Sivers Semiconductors Aktie: Redeye sieht bewussten Trade-off bis 2027
Sivers Semiconductors verzeichnet höhere Verluste und sinkende Erlöse, während die Auftragspipeline stark wächst und ein Nasdaq-Listing vorbereitet wird.

Kurz zusammengefasst
- Umsatz im zweiten Quartal rückläufig
- Bereinigter EBITDA-Verlust deutlich ausgeweitet
- Auftragspipeline auf 1,2 Milliarden Dollar
- Zusätzliches Nasdaq-Listing für 2027 geplant
Sivers Semiconductors hat eine turbulente Woche hinter sich. Nach dem Zwischenbericht zum zweiten Quartal, der am Freitag veröffentlicht wurde, brach die Aktie um 15 Prozent auf 2,44 Euro ein. Am selben Tag veröffentlichte das Analysehaus Redeye eine Studie mit dem Titel „A Deliberate Trade-off Ahead of the 2027 Ramp“, die den strategischen Umbau des schwedischen Halbleiterunternehmens einordnet.
Redeye beschreibt darin eine bewusste Verschiebung des Geschäftsmodells: weg von entwicklungsgetriebenen Umsätzen, hin zu produktgetriebenem Wachstum. Diese Neuausrichtung soll Sivers auf einen erwarteten Hochlauf im Jahr 2027 vorbereiten, geht laut den Analysten aber kurzfristig mit sinkenden Umsätzen und höheren Verlusten einher – eine Einschätzung, die sich mit den am Donnerstag zuvor veröffentlichten Quartalszahlen deckt.
Schwaches Quartal, wachsende Pipeline
Im zweiten Quartal sanken die Nettoumsätze auf 53,8 Millionen schwedische Kronen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr, währungsbereinigt waren es 10 Prozent. Der bereinigte EBITDA-Verlust weitete sich auf 35,5 Millionen Kronen aus, nach 20,9 Millionen Kronen im Vorjahresquartal.
Unterm Strich stand ein Nettoverlust von 115,0 Millionen Kronen beziehungsweise minus 0,38 Kronen je Aktie. Der operative Cashflow war mit minus 70,0 Millionen Kronen ebenfalls deutlich negativ.
Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri bezeichnete den Bericht als „desaströs“ und riet Anlegern, die Finger von der Aktie zu lassen – als Begründung nannte sie die wachsenden Verluste und den negativen freien Cashflow.
Gegenläufig entwickelte sich die Auftragspipeline: Sie wuchs bis Juli auf 1,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 268 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025. Der Produktumsatz legte währungsbereinigt um 18 Prozent zu. Genau diesen Kontrast zwischen kurzfristiger Ergebnisschwäche und langfristigem Potenzial greift Redeye in seiner Analyse auf.
Sonderfaktoren belasten die Bilanz zusätzlich
Ein Teil des Quartalsverlusts geht auf einen nicht zahlungswirksamen Sonderposten zurück: Wegen mitarbeiterbezogener Aktienprogramme verbuchte Sivers eine Sozialabgaben-Rückstellung von 42,9 Millionen Kronen, ausgelöst durch den Anstieg des Aktienkurses von 10,71 auf 63,15 Kronen im Laufe des Quartals.
Zusätzliche Bewegung in der Aktionärsstruktur brachte der Kreditgeber Bootstrap Europe: Er hatte bereits im Juli sein Wandlungsrecht für ein Darlehen über 12 Millionen US-Dollar in Eigenkapital ausgeübt und im August sämtliche verbliebenen Optionsscheine gezogen.
Medienberichten zufolge hatten Analysten der Zeitung Affärsvärlden vor rund zwei Wochen Hinweise gefunden, dass Bootstrap Europe einen Großteil seiner Beteiligung ohne die nach Überschreiten der Meldeschwelle von 5 Prozent erforderliche Offenlegung veräußert haben könnte.
Ausblick: Dual-Listing in New York geplant
Für Anleger bleibt die Frage entscheidend, ob die vielbeschworene Pipeline tatsächlich in Umsätze münden kann. Sivers selbst peilt für die erste Jahreshälfte 2027 den Abschluss der Vorbereitungen für ein zusätzliches Listing an der Nasdaq in New York an – ein Schritt, der die internationale Sichtbarkeit erhöhen und den Zugang zu US-Kapital erleichtern soll.
Der Kurs hat sich von der Kursexplosion des Frühjahrs weit entfernt und notiert derzeit rund 38 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 3,94 Euro. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 27 Prozent. Ob Redeyes These vom „bewussten Trade-off“ aufgeht, dürfte sich erst zeigen, wenn der angekündigte Hochlauf für 2027 tatsächlich in belastbaren Zahlen sichtbar wird.
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