Sivers Semiconductors: 12-Millionen-Dollar-Schuld wird Aktie
Gläubiger Bootstrap Europe wandelt Darlehen in Sivers-Aktien um. Die Aktie reagiert mit einem Kurssprung von über 18 Prozent.

Kurz zusammengefasst
- Kredit von 12 Mio. Dollar getilgt
- Aktienkurs steigt um 18 Prozent
- Zweite Kapitalerhöhung in kurzer Zeit
- Umsatz im ersten Quartal gesunken
Ein Kredit über 12 Millionen Dollar verschwindet einfach von der Bilanz. Kreditgeber Bootstrap Europe wandelt seine gesamte Forderung gegenüber Sivers Semiconductors in frische Aktien um. Die Nachricht schickt die Aktie am Freitag um 18,34 Prozent nach oben, auf 5,20 Euro.
Bootstrap tauscht Forderung gegen Aktienpaket
Der Deal ist Teil einer Refinanzierung, die der schwedische Photonik- und Funkchip-Spezialist bereits im Februar eingefädelt hatte. Damals sicherte sich Sivers eine Kreditlinie über insgesamt 17 Millionen Dollar bei Bootstrap, darunter ein wandelbares Darlehen über 12 Millionen Dollar mit fixem Zinssatz.
Der Wandlungspreis lag bei 4,77 schwedischen Kronen je Aktie. Bootstrap zog jetzt die volle Wandlungsoption. Der Vorstand beschloss daraufhin die Ausgabe von 22.847.044 neuen Stammaktien an den Kreditgeber. Die Zahlung erfolgte per Verrechnung — Bootstraps Forderung gegen frische Anteile. Das Unternehmen meldete den Vorgang als Insiderinformation nach EU-Marktmissbrauchsverordnung.
Zweite Kapitalmaßnahme binnen weniger Tage
Die Schuldenwandlung folgt dicht auf eine separate Kapitalerhöhung. Basierend auf der Ermächtigung der Hauptversammlung vom 15. Juni beschloss der Vorstand eine gerichtete Aktienemission von 12.280.701 Stammaktien. Das entspricht rund 700 Millionen schwedischen Kronen bei einem Zeichnungspreis von 57 Kronen je Aktie.
Die Platzierung war mehrfach überzeichnet. Schwedische und internationale institutionelle Investoren beteiligten sich, darunter sowohl neue als auch bestehende Aktionäre. Der Zeichnungspreis lag rund 9,7 Prozent unter dem Schlusskurs vom 30. Juni an der Nasdaq Stockholm.
Beide Transaktionen zusammen haben die Aktienzahl kräftig aufgebläht. Zum Stichtag 30. Juni zählte Sivers 319.953.572 ausstehende Stammaktien.
Management bleibt gebunden
Die Führungsriege darf ihre Anteile weiterhin nicht verkaufen. Im Zuge der gerichteten Emission vom 16. April unterzeichneten Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard Lock-up-Vereinbarungen bis zum 16. Juli. Bestehende Sperrfristen blieben ohnehin in Kraft, neue waren für die jüngste Emission nicht nötig.
Auch im Aufsichtsgremium gab es Bewegung. Bami Bastani bleibt Chairman, Joakim Nideborn rückt neu als stellvertretender Vorsitzender nach.
Geschäftszahlen zeigen gemischtes Bild
Die operative Entwicklung passt nicht recht zum frischen Kapitalpolster. Der Umsatz im ersten Quartal brach um 22 Prozent auf rund 62 Millionen schwedische Kronen ein. Die Projekt-Pipeline wuchs dafür auf 799 Millionen Dollar, und ein wichtiger LiDAR-Kunde startet im vierten Quartal die Serienproduktion — ein Programm mit einem Volumen von bis zu 138 Millionen Dollar.
CEO Vathulya rahmt die Kapitalmaßnahmen bewusst nicht als Notlösung. Er wertet sie stattdessen als Beleg für anhaltendes Investoreninteresse an den Feldern KI, Satellitenkommunikation und Verteidigung.
Extreme Schwankungen halten an
Der Freitagssprung ändert wenig am größeren Bild. Die Aktie notiert weiterhin rund 49 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro vom 3. Juni. Auf Monatssicht steht ein Minus von knapp 38 Prozent, auf Wochensicht ein Rückgang von fast 12 Prozent.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 6,16 Euro — auch davon ist der aktuelle Kurs mit 15,6 Prozent Abstand noch entfernt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 213 Prozent. Kaum ein anderer Wert an europäischen Börsen schwankt derzeit so heftig.
Am 6. August legt Sivers seinen Quartalsbericht für das zweite Jahresviertel vor. Bis dahin dürfte jede Nachricht — von Regulierungsbehörden, Leerverkäufern oder den Kapitalmärkten — für heftige Kursausschläge sorgen. Ob das frische Kapitalpolster aus Aktienplatzierung und Schuldenwandlung reicht, um die Stimmung vor diesem Termin zu stabilisieren, bleibt offen.
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