Sivers: Achilles Capital in der Krise
Ermittlungen, Vorstandsumbau und korrigierte Zahlen belasten Sivers vor der Hauptversammlung. Die Nasdaq-Notierung rückt in den Fokus.

Kurz zusammengefasst
- Insider-Ermittlungen überschatten Nasdaq-Pläne
- Kompletter Vorstandsumbau eingeleitet
- Tiefere Verluste nach Bilanzkorrektur
- Großaktionär in finanzieller Schieflage
Strafermittlungen, ein komplett neuer Vorstand, massiv korrigierte Zahlen und ein Großaktionär in der Krise — bei Sivers Semiconductors häufen sich die Belastungen kurz vor der Hauptversammlung am 15. Juni. Das Timing ist heikel: Das schwedische Photonics- und mmWave-Unternehmen verfolgt gleichzeitig eine Nasdaq-Notierung in New York.
Insider-Trading-Ermittlung überschattet Nasdaq-Pläne
Schweden Economic Crime Authority untersucht möglichen Insiderhandel rund um die Ankündigung des Nasdaq-Dual-Listings. Rund 48 Stunden vor der offiziellen Pressemitteilung im April veröffentlichte ein anonymer Account auf X mit großer Reichweite Details zur geplanten Notierung. Die Kursbewegungen danach fielen auffällig aus.
Staatsanwalt Jonas Myrdal prüft, ob die EU-Marktmissbrauchsverordnung verletzt wurde. Eine bestätigte Verletzung könnte auch US-Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen — ausgerechnet in einer Phase, in der das Listing-Timing entscheidend ist.
Vorstandsumbau soll US-Investoren ansprechen
Der Aufsichtsrat wird grundlegend neu aufgestellt. Neben den verbleibenden Mitgliedern Dr. Bami Bastani (Vorsitzender), Todd Thomson und Karin Raj kommen zwei neue Kandidaten hinzu: Joakim Nideborn, ehemaliger CFO börsennotierter Technologieunternehmen, übernimmt das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Helena Svancar bringt mehr als zwei Jahrzehnte internationale Führungserfahrung mit.
Gleichzeitig scheiden Gründer Erik Fällström, Keith Halsey und der frühere stellvertretende Vorsitzende Tomas Duffy aus. Der skandinavische Gründereinfluss schwindet. Das Profil des Boards wird internationaler — und für US-institutionelle Investoren zugänglicher.
Neufassung der Zahlen legt tiefere Verluste offen
Die Neuaufstellung der Jahresabschlüsse nach US-PCAOB-Prüfstandards hat das Bild erheblich verändert. Für 2024 sank der Umsatz auf 219,2 Millionen schwedische Kronen, gegenüber zuvor ausgewiesenen 243,7 Millionen. Der Nettoverlust weitete sich auf 183,9 Millionen Kronen aus — nach ursprünglich 116,3 Millionen.
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Auch die 2025er-Zahlen wurden angepasst. Der Umsatz stieg leicht auf 306,6 Millionen Kronen, doch der Nettoverlust wuchs auf 222,6 Millionen Kronen, nach zuvor gemeldeten 186,5 Millionen. Ursachen sind unter anderem verschobene Umsatzrealisierungen, korrigierte Lagerbestandsbewertungen und Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten.
Verwässerung, Großaktionär-Krise und eine extreme Bewertung
Auf der Hauptversammlung stimmen die Aktionäre über ein Langfrist-Incentiveprogramm mit bis zu sieben Millionen Aktienoptionen ab. Das entspricht einer Verwässerung von rund zwei Prozent auf vollständig verwässerter Basis.
Dazu kommt ein strukturelles Risiko: Achilles Capital, der größte Einzelaktionär, steckt in der Klemme. Die Muttergesellschaft DDM Finance hat nach Fälligkeit von Anleihen im Volumen von rund 225 Millionen Euro Restrukturierung beantragt. Der Plan sieht den Verkauf von Kredit- und Technologiebeteiligungen im Wert von 30 bis 80 Millionen Euro vor. Ob Sivers dazu gehört, ist offen. Ein unkontrollierter Verkauf des Pakets würde den Kurs belasten.
Ohnehin klafft zwischen Bewertung und Analystenmeinung eine breite Lücke. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei knapp 60 — der durchschnittliche Analystenkurs beträgt 6,55 Kronen. Voleon Capital hält eine Short-Position von 1,86 Prozent, Two Sigma von 1,78 Prozent.
Erster Quartalsbericht als Nagelprobe
Operativ zeigt das Unternehmen Fortschritte. Die Auftragspipeline wuchs um 64 Prozent auf 453 Millionen US-Dollar. Das Management peilt einen annualisierten Umsatz von 50 bis 55 Millionen Dollar an und will eine Bruttomarge über 50 Prozent erreichen — die Schwelle zur operativen Gewinnschwelle.
Am 29. Mai legt Sivers die Ergebnisse für das erste Quartal 2026 vor. Es ist der erste Bericht unter dem neuen Rechnungslegungsrahmen. Noch am selben Abend nimmt das Unternehmen in den MSCI Sweden Small-Cap Index auf — ein passiver Kaufimpuls, der den Kurs stützen könnte. Sechs Tage später entscheidet die Hauptversammlung, ob Aktionäre den Umbau mittragen.
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