Sivers Semiconductors Aktie: HV am 15. Juni
Sivers-Aktie unter Druck: Hauptversammlung entscheidet über 15-Prozent-Verwässerung, während Shortseller und Ermittlungen den Kurs belasten.

Kurz zusammengefasst
- HV entscheidet über Aktienausgabe
- Shortquote auf 17 Prozent gestiegen
- Ermittlungen zu möglichem Insiderhandel
- Umsatzrückgang trotz voller Pipeline
Kurz nach dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro — erreicht erst am Dienstag — verliert die Sivers-Aktie am Freitag bereits wieder 5,4 Prozent auf 7,55 Euro. Hinter dem Rücksetzer steckt mehr als normale Gewinnmitnahmen: Leerverkäufer, eine Strafverfolgungsbehörde und eine richtungsweisende Hauptversammlung treffen gleichzeitig aufeinander.
Hauptversammlung am 15. Juni: Die Verwässerungsfrage
Das wichtigste Tagesordnungspunkt der HV am 15. Juni ist eine weitreichende Kapitalermächtigung. Der Vorstand schlägt vor, bis zu rund 53,8 Millionen neue Aktien ausgeben zu dürfen — das entspricht einer Verwässerung von 15 Prozent. Die Mittel sollen organisches Wachstum, mögliche Akquisitionen und vor allem ein Zweitlisting an der Nasdaq in New York finanzieren.
Hinzu kommt ein Aktienoptionsprogramm für bis zu sieben Millionen neue Optionen, was auf vollständig verwässerter Basis weitere zwei Prozent entspricht. Wer abstimmen wollte, musste sich bis heute, dem Euroclear-Stichtag, im Aktienregister eingetragen haben. Briefwahl und Nominierungen sind noch bis zum 9. Juni möglich.
Personell markiert die Versammlung einen Generationswechsel: Vizevorsitzender Tomas Duffy, Gründungsinvestor Erik Fallström und Keith Halsey verlassen den Aufsichtsrat. Als neuer Vizevorsitzender ist Joakim Nideborn vorgeschlagen, ehemaliger CFO börsennotierter Technologieunternehmen.
Leerverkäufer gegen Indexfonds
Die extremen Kursschwankungen — annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 241 Prozent — spiegeln einen strukturellen Konflikt wider. Laut S&P Global Market Intelligence waren Ende Mai fast 17 Prozent des Streubesitzes verliehen, verglichen mit 1,6 Prozent Anfang März. Zu den institutionellen Leerverkäufern zählen Voleon Capital Management und Two Sigma Investments.
Auf der Gegenseite kaufen Indexfonds zwangsläufig zu. Sivers wurde am 1. Juni in den OMX Stockholm Benchmark Index aufgenommen, Ende Mai folgte die Aufnahme in den MSCI Sweden Small-Cap Index. Tracking-Fonds müssen ihre Portfolios entsprechend anpassen — das schafft kontinuierliche Nachfrage.
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Das Aufrechterhalten von Short-Positionen wird derweil teurer. Nordea erhöhte am 4. Juni die Basiszinsmarge auf Bear-Zertifikate und Mini-Future-Short-Produkte auf Sivers deutlich, weil der Wertpapierleihmarkt eng und die Kosten für geliehene Aktien gestiegen sind. Bei einzelnen Bear-Zertifikaten kletterte die Marge auf bis zu 228,5 Prozent.
Strafverfolgung und Leerverkäufer-Bericht
Am 1. Juni veröffentlichte das Research-Haus Ningi einen kritischen Bericht mit dem Vorwurf aggressiver Umsatzerfassung, die möglicherweise gegen IFRS-Regeln verstoße. Ningi bezifferte fragwürdige Umsätze auf mindestens 97 Millionen Kronen — rund 31 Prozent der für 2025 gemeldeten Gesamterlöse. Teils seien Umsätze für noch nicht produzierte Produkte oder staatliche Forschungssubventionen als kommerzielle Verkäufe ausgewiesen worden. Diese Vorwürfe sind bislang nicht durch Behörden bestätigt.
Parallel dazu ermittelt die Schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde, ob vertrauliche Details zum geplanten Nasdaq-Listing vor der offiziellen Ankündigung im April nach außen gedrungen sind.
Schwache Q1-Zahlen, volle Pipeline
Die Quartalszahlen für Q1 2026 geben wenig Anlass zur Beruhigung. Der Nettoumsatz fiel um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen, das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen. Als Ursachen nennt das Unternehmen den US-Regierungsstillstand im vierten Quartal 2025 sowie Verzögerungen bei der Verteidigungshaushaltsgenehmigung und ungünstige Wechselkurse.
Das Management verweist auf die Auftragspipeline, die seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar gewachsen ist. Für den Automotive-LiDAR-Bereich ist die Serienproduktion mit einem großen Automobilhersteller für das vierte Quartal 2026 geplant. Ebenfalls zur Abstimmung steht ein im März gesichertes Wandeldarlehen über 12 Millionen Dollar mit einem Jahreszins von 10,85 Prozent und Laufzeit bis Ende 2029.
Das Votum am 15. Juni über die 15-Prozent-Verwässerungsermächtigung wird zeigen, ob die Aktionäre den Nasdaq-Kurs des Managements mittragen — oder zunächst Antworten auf die offenen Vorwürfe einfordern.
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