trotz Kursrückgang von Analysten gestützt
  • Coeur Mining wird in S&P MidCap 400 aufgenommen
  • Vizsla Silver erhält staatliche Finanzierung aus Mexiko

Fünf Jahre Angebotsdefizit am Silbermarkt, ein möglicher 30-Milliarden-Dollar-Deal in Afrika und eine frischgebackene Index-Aufnahme — die Minenwerte stecken mitten in einer Korrektur, doch die Unternehmen dahinter bauen aggressiv um. Während Gold- und Silberpreise Anfang Juni nachgaben und den gesamten Sektor unter Druck setzten, erzählen die Einzeltitel völlig unterschiedliche Geschichten.

Sektorbild: Korrektur bei intaktem Bullenmarkt

Die Konsolidierung der Edelmetallpreise trifft Produzenten in einer Phase außergewöhnlich hoher Cashflows. J.P. Morgan hält an der Prognose fest, dass Gold bis zum vierten Quartal 2026 in Richtung 5.000 Dollar je Unze vorstoßen könnte. Die Nachfrage der Zentralbanken bleibt mit durchschnittlich 585 Tonnen pro Quartal auf historisch hohem Niveau.

Silber befindet sich im fünften Jahr eines strukturellen Angebotsdefizits. Die Solarbranche allein verschlingt jährlich mehr als 200 Millionen Unzen. Elektrofahrzeuge, Halbleiter, 5G-Infrastruktur und der explodierende Strombedarf von KI-Rechenzentren steigern die industrielle Nachfrage zusätzlich. Neue Minenkapazitäten sind frühestens 2027 bis 2028 zu erwarten.

Die zentralen Sektorthemen im Juni:

  • Strukturelles Silberdefizit drückt oberirdische Lagerbestände auf kritische Niveaus
  • Rekord-Cashflows finanzieren Übernahmen, Dividenden und milliardenschwere Aktienrückkäufe
  • Strategische Umbauten — von Barricks Afrika-Abspaltung bis zu Coeurs Transformation zum nordamerikanischen Großproduzenten
  • Rare-Earth-Effekt: Das Horten strategischer Rohstoffe durch Industriestaaten strahlt auf die physische Gold- und Silbernachfrage aus

Barrick Mining: 30-Milliarden-Deal könnte den Konzern spalten

Die größte Überschrift im Minensektor trägt derzeit Barricks Namen. Der Konzern erwägt offenbar, sein Afrika-Geschäft an die Londoner Börse zu bringen — möglicherweise durch eine Fusion mit Endeavour Mining. Der kombinierte Marktwert einer solchen Einheit könnte 30 Milliarden Dollar erreichen, fast die Hälfte von Barricks aktueller Bewertung. Toronto bliebe als Holdinggesellschaft erhalten.

Der Hintergrund: Barrick will sich von politisch riskanten Jurisdiktionen lösen. Der jahrelange Streit mit der malischen Regierung um den Loulo-Gounkoto-Minenkomplex hat die Motivation für diesen Schritt verstärkt. Eine Entscheidung steht laut Insidern noch aus, eine Ankündigung sei nicht unmittelbar zu erwarten. Abgeschlossen werden soll die Abspaltung dennoch bis Jahresende.

Die operativen Zahlen für das erste Quartal 2026 untermauern die strategische Verhandlungsposition: Der Gewinn je Aktie sprang auf 0,96 Dollar — gegenüber 0,28 Dollar im Vorjahresquartal. Der Umsatz legte um 67 Prozent auf 5,22 Milliarden Dollar zu, der Nettogewinn kletterte um 238 Prozent. Beide Kennzahlen übertrafen die Analystenerwartungen deutlich. Die Quartalsdividende von 0,175 Dollar je Aktie wird am 15. Juni ausgezahlt.

Analysten sehen Barrick mit einem Konsens-Rating „Strong Buy“ und einem durchschnittlichen 12-Monats-Kursziel von 82,26 Kanadischen Dollar auf der TSX. Die Spannbreite reicht von 63,32 bis 95,00 Kanadischen Dollar.

