Sivers Semiconductors Aktie: Über 13 Prozent Einbruch
Leerverkäufer greifen Sivers an, während Indexfonds die Aktie kaufen. Ermittlungen und Bilanzzweifel belasten den Kurs zusätzlich.

Kurz zusammengefasst
- Kurssturz von über 13 Prozent
- Shortseller attackiert Bilanzierung
- Ermittlungen wegen Insiderhandels
- JPMorgan steigt trotz Krise ein
Bei Sivers Semiconductors prallen derzeit zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite kaufen passive Indexfonds die Aktie blind. Auf der anderen Seite wetten Leerverkäufer massiv gegen den schwedischen Chipentwickler. Die Folge: extreme Volatilität. Am 24. Juni brach der Kurs im US-Handel um über 13 Prozent ein.
Im Frankfurter Handel schloss das Papier mit einem Minus von fast zehn Prozent. Dieser Absturz hat handfeste Gründe. Der Shortseller Ningi Research attackiert das Unternehmen schwer. Die Analysten zweifeln fast ein Drittel des ausgewiesenen Jahresumsatzes an. Sivers soll demnach Forschungsgelder als kommerzielle Einnahmen verbucht haben. Das Management schweigt bislang zu den Vorwürfen.
Ermittlungen und Bilanzsorgen
Die Vorwürfe treffen den Konzern in einer ohnehin angespannten Phase. Schwedische Behörden ermitteln wegen möglichen Insiderhandels. Im April waren Pläne für ein US-Listing vorab ins Netz gelangt. Daraufhin schoss der Kurs auffällig in die Höhe. Parallel prüfen zwei amerikanische Kanzleien mögliche Verstöße gegen das Wertpapierrecht.
Ein weiteres Warnsignal liefert der aktuelle Geschäftsbericht. Die Wirtschaftsprüfer äußern darin erhebliche Zweifel am Fortbestand des Unternehmens. Sivers benötigt offenbar externe finanzielle Unterstützung. Obendrein musste der Konzern seinen Nettoverlust für 2025 nachträglich auf rund 222 Millionen Schwedische Kronen korrigieren.
KI-Fantasie lockt Großinvestoren
Trotz der tiefen Krise gibt es prominente Käufer. JPMorgan Chase meldete Anfang Juni eine Beteiligung von gut fünf Prozent. Es ist der erste Einstieg der US-Bank bei den Schweden. Die Fantasie liegt im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Sivers hat eine strategische Partnerschaft mit GlobalFoundries geschlossen. Gemeinsam entwickeln sie optische Lösungen für KI-Rechenzentren.
Ein weiterer Faktor stützt den Kurs künstlich. Sivers stieg kürzlich in den OMX Stockholm Benchmark und den MSCI Small-Cap Index auf. ETF-Anbieter müssen die Aktie daher zwingend kaufen. Diese mechanische Nachfrage bremst den Absturz. Sie reicht aber nicht aus, um die massiven Leerverkäufe vollständig aufzufangen. Die Short-Quote explodierte seit März von unter zwei auf 17 Prozent.
Schwaches Quartal belastet
Operativ läuft es derweil schleppend. Im ersten Quartal 2026 brach der Nettoumsatz um 22 Prozent ein. Er fiel auf knapp 62 Millionen Kronen. Der Vorstand macht Verzögerungen im US-Verteidigungsbudget dafür verantwortlich. Die erhofften Einnahmen sollen nun im zweiten Halbjahr fließen.
Das geplante Nasdaq-Listing liegt vorerst auf Eis. Der neue Aufsichtsrat überarbeitet aktuell das Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm. Der nächste harte Realitätscheck folgt am 6. August 2026. Dann präsentiert Sivers seinen Zwischenbericht. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball zwischen Index-Käufern und Leerverkäufern.
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