SK Hynix Aktie: 11,53-Prozent-Absturz nach HBM4-Verzögerung
Lieferverzögerungen bei HBM4 und starke Konkurrenz von Samsung belasten den Aktienkurs von SK Hynix schwer.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert über elf Prozent an einem Tag
- HBM4-Lieferverzögerungen als Auslöser identifiziert
- Samsung gewinnt Marktanteile im HBM-Segment
- Analysten bestätigen weiterhin Kaufempfehlungen
Am Freitag schloss die Aktie in Seoul bei 1.842.000 Won, ein Tagesminus von 11,53 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 15,50 Prozent, auf Monatssicht auf 26,93 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch vom 25. Juni bei 2.987.000 Won beträgt der Abstand inzwischen 38,33 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 183,52 Prozent – der Absturz der vergangenen Wochen relativiert sich vor dem Hintergrund einer beispiellosen Rally.
Zweifel an der HBM-Vormachtstellung nähren die Verkaufswelle
Auslöser der Talfahrt sind Berichte über Lieferverzögerungen bei der nächsten HBM4-Generation für Nvidias Vera-Rubin-Plattform. Kühlungsprobleme mit einem Flüssigmetall-Design sollen die Auslieferung um rund drei Monate verschieben, weil eine Neukonstruktion des Base Die nötig wurde. Das Marktforschungshaus TrendForce senkte daraufhin seine Prognose für den Rubin-Lieferanteil von SK Hynix für 2026 von 29 auf 22 Prozent. Parallel meldete Samsung Electronics, die HBM4-Validierung als erster Anbieter bestanden zu haben und bereits seit Februar in Serie zu liefern – der Marktanteil des Konkurrenten am HBM-Geschäft soll 2026 von 20 auf über 28 Prozent steigen. SK Hynix bleibt nach übereinstimmenden Einschätzungen zwar weiterhin Hauptpartner von Nvidia, doch die Monopolprämie auf den bislang dominierten HBM-Markt, in dem der Konzern zuletzt einen Anteil von 58 Prozent hielt, bröckelt.
Die Auswirkungen reichten am Freitag weit über SK Hynix hinaus: SanDisk und Western Digital verloren jeweils mehr als 20 Prozent nach einem schwachen HBM4-Ausblick aus Icheon, Kioxia brach in Tokio um 16,10 Prozent ein und liegt damit 52 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 22. Juni. Der Philadelphia Semiconductor Index rutschte binnen eines Tages um 5,7 Prozent und gilt mit einem Minus von 20 Prozent seit seinem Allzeithoch Ende Juni offiziell als in einem technischen Bärenmarkt. An der Nasdaq, wo SK Hynix seit dem 10. Juli als ADR notiert, fiel das Papier am 16. Juli um 13,69 Prozent auf 152,31 US-Dollar – nur knapp über dem Ausgabepreis von 149 Dollar. Die zuvor auf bis zu 50 Prozent aufgelaufene Prämie der New Yorker Notierung gegenüber der Seouler Aktie schmolz damit binnen weniger Handelstage deutlich ab.
Analysten bleiben trotz Turbulenzen zuversichtlich
Trotz des Ausverkaufs halten die Analystenhäuser überwiegend an ihrem positiven Bild fest. Barclays initiierte die Coverage mit einem Overweight-Rating und einem Kursziel von 330 US-Dollar, HSBC bestätigte SK Hynix als Top-Pick der Branche. Der Analystenkonsens lautet weiterhin Strong Buy bei einem durchschnittlichen Kursziel von 330 Dollar. Als Risiken nennen die Institute einen möglichen breiteren Ausverkauf asiatischer Technologiewerte, überhitzte KI-Trades sowie wachsende chinesische Konkurrenz – etwa durch Changxin Memory, das mit einem Rekord-Börsengang am heimischen STAR-Market seinen Weltmarktanteil im DRAM-Geschäft auf 7,7 Prozent ausbaute.
Für den 29. Juli erwarten Analysten die Zahlen zum zweiten Quartal. Die Konsensschätzung liegt bei rund 82 Billionen Won Umsatz und etwa 63 Billionen Won operativem Gewinn, was einer Marge von rund 76 Prozent entspräche. Korea Investment & Securities rechnet konservativer mit 80,9 Billionen Won Umsatz und 60,4 Billionen Won operativem Gewinn – eine Marge von 74,6 Prozent, gedämpft durch geringeres Preiswachstum infolge der langfristigen HBM-Lieferverträge. Die Massenproduktion von HBM4 soll im dritten Quartal beginnen, ab 2027 sollen Preisanpassungen in den bestehenden Verträgen die Durchschnittspreise wieder anheben.
Konzernchef wirbt für langfristiges Halten, Belegschaft streitet über Boni
SK-Group-Chairman Chey Tae-won warb zuletzt öffentlich dafür, die SK-Hynix-Aktie langfristig zu halten, und verwies auf einen strukturellen Speicherbedarf durch die KI-Entwicklung. Er schlug vor, dass Korea sich auf Nischenmärkte und den Export von KI-Dienstleistungen konzentrieren solle, statt direkt mit den USA und China zu konkurrieren. Zugleich sorgt ein internes Thema für Unruhe: Das Unternehmen erwägt, einen Teil der für 2026 erwarteten Boni – gekoppelt an zehn Prozent des operativen Gewinns und mit einem geschätzten Betrag von 770 Millionen Won pro Mitarbeiter – in eigenen Aktien statt in bar auszuzahlen. Die Belegschaftsvertretungen lehnen den Vorschlag wegen steuerlicher Nachteile und Umwandlungsproblemen ab, die Verhandlungen laufen. Nvidia-Chef Jensen Huang äußerte sich unterstützend zu den hohen Bonuszahlungen in der Branche und erklärte, Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter so großzügig wie möglich entlohnen.
Zusätzlichen politischen Druck erzeugt Washington: Der stellvertretende US-Handelsbeauftragte Rick Switzer forderte gegenüber Südkoreas Handelsminister Yeo Han-koo, dass US-Unternehmen an den KI-getriebenen Rekordgewinnen von SK Hynix und Samsung beteiligt werden sollten, da amerikanische Nachfrage diese Gewinne erst ermögliche. Eine formelle Forderung liegt bislang nicht vor, Seoul reagierte zurückhaltend. Für Anleger bleibt der 29. Juli der nächste konkrete Termin, an dem sich zeigen wird, ob die operative Stärke des Unternehmens die aktuelle Verkaufswelle rechtfertigt oder relativiert.
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