Sivers Semiconductors Aktie: 6. August wird zum Test
Sivers Semiconductors verschiebt Nasdaq-Abstimmung, erhält neuen Aufsichtsrat und sieht sich Insiderermittlungen sowie Shortseller-Vorwürfen gegenüber.

Kurz zusammengefasst
- Nasdaq-Listing-Abstimmung zurückgezogen
- Aufsichtsrat mit drei Neuzugängen
- Insiderhandelsermittlung durch Behörden
- Shortseller hinterfragt Umsatzausweise
Der schwedische Photonics- und Wireless-Chiphersteller Sivers Semiconductors startet in die neue Handelswoche mit einem umgebauten Aufsichtsrat, einer aufgeschobenen Nasdaq-Abstimmung und einer laufenden Insiderhandelsermittlung. Drei Baustellen gleichzeitig — und eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 236 Prozent, die selbst kleine Nachrichten in große Kursbewegungen übersetzen kann.
Nasdaq-Pläne auf Eis, Verwässerungsrisiko bleibt
Der meistbeachtete Tagesordnungspunkt der Hauptversammlung vom 15. Juni kam nie zur Abstimmung. Der Vorstand zog den Antrag zurück, bevor die Aktionäre abstimmten. Konkret ging es um die Ausgabe von bis zu 53,8 Millionen neuen Aktien — eine potenzielle Verwässerung von 15 Prozent — zur Finanzierung eines US-Listings sowie von Zukäufen in den Bereichen KI, Photonik und Akquisitionen.
Das Listing selbst ist nicht vom Tisch. Sivers hat die Finanzberichte für 2024 und 2025 bereits auf den US-amerikanischen PCAOB-Standard umgestellt. Diese Umstellung hatte einen Preis: Der Nettoverlust für 2025 wurde von 186,5 Millionen SEK auf 222,6 Millionen SEK nach oben korrigiert.
Die Aktionäre stimmten allerdings einer separaten Kapitalermächtigung zu. Der Vorstand darf künftig bis zu 53,8 Millionen neue Aktien ausgeben — dieselbe Zahl wie im ursprünglichen Nasdaq-Antrag. Die Ermächtigung gilt per Bareinlage, Sacheinlage oder Forderungsverrechnung. Unmittelbare Verwässerung entsteht dadurch nicht, die Flexibilität bleibt jedoch erhalten.
Neues Board, drei Abgänge
Der Aufsichtsrat wurde grundlegend neu besetzt. Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson wurden wiedergewählt. Joakim Nideborn und Helena Svancar kamen neu hinzu. Bastani bleibt Vorsitzender, Nideborn übernimmt den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden.
Auf der Abgangsseite stehen drei Namen: Vize-Vorsitzender Tomas Duffy sowie die Gründungsinvestoren Erik Fallström und Keith Halsey. Das Mitarbeiter-Incentive-Programm wurde von der Tagesordnung genommen — das neue Board will zunächst eigene Vorstellungen einbringen und das Programm auf einer späteren Hauptversammlung vorlegen.
Die Vergütungsstruktur für Boardmitglieder steht fest: Der Vorsitzende erhält 1,05 Millionen SEK jährlich, der stellvertretende Vorsitzende 600.000 SEK, jedes weitere Mitglied 350.000 SEK. Hinzu kommt für alle ein Aktienplan über je 1 Million SEK, von dem rund die Hälfte in Sivers-Aktien mit einjähriger Haltefrist fließt.
Insiderermittlung und Shortseller unter Beobachtung
Schwedens Wirtschaftskriminalitätsbehörde ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Hintergrund: Details zum geplanten Nasdaq-Listing kursierten online, bevor das Unternehmen die Pläne im April offiziell ankündigte. In den 48 Stunden vor der Bekanntgabe legte die Aktie ungewöhnlich stark zu.
Zwei US-Anwaltskanzleien — Rosen Law Firm sowie Bronstein, Gewirtz & Grossman — prüfen mögliche Verstöße gegen US-Wertpapiergesetze. Klagen wurden bislang nicht eingereicht.
Parallel veröffentlichte der Shortseller Ningi Research Anfang Juni einen Bericht, der rund 31 Prozent der für 2025 ausgewiesenen Umsätze anzweifelt. Der Vorwurf: Forschungsfördergelder seien als kommerzieller Umsatz verbucht worden. Sivers hat sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.
Die Leerverkaufsquote liegt bei 6,55 Prozent des Streubesitzes. Qube Research & Technologies, Voleon Capital Management und Two Sigma Investments halten aktive Short-Positionen.
Betrieb: Pipeline wächst, Umsatz schrumpft
Das operative Bild ist gespalten. Die Opportunity-Pipeline wuchs seit Ende 2025 um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Der tatsächliche Umsatz im ersten Quartal 2026 lief in die entgegengesetzte Richtung: 61,9 Millionen SEK, ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen SEK, der operative Verlust bei minus 41,5 Millionen SEK. Das Management erklärt den schwachen Quartalsumsatz mit dem US-Regierungsstillstand und verzögerten Verteidigungsbudgets sowie einem ungünstigen Wechselkursumfeld. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 soll der Umsatz aufholen; langfristig peilt das Unternehmen ab 2027 ein jährliches Wachstum von 25 bis 30 Prozent an.
Die Hauptversammlung genehmigte außerdem ein besichertes Wandeldarlehen über rund 327.000 US-Dollar. Bootstrap Europe 4.0 S.à r.l. zeichnete 622.719 Wandelschuldverschreibungen zu einem Zinssatz von 10,85 Prozent pro Jahr mit Fälligkeit am 31. Dezember 2029.
Was die Woche bringt
Sivers schloss am Freitag bei 8,65 Euro — gut 62 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 5,34 Euro, aber noch rund 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro vom 3. Juni.
Drei konkrete Ereignisse können den Kurs in den kommenden Wochen bewegen. Am 6. August legt das Unternehmen den Quartalsbericht für Q2 vor — der erste Test, ob die Pipeline tatsächlich in Umsatz mündet. Für das vierte Quartal 2026 ist der Produktionsstart mit einem Automotive-LiDAR-Kunden geplant; eine Bestätigung dieses Zeitplans wäre ein handfester Katalysator. Und jede offizielle Reaktion auf die Insiderermittlung oder den Ningi-Bericht könnte die Aktie schlagartig in Bewegung setzen — in beide Richtungen.
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