Sivers: 15. Juni mit Kapitalerhöhung und Aufsichtsrat-Wechsel
Sivers Semiconductors plant US-Listing und Kapitalerhöhung. Die Hauptversammlung im Juni entscheidet über strategische Neuausrichtung und Verwässerung.

Kurz zusammengefasst
- Pentagon-Auftrag treibt Aktienrallye an
- Bilanzkorrektur für US-Prüfstandards
- Kapitalerhöhung von 15 Prozent geplant
- Aufsichtsrat wird neu besetzt
Die Aktie von Sivers Semiconductors hat in den letzten Handelstagen eine Rallye hingelegt, die sich sehen lässt. Am 25. Mai schloss das Papier bei 85,55 SEK – ein Tagesplus von 17,35 Prozent. Seit Monatsbeginn summiert sich der Gewinn auf über 163 Prozent.
Auslöser war ein Pentagon-Auftrag im Volumen von 6,6 Millionen Dollar für das zweite Jahr des EW-STAR-Projekts unter dem CHIPS Act. Doch die wahren Weichenstellungen stehen noch bevor: Am 15. Juni folgt die Hauptversammlung in Stockholm.
Richtigstellung der Bücher
Parallel zur Hauptversammlung hat Sivers die Jahresabschlüsse 2024 und 2025 neu gefasst. Grund ist die mögliche Zweitnotierung an der Nasdaq New York, die eine Umstellung auf US-Prüfstandards (PCAOB) erfordert.
Die Korrekturen sind heftig: Für 2024 reduzierte sich der ausgewiesene Umsatz von 243,7 auf 219,2 Millionen Kronen. Der Nettoverlust stieg gleichzeitig von 116,3 auf 183,9 Millionen Kronen. Auch 2025 fällt die Bilanz schlechter aus als zunächst kommuniziert – der operative Verlust liegt nun bei 177,8 Millionen Kronen, der Nettoverlust bei 222,6 Millionen.
Kapitalerhöhung und Verwässerung
Der Vorstand will sich weitreichende Befugnisse sichern. Zur Abstimmung steht ein langfristiges Aktienoptionsprogramm über bis zu sieben Millionen Optionen – das entspricht rund zwei Prozent Verwässerung auf voll verwässerter Basis. Hinzu kommt die Ermächtigung zur Ausgabe von Aktien, Optionsscheinen und Wandelanleihen im Umfang von knapp 54 Millionen Aktien, also etwa 15 Prozent des aktuellen Bestands.
Offiziell dient das Geld dem organischen Wachstum, möglichen Zukäufen, neuen strategischen Investoren und der US-Notierung.
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Aufsichtsrat im Umbruch
Die Hauptversammlung stimmt auch über eine umfassende Neubesetzung des Kontrollgremiums ab. Der Nominierungsausschuss schlägt fünf Mitglieder vor: die drei bisherigen Direktoren Bami Bastani, Todd Thomson und Karin Raj sowie Joakim Nideborn und Helena Svancar als Neuzugänge.
Der Abgang könnte nicht symbolträchtiger sein: Erik Fällström, Mitgründer und früher Investor, scheidet aus – gemeinsam mit Keith Halsey und dem stellvertretenden Vorsitzenden Tomas Duffy. Ein generationeller Wechsel, der den Anspruch auf eine US-Expansion unterstreicht.
Risiken bleiben bestehen
Die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde ermittelt, ob Informationen über die Nasdaq-Pläne vor der offiziellen April-Ankündigung durchgesickert sind. Ein nachgewiesener Verstoß könnte den Zeitplan für die US-Listung gefährden.
Hinzu kommt die angespannte Lage des größten Aktionärs Achilles Capital: Seine Muttergesellschaft DDM Finance steckt in der Restrukturierung, nachdem Anleihen ausgefallen sind. Ein Großverkauf ist nicht ausgeschlossen.
Auf der Short-Seite positionieren sich Voleon Capital mit 1,86 Prozent und Two Sigma mit 1,78 Prozent der Aktien. Gleichzeitig notiert Sivers beim 59,7-fachen Umsatz – der durchschnittliche Analyst schätzt den fairen Wert auf 6,55 Kronen.
Am 15. Juni müssen die Aktionäre abwägen: strategische Logik gegen massive Verwässerung, Neuanfang gegen Risiken. Das wird der entscheidende Test für die Aktie.
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