Newmont Mining: Jefferies erhöht Kursziel trotz technischem Warnsignal

Newmont notiert aktuell bei 86,20 Euro — ein Minus von gut 8 Prozent binnen einer Woche. Damit nähert sich der weltgrößte Goldproduzent seinem 200-Tage-Durchschnitt, den die Aktie an der US-Börse bereits kurzfristig unterschritten hat. Ein solcher Bruch gilt unter Charttechnikern als potenzielles Warnsignal.

Die Analystengemeinschaft interpretiert die Schwäche allerdings als Kaufgelegenheit. Jefferies hob das Kursziel von 154 auf 158 Dollar an und bekräftigte die Kaufempfehlung. Barclays taxiert das Ziel auf 133 Dollar. Der Konsens von 29 Analysten liegt bei 145 Dollar, das höchste Einzelziel bei 176 Dollar — gestützt von 17 Kaufempfehlungen bei nur einem Verkaufsvotum.

Die operative Substanz gibt den Optimisten recht: Im ersten Quartal erzielte Newmont einen Umsatz von 7,31 Milliarden Dollar, fast 900 Millionen über dem Konsens. Die Produktion belief sich auf 1,3 Millionen Unzen Gold, 9 Millionen Unzen Silber und 30.000 Tonnen Kupfer. Die operative Marge erreichte 58,1 Prozent. Zugleich genehmigte der Vorstand ein neues Aktienrückkaufprogramm über 6 Milliarden Dollar und bestätigte die Jahresprognose.

Ob der Rutsch unter den 200-Tage-Durchschnitt ein kurzfristiger Dip bleibt oder eine längere Underperformance einleitet, dürfte sich mit den nächsten Quartalszahlen klären.

First Majestic Silver: Hauptversammlung als Weichenstellung

Heute steht für First Majestic Silver die Jahreshauptversammlung in Vancouver an. Die Aktionäre stimmen über die Zusammensetzung des Boards, die Vorstandsvergütung und den langfristigen Anreizplan ab. Gleichzeitig werden die geprüften Jahresabschlüsse für 2025 vorgelegt.

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Operativ hat das Unternehmen seine mexikanische Basis erheblich verbreitert. Die gemessenen und angezeigten Mineralressourcen stiegen im Jahresvergleich um 50 Prozent auf 86,6 Millionen Tonnen mit einem Inhalt von 652,8 Millionen Unzen Silberäquivalent. Allein im ersten Quartal 2026 wurden rund 65.970 Bohrmeter absolviert, bis zu 27 Bohrgeräte liefen gleichzeitig.

Die Aktie notiert bei 14,99 Euro und hat innerhalb eines Monats rund ein Viertel ihres Werts verloren. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von gut 9 Prozent. Die hohe annualisierte Volatilität von knapp 77 Prozent und ein RSI von 35,7 signalisieren, dass die Aktie sich im überverkauften Bereich bewegt.

Zum Jahreswechsel hatte First Majestic die Dividende verdoppelt — von 1 auf 2 Prozent der vierteljährlichen Nettoerlöse. Die erste Zahlung auf dem erhöhten Niveau erfolgte im Mai. Im Nachhaltigkeitsbericht wies das Unternehmen eine Rekord-Reduktion der CO₂-Intensität aus: minus 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr und minus 49 Prozent seit 2019.

Vizsla Silver: Mexikos Regierung finanziert den Weg zur Produktion

Für Vizsla Silver brachte der Mai ein bemerkenswertes Signal. Die mexikanische Tochtergesellschaft Minera Canam sicherte sich eine unbesicherte Betriebsmittellinie über 173 Millionen Peso — umgerechnet rund 10 Millionen Dollar — von FIFOMI, einer staatlichen mexikanischen Bergbaufinanzierungsinstitution. Die Fazilität läuft über fünf Jahre mit zwei Jahren tilgungsfreier Zeit.

CEO Michael Konnert wertete die Vereinbarung als wichtigen Schritt der Validierung des Panuco-Projekts durch eine respektierte staatliche Institution. Für einen Explorer im Entwicklungsstadium ist eine solche Unterstützung ungewöhnlich und sendet ein klares Signal an internationale Investoren.

