Sivers Semiconductors Aktie: Wirtschaftsprüfer zweifeln an Fortführung
Wirtschaftsprüfer äußern Zweifel an der Fortführung von Sivers. Kursverlust von 30% in einer Woche, Ermittlungen und vertagte Nasdaq-Abstimmung belasten.

Kurz zusammengefasst
- Kurssturz von fast 30% in sieben Tagen
- Wirtschaftsprüfer mit Fortführungszweifeln
- Ermittlungen in Schweden und den USA
- Nasdaq-Listing-Abstimmung vertagt
Innerhalb von sieben Tagen hat die Sivers-Aktie fast ein Drittel ihres Werts verloren. Allein am Freitag brach der Kurs um 9,23 Prozent auf 5,90 Euro ein. Dabei liegt die Aktie noch immer mehr als 2.100 Prozent über ihrem März-Tief — ein Spiegelbild der extremen Volatilität, die den schwedischen Photonik- und Funktionschiphersteller seit Monaten begleitet.
Wirtschaftsprüfer zweifeln an der Unternehmensfortführung
Das gravierendste Problem ist ein formeller Hinweis der externen Wirtschaftsprüfer. Sie äußerten „erhebliche Zweifel“ an der Fähigkeit des Unternehmens, den Betrieb fortzuführen. Der Auslöser: eine umfangreiche Bilanzkorrektur nach US-amerikanischen PCAOB-Standards — notwendig für das angestrebte Nasdaq-Listing. Dabei weitete sich der Nettoverlust für 2025 von ursprünglich 186,5 Millionen Schwedischen Kronen auf 222,6 Millionen Kronen aus. Ursachen waren Umsatzverschiebungen, Lagerbestandsanpassungen und Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten.
Die Bilanzkorrektur zog weitere Aufmerksamkeit auf sich. Anfang Juni veröffentlichte das Leerverkäufer-Research-Haus Ningi Research einen Bericht. Darin stellt es rund 97 Millionen Kronen des ausgewiesenen Umsatzes infrage. Der Vorwurf: Sivers habe möglicherweise Waren als Umsatz verbucht, die noch gar nicht produziert waren — sowie staatliche Forschungsfördergelder als kommerzielle Einnahmen. Sivers hat die Vorwürfe bislang nicht öffentlich bestritten. Zwei US-Anwaltskanzleien prüfen nun mögliche Verstöße gegen Wertpapiergesetze.
Ermittlungen auf zwei Kontinenten
Parallel laufen Untersuchungen in Schweden. Die Wirtschaftskriminalitätsbehörde und die Finanzaufsicht ermitteln wegen eines mutmaßlichen Informationslecks rund um das geplante Nasdaq-Listing. Ein anonymes Konto hatte präzise Details zur US-Zweitnotierung rund 48 Stunden vor der offiziellen Ankündigung veröffentlicht — ein klarer Insiderhandels-Verdacht.
In den USA haben die Kanzleien Rosen Law Firm sowie Bronstein, Gewirtz & Grossman vorläufige Untersuchungen zu möglichen Aktionärsklagen eingeleitet.
Hauptversammlung: Vorstand neu besetzt, Nasdaq-Abstimmung vertagt
Die Hauptversammlung am 15. Juni in Stockholm verlief alles andere als routinemäßig. Kurz vor der Veranstaltung traten drei Vorstandsmitglieder zurück: Vizevorsitzender Tomas Duffy sowie die Gründer Erik Fallström und Keith Halsey. Als Ersatz wählte die Versammlung Joakim Nideborn und Helena Svancar neu. Bami Bastani wurde als Vorsitzender bestätigt, Nideborn als neuer Vizevorsitzender.
Der meisterwartete Tagesordnungspunkt fiel aus. Die Abstimmung über das Nasdaq-Listing wurde vertagt — der neue Vorstand soll zunächst die Pläne prüfen. Das Unternehmen betonte jedoch, die Vorbereitungen liefen weiter. Finanzberichte für 2024 und 2025 wurden bereits nach PCAOB-Standards umgestellt.
Die Hauptversammlung genehmigte außerdem ein gesichertes Wandeldarlehen über rund 327.000 US-Dollar. Es wurde von Bootstrap Europe 4.0 S.à r.l. gezeichnet, trägt einen Zinssatz von 10,85 Prozent pro Jahr und läuft bis Ende 2029.
Pipeline wächst, Kasse schrumpft
Hinter all den Governance-Problemen steckt eine operative Geschichte mit echtem Potenzial. Die Auftragspipeline ist seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf knapp 799 Millionen US-Dollar gewachsen. Im Juni sicherte sich Sivers einen Produktionsauftrag über 8,2 Millionen Dollar vom Satellitenkommunikationsunternehmen ALL.SPACE — für Ka-Band-Beamforming-Chips zur Auslieferung 2027. Das ist der erste echte Serienproduktionsauftrag.
Auf der Photonik-Seite kooperiert Sivers mit GlobalFoundries. Gemeinsam entwickeln sie Silizium-Photonik-Lösungen für den KI-Infrastrukturmarkt. Sivers‘ Laser-Arrays sollen in Referenzdesigns auf der GlobalFoundries-Plattform integriert werden.
Die kurzfristigen Zahlen sind allerdings ernüchternd. Im ersten Quartal 2026 sanken die Nettoumsätze um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen, der operative Cashflow bei minus 49,2 Millionen Kronen. Umsätze, die ursprünglich für das erste Halbjahr erwartet wurden, verschoben sich in die zweite Jahreshälfte.
Leerverkäufer gegen Indexkäufer
Der Anteil leerverkaufter Aktien ist von 1,6 Prozent im März auf 17 Prozent der ausstehenden Aktien gestiegen. Gegenüber steht mechanischer Kaufdruck: Sivers wurde am 1. Juni in den OMX Stockholm Benchmark Index aufgenommen und später in den MSCI Small-Cap Index. ETFs und Indexfonds müssen die Aktie kaufen — unabhängig vom Kurs.
Technisch notiert die Aktie mit 5,90 Euro nahezu exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 5,89 Euro. Der nächste harte Datenpunkt kommt am 6. August 2026: Dann legt Sivers die Zahlen für das zweite Quartal vor. Der neu besetzte Vorstand muss bis dahin zeigen, ob die wachsende Pipeline in echten Cashflow mündet — und auf die Going-Concern-Warnung der Wirtschaftsprüfer öffentlich antworten.
Sivers Semiconductors-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Sivers Semiconductors-Analyse vom 27. Juni liefert die Antwort:
Die neusten Sivers Semiconductors-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Sivers Semiconductors-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 27. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Sivers Semiconductors: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...