Sivers Semiconductors Aktie: 33 Prozent Wochenverlust nach Doppel-Emission
Zwei Kapitalmaßnahmen in kurzer Zeit verwässern den Aktienbestand massiv. Der Kurs des Chip-Herstellers fällt auf ein neues Tief.

Kurz zusammengefasst
- Aktienkurs verliert über 5 Prozent
- Kapitalerhöhung bringt 700 Millionen Kronen
- Wandeldarlehen in Aktien umgewandelt
- Management verpflichtet sich zu Verkaufsverzicht
Zwei Kapitalmaßnahmen in wenigen Tagen, ein Kurs im freien Fall. Sivers Semiconductors hat frisches Geld eingesammelt und Schulden in Aktien getauscht. Die Rechnung zahlen bestehende Aktionäre mit einer massiven Verwässerung.
Am Mittwoch fiel die Aktie des schwedischen Photonik- und mmWave-Chipherstellers um 5,13 Prozent auf 3,59 Euro. Innerhalb einer Woche hat das Papier damit 33,03 Prozent seines Werts verloren. Der Kurs liegt jetzt fast 65 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, das erst am 3. Juni erreicht wurde.
Kapitalerhöhung bringt 700 Millionen Kronen
Der Vorstand beschloss eine gerichtete Aktienplatzierung über 12.280.701 neue Stammaktien. Das Volumen: umgerechnet rund 700 Millionen schwedische Kronen. Institutionelle Investoren aus Schweden und dem Ausland zeichneten die Papiere zu 57 Kronen pro Aktie — ein Abschlag von etwa 9,7 Prozent zum Schlusskurs vom 30. Juni an der Nasdaq Stockholm.
Die Nachfrage übertraf das Angebot mehrfach. Sowohl neue als auch bestehende Aktionäre beteiligten sich an der Platzierung.
Kurz danach folgte der nächste Schritt. Der Kreditgeber Bootstrap Europe IV SCSp wandelte ein Wandeldarlehen über 12 Millionen Dollar in Aktien um. Der Vorstand gab dafür 22.847.044 neue Stammaktien aus. Die Gesamtzahl der Aktien stieg damit von 332.234.273 auf 355.081.317 — eine zusätzliche Verwässerung von rund 6,4 Prozent für bestehende Anteilseigner.
CFO Heine Thorsgaard bewertet den Schulden-Tausch positiv für die Bilanz. Bootstrap Europe sei ein exzellenter strategischer Finanzierungspartner, so Thorsgaard. Die Umwandlung reduziere die ausstehenden Schulden deutlich und passe zur Strategie des Unternehmens, die Bilanz zu stärken und Investitionen auf die drei wachstumsstarken Kernsegmente zu konzentrieren.
Management bindet sich bis Mitte Juli
Um verunsicherte Investoren zu beruhigen, haben sich Führungskräfte zu Verkaufsverzicht verpflichtet. Die Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard dürfen ihre Aktien bis zum 16. Juli 2026 nicht verkaufen. Eine frühere Lock-up-Vereinbarung aus einer Kapitalerhöhung im April gilt weiterhin.
Die Geste ändert wenig am Kernproblem: Die Aktienzahl ist binnen weniger Tage massiv gestiegen. Marktbeobachter bringen genau diesen Effekt direkt mit dem Kurssturz in Verbindung.
Extreme Kursausschläge, überverkaufte Signale
Der aktuelle Kurs von 3,59 Euro liegt weit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,21 Euro — ein Abstand von über 42 Prozent. Der RSI-Wert von 33,8 nähert sich der überverkauften Zone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von fast 219 Prozent zeigt, wie heftig die Aktie derzeit schwankt.
Bemerkenswert: Trotz des jüngsten Absturzes notiert die Aktie noch immer weit über ihrem 52-Wochen-Tief von 0,27 Euro, das erst Anfang März erreicht wurde. Die Kursachterbahn bei Sivers verläuft in beide Richtungen extrem.
US-Listing bleibt Ziel
Neben den akuten Kapitalmaßnahmen verfolgt Sivers weiter Pläne für ein Zweitlisting in den USA. Die jüngste Umwandlung und Platzierung bauen auf einer breiteren Refinanzierung auf. Im Februar 2026 hatte Sivers sämtliche externen Kreditlinien abgelöst und sich mit Bootstrap eine neue Kreditfazilität über 17 Millionen Dollar gesichert.
Der nächste konkrete Termin ist der Quartalsbericht zum zweiten Quartal. Investoren werden dort genau prüfen, ob sich die frische Liquidität in operativem Fortschritt niederschlägt — nach Wochen mit heftiger Verwässerung und einem Kurs, der binnen 30 Tagen fast 55 Prozent verloren hat.
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