Sivers: 53,8 Millionen Aktien zur Abstimmung
Sivers-Aktionäre stimmen über Kapitalerhöhung für US-Börsengang ab. Leerverkäufe und Insiderverkäufe belasten die Aktie.

Kurz zusammengefasst
- Abstimmung über Kapitalerhöhung am Montag
- Dual Listing an der Nasdaq geplant
- Leerverkäufer attackieren das Unternehmen
- Insiderverkäufe belasten die Stimmung
Sivers Semiconductors steht vor einer richtungsweisenden Woche. Am morgigen Montag stimmen die Aktionäre über die zukünftige Kapitalstruktur ab. Das Umfeld könnte kaum brisanter sein. Leerverkäufer, eine strafrechtliche Untersuchung und massive Insiderverkäufe belasten die Stimmung.
Die Kursentwicklung spiegelt diese Nervosität wider. Am Freitag schloss das Papier bei 8,38 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von gut 25 Prozent. Die annualisierte Volatilität liegt bei extremen 242 Prozent. Kein Wunder.
Nasdaq-Pläne und Verwässerung
Auf der Hauptversammlung in Stockholm geht es ans Eingemachte. Das Management plant ein Dual Listing an der US-Börse Nasdaq. Dafür braucht der Konzern frisches Geld. Zur Abstimmung steht eine Kapitalerhöhung um bis zu 53,8 Millionen neue Aktien. Das bedeutet eine Verwässerung von rund 15 Prozent.
Die Mittel sollen in künstliche Intelligenz, Photonik und Übernahmen fließen. Der Jahresbericht verzögert sich derweil. Sivers passt seine Bilanzen derzeit an die strengen US-Prüfungsstandards an.
Leerverkäufer und Insider-Flucht
Abseits der Börsenpläne kämpft das schwedische Unternehmen an mehreren Fronten. Schwedische Staatsanwälte ermitteln wegen mutmaßlichen Insiderhandels. Ein anonymer X-Account hatte Details zum US-Listing vorab veröffentlicht.
Parallel dazu attackiert der Leerverkäufer Ningi Research den Konzern. Die Analysten zweifeln die Umsatzrealisierung an. Mindestens 97 Millionen Kronen für das Jahr 2025 seien fragwürdig. Das entspricht etwa 31 Prozent des ausgewiesenen Jahresumsatzes. Sivers hat diese Vorwürfe bislang nicht bestätigt. US-Kanzleien prüfen bereits Sammelklagen.
Auch das Verhalten der Führungsebene wirft Fragen auf. Harish Krishnaswamy leitet die Tochtergesellschaft Sivers Wireless. Er verkaufte Ende Mai rund 1,39 Millionen Aktien. Das brachte ihm knapp 99,5 Millionen Kronen ein. In den vergangenen drei Monaten gab es ausschließlich Insiderverkäufe.
Milliardenmarkt und operative Delle
Operativ zeichnet das Management ein deutlich positiveres Bild. Die Auftragspipeline wuchs seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Anfang Juni verkündete Sivers eine strategische Partnerschaft mit GlobalFoundries. Gemeinsam entwickeln sie Silizium-Photonik-Lösungen für KI-Infrastruktur. Sivers schätzt den adressierbaren Markt bis 2030 auf 25 Milliarden Dollar.
Die aktuellen Zahlen hinken diesen Zielen hinterher. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. Der operative Cashflow rutschte tief ins Minus. Das Management macht dafür Verzögerungen im US-Verteidigungshaushalt verantwortlich. In der zweiten Jahreshälfte soll das Geschäft wieder anziehen.
Die Abstimmung am Montag gibt die Richtung für die kommenden Wochen vor. Ein Ja zum Nasdaq-Plan könnte den Kurs stützen. Eine Ablehnung würde dem Papier seinen stärksten Katalysator nehmen. Die Leerverkäufer sind in Position. Sie halten aktuell 6,55 Prozent der frei handelbaren Aktien. Jede Überraschung auf der Hauptversammlung dürfte sofortige Kursausschläge auslösen.
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