SK Hynix Aktie: 29,95-Prozent-Sprung auf 1.718.000 Won
SK Hynix verzeichnet historischen Kurssprung nach positiven KI-Signalen von US-Tech-Giganten. Trotz Rekordgewinn bleiben Analysten wegen Bewertung und Konkurrenz vorsichtig.

Kurz zusammengefasst
- Historischer Kurssprung von 29,95 Prozent
- Rekordgewinn verfehlt Analystenerwartungen
- UBS startet mit Kaufempfehlung und Kursziel
- Chinesische Konkurrenz gewinnt an Marktanteilen
Der südkoreanische Speicherchiphersteller SK Hynix hat am Freitag einen historischen Kurssprung verzeichnet. Die Aktie kletterte um 29,95 Prozent auf 1.718.000 Won und erreichte damit erstmals seit 2015 das obere Tageslimit im Handel an der Börse Seoul. Auslöser waren die Quartalszahlen von Microsoft und Amazon, die am Vortag die Stimmung rund um Investitionen in Künstliche Intelligenz beflügelt hatten. Der KOSPI insgesamt sprang um 17,91 Prozent auf 6.595,45 Punkte und markierte damit den größten Tagesgewinn seiner Geschichte, wie mehrere Medien berichteten. Ausländische Investoren kauften an dem Tag netto rund 7,2 Billionen Won, während private Anleger im Rekordumfang von 8,27 Billionen Won verkauften.
Der Ausschlag markiert eine deutliche Kehrtwende gegenüber dem Kurseinbruch der vorangegangenen Tage. Über die vergangenen 30 Tage steht für SK Hynix trotz des heutigen Sprungs noch immer ein Minus von 32,89 Prozent, und vom 52-Wochen-Hoch bei 2.987.000 Won bleibt die Aktie 42,48 Prozent entfernt. Der Juli insgesamt war für den Gesamtmarkt der schwächste Monat seit 2008 beziehungsweise seit 1997, je nach Berechnung – ausgelöst durch Sorgen um überhitzte KI-Bewertungen, chinesische Konkurrenz und gehebelte Hebel-ETFs.
Rekordgewinn, aber verpasste Erwartungen
Grundlage der Nervosität war der jüngste Quartalsbericht von SK Hynix. Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal einen Betriebsgewinn von 60,54 Billionen Won, ein Plus von 557 Prozent gegenüber dem Vorjahr, verfehlte damit aber die Konsensschätzung von 64,2 Billionen Won. Der Umsatz kletterte um 257 Prozent, blieb jedoch ebenfalls unter den Erwartungen. Als Grund nannten Berichte Lieferverzögerungen bei fortschrittlichem DRAM, die stärkere Preissteigerungen zunächst begrenzten. Das Management stellte für die kommenden Quartale jedoch eine günstige Preisentwicklung bei High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) in Aussicht. Der Massenversand von HBM4 hat bereits begonnen, erste HBM4E-Muster wurden ausgeliefert. Gleichzeitig hob SK Hynix seine Investitionsplanung um rund die Hälfte auf mindestens 31 Milliarden Dollar an – ein Signal für anhaltend hohe Nachfrage, das an den Märkten zunächst als Belastung für die Margen gewertet wurde.
Vor diesem Hintergrund kaufte SK-Group-Chairman Chey Tae-won am Donnerstag 3.620 eigene Aktien für rund 4,9 Milliarden Won – erstmals persönlich und nahe der gesetzlichen Höchstgrenze für vorab meldepflichtige Insidergeschäfte. Zusätzlich schlug SK Hynix seiner Belegschaftsvertretung vor, das Vergütungssystem so umzubauen, dass Gehälter in Verlustjahren temporär angepasst werden können, während der Bonuspool angesichts eines erwarteten Jahresgewinns von umgerechnet rund 170 Milliarden Dollar ausgeweitet werden soll. Das Unternehmen hatte seine Aktien Anfang Juli über ein Nasdaq-Listing als American Depositary Receipts eingeführt.
Analysten zwischen Optimismus und Vorsicht
Die Investmentbank UBS nahm die Coverage der SK-Hynix-ADRs Ende Juli mit einem Kursziel von 204 Dollar und der Einstufung „Buy“ auf. Analyst Nicolas Gaudois begründete dies mit einem erwarteten Wachstum der DRAM-Bit-Nachfrage von 36 Prozent im Jahr 2027 nach 22 Prozent im laufenden Jahr sowie mit rund zehn langfristigen Lieferverträgen, die SK Hynix mit US-Hyperscalern und Herstellern abgeschlossen hat. Für den Speicherengpass rechnet UBS mit einer Fortdauer bis 2028. Barclays senkte sein Kursziel dagegen von 330 auf 300 Dollar, bestätigte aber ebenfalls die Kaufempfehlung. Der durchschnittliche Kurszielkonsens an der Wall Street liegt bei 252 Dollar.
Chinesische Konkurrenz im Blick
Parallel zur Rally rückt der chinesische Speicherhersteller CXMT stärker in den Fokus. Nach einem Börsengang Ende Juli, der 12,56 Billionen Won einbrachte, hält CXMT inzwischen einen globalen DRAM-Marktanteil von 8 Prozent, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. SK Hynix führt mit 58 Prozent Anteil weiterhin klar den HBM-Markt an, während Marktbeobachter den technologischen Rückstand von CXMT in diesem Segment auf drei bis vier Jahre schätzen. Für Anleger bleibt damit die Frage zentral, wie lange SK Hynix seine Preismacht in der aktuellen Knappheitsphase noch behaupten kann.
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