Sivers Semiconductors Aktie: 79 Prozent in 30 Tagen trotz Exodus
Sivers Semiconductors verzeichnet trotz Führungswechsel und Insider-Ermittlungen starke Kursgewinne von 79 Prozent.

Kurz zusammengefasst
- Gründer verlassen nach Insider-Vorwürfen den Vorstand
- Höherer Verlust durch US-Bilanzanpassungen
- Kapitalerhöhung von bis zu 15 Prozent beschlossen
- KI-Partnerschaft treibt Aktienkurs auf 8,80 Euro
Starke Kursgewinne, tiefe Risse im Fundament. Bei Sivers Semiconductors klaffen Börsenwert und interne Stabilität derzeit weit auseinander. Während die Aktie auf Monatssicht massiv zulegt, formiert sich das Management nach einem beispiellosen Exodus völlig neu.
Insider-Verdacht und Klagen
Die Hauptversammlung Mitte Juni markierte einen harten Schnitt. Die Gründer Erik Fallström und Keith Halsey verließen den Vorstand. Auch der ehemalige Vize-Vorsitzende Tomas Duffy räumte seinen Posten. Hintergrund sind Berichte über Ermittlungen schwedischer Staatsanwälte. Dabei geht es um mutmaßlichen Insiderhandel rund um durchgesickerte Pläne für ein Doppel-Listing.
Parallel dazu droht juristischer Ärger aus den USA. Die Kanzlei Bronstein, Gewirtz & Grossman prüft derzeit mögliche Verstöße gegen Wertpapiergesetze. Sie vertritt dabei die Interessen der Aktionäre. Das neu formierte Board um den Vorsitzenden Bami Bastani muss nun Vertrauen zurückgewinnen.
Rote Zahlen fallen höher aus
Sivers strebt an die US-Technologiebörse Nasdaq. Dafür passte das Unternehmen seine Bilanzen an die strengeren US-Buchhaltungsstandards (PCAOB) an. Die Folge: ein deutlich höherer Verlust. Für 2025 weist der angepasste Bericht nun ein Minus von 222,6 Millionen schwedischen Kronen aus. Zuvor standen hier 186,5 Millionen Kronen.
Auch das Ergebnis für 2024 rutschte nachträglich tiefer in die roten Zahlen. Sivers buchte Umsätze in spätere Perioden um und schrieb aktivierte Entwicklungskosten ab. Im gleichen Schritt genehmigten die Aktionäre eine Kapitalerhöhung. Diese erlaubt eine Verwässerung von bis zu 15 Prozent, um die weitere Expansion zu finanzieren.
KI-Fantasie treibt den Kurs
Trotz der internen Turbulenzen greifen Anleger zu. Die Aktie notiert aktuell bei 8,80 Euro und markiert damit ein Plus von fast 79 Prozent innerhalb von 30 Tagen. Die extreme Volatilität von über 235 Prozent zeigt jedoch die anhaltende Nervosität im Markt.
Operativ stützt eine prall gefüllte Pipeline die Fantasie. Sivers beziffert die Marktchancen auf knapp 800 Millionen US-Dollar. Kürzlich sicherte sich das Unternehmen einen Produktionsauftrag von ALL.SPACE über 8,2 Millionen Dollar. Dieser lastet die Fertigung von speziellen Mikrochips bis 2027 aus.
Ein weiterer Treiber ist der lukrative Markt für Rechenzentren. Die Integration in die KI-Plattformen von GlobalFoundries eröffnet Sivers hier neue Vertriebswege. Die kommenden Monate entscheiden nun über den Erfolg der geplanten US-Notierung. Das neue Management muss beweisen, dass die operativen Chancen die juristischen Risiken überwiegen.
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