Sivers: Ningi wirft 97-Millionen-Umsatz-Betrug vor
Schwere Vorwürfe gegen Sivers Semiconductors: Ein Shortseller-Bericht, Insiderermittlungen und eine neue Partnerschaft lassen die Aktie stark schwanken.

Kurz zusammengefasst
- Vernichtender Shortseller-Bericht veröffentlicht
- US-Anwaltskanzlei prüft Wertpapierverstöße
- Schwedische Ermittlungen wegen Insiderhandels
- Kurssprung von 60 Prozent nach Partnerschaft
Sivers Semiconductors erlebt eine der turbulentesten Wochen seiner Börsengeschichte. Ein vernichtender Shortseller-Bericht, eine US-Anwaltskanzlei, die mögliche Wertpapierverstöße prüft, und schwedische Ermittlungen wegen Insiderhandels – parallel dazu kündigt das Unternehmen eine Partnerschaft mit GlobalFoundries an. Die Aktie reagiert mit einem Wechselbad aus Verlusten und einem Kurssprung von 60 Prozent.
Am 1. Juni veröffentlichte die Research-Firma Ningi einen Bericht mit schweren Vorwürfen. Sivers habe Umsätze aggressiv verbucht – mindestens 97 Millionen Kronen, rund 31 Prozent des Gesamtumsatzes 2025, seien fragwürdig. Ein Teil dieser Erlöse sei an Produkte geknüpft, die gar nicht produziert wurden, oder an Forschungszuschüsse, die als kommerzielle Verkäufe deklariert seien. Noch sind es Vorwürfe, keine behördlichen Feststellungen – aber sie treffen das Unternehmen in einer verletzlichen Phase.
Die US-Kanzlei Rosen Law Firm leitete umgehend eine Untersuchung ein. Sivers habe womöglich irreführende Geschäftsinformationen veröffentlicht, heißt es. Die OTC-Notierung in den USA fiel daraufhin um 9,2 Prozent.
Insiderermittlungen und Short-Squeeze
Parallel dazu durchsucht die schwedische Staatsanwaltschaft den Handel. Die Aktie sei 48 Stunden vor der Ankündigung der geplanten US-Notierung stark gestiegen. „Auffällig“, sagt Staatsanwalt Jonas Myrdal – und erinnert an frühere Pump-and-Dump-Fälle. Ermittelt wird wegen Verstoßes gegen die EU-Marktmissbrauchsverordnung.
Hinzu kommt ein Governance-Problem: Board-Mitglied Erik Fällström ließ seine Firma Achilles Capital still und heilig 29 Millionen Aktien für mindestens 461 Millionen Kronen verkaufen. Gleichzeitig nannte er die Aktie öffentlich „deutlich unterbewertet“.
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Trotz der Vorwürfe: Am 2. Juni schoss der Kurs um 60 Prozent nach oben – ausgelöst durch die GlobalFoundries-Partnerschaft. Rund 17 Prozent des Free-Floats waren Ende Mai short, berichtet S&P Global. Ein massiver Short-Squeeze zwang Leerverkäufer zum Eindecken. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 245 Prozent. Die Aktie notiert aktuell bei 8,35 Euro – 18 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro.
Fundamentale Baustellen bleiben
Die Zahlen trüben das Bild. Der Umsatz fiel im ersten Quartal um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. Das bereinigte EBITDA war mit minus 13,8 Millionen Kronen negativ, der operative Cashflow bei minus 49,2 Millionen. Partner WIN Semi teilte Investoren mit, dass die Produktion von InP-Laserdioden nicht laufe – die Kundenlaser seien „sehr unzuverlässig“. Ein Nvidia-Ingenieur soll zudem gesagt haben, Sivers sei nicht in Nvidias Ökosystem, weil die Produkte gegen Lumentum oder Coherent nicht bestehen könnten.
Am 15. Juni entscheidet die Hauptversammlung über die Zukunft: eine mögliche Zweitnotierung in New York, ein Kapitalbeschluss über 53,8 Millionen neue Aktien – eine Verwässerung von rund 15 Prozent – und ein Board-Umbau. Die skandinavischen Gründer scheiden aus, neue Kräfte mit internationaler Erfahrung rücken nach. Die Richtung stimmt, das Vertrauen muss sich das Management erst zurückholen.
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