Die Machbarkeitsstudie von 2025 untermauert die Projektökonomie: ein Nettogegenwartswert nach Steuern von 1,8 Milliarden Dollar bei einem Diskontierungssatz von 5 Prozent, eine interne Rendite von 111 Prozent und eine Amortisationszeit von nur sieben Monaten. In den ersten fünf Betriebsjahren soll Panuco durchschnittlich 20,1 Millionen Unzen Silberäquivalent pro Jahr produzieren.

Vizsla peilt eine Bauentscheidung im zweiten Halbjahr 2026 an, sofern die ausstehende Umweltgenehmigung (MIA) erteilt wird. Erste Silberproduktion ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. Für 2026 sind rund 60.000 Bohrmeter budgetiert. Die EPCM-Aufträge für Prozessanlage und Infrastruktur im Umfang von etwa 170 Millionen Dollar gingen bereits an M3 Engineering.

Coeur Mining: Index-Aufnahme krönt die Transformation

Am 22. Juni wird Coeur Mining in den S&P MidCap 400 aufgenommen — ein struktureller Katalysator, der passive Indexfonds und benchmarkorientierte Investoren zum Kauf zwingt. Coeur ersetzt BellRing Brands im Materialiensektor des Index.

Der Weg dorthin war lang. Mit der Übernahme von New Golds Rainy-River- und New-Afton-Minen sowie der Integration von SilverCrest hat sich Coeur zu einem reinrassig nordamerikanischen Edelmetallproduzenten mit sieben Betriebsstätten gewandelt. Das erste Quartal 2026 spiegelt diesen Umbau: 856 Millionen Dollar Umsatz, ein GAAP-Nettogewinn von 247 Millionen Dollar und ein freier Cashflow von 267 Millionen Dollar. Die Barreserven verelfachten sich im Jahresvergleich auf 843 Millionen Dollar.

Als Krönung erklärte Coeur seine erste Dividende überhaupt — halbjährlich 0,02 Dollar je Aktie, zahlbar morgen, am 10. Juni. Die Bewertung bleibt mit einem KGV von rund 14,7 und einer EBIT-Marge von 39 Prozent moderat.

Coeur notiert bei 14,77 Euro und hat sich nach einem Rücksetzer von der 19-Euro-Marke stabilisiert. Das Konsens-Kursziel liegt bei 24,56 Dollar. CEO Mitchell Krebs und CFO Thomas Whelan präsentieren am 11. Juni auf der RBC Capital Markets Global Mining & Materials Conference in New York — eine Gelegenheit, die neue Strategie vor institutionellen Investoren zu untermauern.

Edelmetall-Minen zwischen Konsolidierung und strategischem Neuanfang

Die Juni-Korrektur trifft fünf Unternehmen, die sich operativ so stark unterscheiden wie selten zuvor. Barricks potenzielle Afrika-Abspaltung könnte den gesamten Sektor neu ordnen. Coeur wird durch die Index-Aufnahme eine völlig neue Investorenbasis gewinnen. Vizsla steht mit der ausstehenden Umweltgenehmigung vor dem entscheidenden Tor zur Produktion. Newmont muss beweisen, dass der technische Bruch unter den 200-Tage-Durchschnitt tatsächlich nur eine Einkaufsgelegenheit war. Und First Majestic richtet mit der heutigen Hauptversammlung die Governance für ein zunehmend zentrales mexikanisches Silberportfolio aus.

Die reine Rohstoffpreisbewegung erklärt die Kursschwäche — doch die Unterschiede zwischen den Titeln werden nicht von Gold und Silber bestimmt, sondern von der Frage, wer sein Unternehmen am konsequentesten umbaut.

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First Majestic Silver Aktie

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KGV 0,00
Sektor Grundlegende Materialien
Div.-Rendite 0,26 %
Marktkapitalisierung 2,86 Mrd. EUR
ISIN: CA32076V1031 WKN: A0LHKJ

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