Sivers Semiconductors: 275.000 Aktien verkauft
Sivers-Aktie verliert in 30 Tagen fast die Hälfte ihres Werts. Der Konzern bereitet sich auf das Nasdaq-Listing vor, während Insider unterschiedliche Signale senden.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert 50 Prozent in 30 Tagen
- CEO kauft, Chairman verkauft Anteile
- PCAOB-Umstellung für Nasdaq-Listing
- Quartalszahlen am 27. August erwartet
Ein Aktienkurs, der binnen 30 Tagen fast die Hälfte seines Wertes verliert. Ein Chairman, der Aktien verkauft, während der CEO gleichzeitig zukauft. Und ein Konzern, der mitten in der wichtigsten Bilanzumstellung seiner Geschichte steckt. Bei Sivers Semiconductors kommt derzeit einiges zusammen.
Die Aktie schloss am Montag bei 2,68 Euro, ein Rückgang von 2,55 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier fast die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Zum Vergleich: Im Juni 2026 hatte die Aktie noch bei 10,23 Euro notiert.
Der Rutsch fällt in eine heikle Phase. Sivers tritt jetzt in die reguläre „Closed Period“ vor dem Quartalsbericht ein. Das Unternehmen veröffentlicht seine Zahlen zum zweiten Quartal am 27. August 2026.
Vom SPAC-Deal zum direkten Nasdaq-Listing
Die eigentliche Geschichte hinter dem Kursverfall ist ein strategischer Kurswechsel. Ursprünglich wollte Sivers seine Photonik-Sparte über eine Fusion mit der Mantelgesellschaft byNordic Acquisition Corporation an die Börse bringen. Im November 2024 legte der Vorstand diesen De-SPAC-Deal auf Eis. Als Grund nannte das Board schwierige Kapitalmarktbedingungen für SPAC-Fusionen und gab byNordic frei, sich einen anderen Partner zu suchen.
Heute verfolgt Sivers einen anderen Plan: ein direktes Dual-Listing an der Nasdaq in New York. Dafür durchläuft der Konzern gerade ein sogenanntes „Audit Uplift“. Das bedeutet: Die konsolidierten Abschlüsse für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 werden an die Standards des amerikanischen PCAOB angepasst.
Diese Umstellung hat Folgen. Der Nettoverlust für 2025 wurde nach oben korrigiert, auf umgerechnet rund 223 Millionen schwedische Kronen. Grund dafür sind Anpassungen bei der Umsatzverteilung und der Lagerbewertung.
Insider senden widersprüchliche Signale
Am 16. Juli 2026 lief eine Lock-up-Frist für Insider aus. Was danach passierte, lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. CEO Vickram Vathulya kaufte 70.000 zusätzliche Aktien und hält jetzt über 4,5 Millionen Anteile. Sein Vertrauen in die Strategie scheint ungebrochen.
Chairman Bami Bastani schlug den entgegengesetzten Weg ein. Er verkaufte am selben Tag 275.000 Aktien und verschenkte weitere 130.000 Anteile an wohltätige Organisationen und Familienmitglieder. Ob das ein Warnsignal ist oder schlicht persönliche Liquiditätsplanung, lässt sich von außen nicht beurteilen.
Zusätzlich hat sich die Aktionärsstruktur verändert. Zum 31. Juli 2026 zählte Sivers insgesamt 355.081.317 ausstehende Stammaktien. Der Anstieg resultiert aus einer gezielten Kapitalerhöhung und der Wandlung eines Wandeldarlehens über 12 Millionen Dollar durch Bootstrap Europe. Damit ist der Konzern seine gesamten ausstehenden Wandelschulden los.
Charttechnik zeigt überverkaufte Tendenzen
Der 14-Tage-RSI liegt bei 36,8 und nähert sich damit der überverkauften Zone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 167,69 Prozent zeigt, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt. Für Anleger, die auf eine Stabilisierung hoffen, ist das ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf technisch überzogen sein könnte, ohne dass dies bereits eine Trendwende garantiert.
Der Bericht am 27. August dürfte Klarheit über zwei Dinge liefern: den Fortschritt beim PCAOB-Audit und einen konkreten Zeitplan für das New Yorker Listing. Das Management hatte zuvor angedeutet, dieses innerhalb der kommenden Quartale umsetzen zu wollen. Ob das „Audit Uplift“ tatsächlich die Bewertung freisetzt, die der Vorstand an den europäischen Märkten für unerkannt hält, wird sich an diesem Termin zeigen.
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