SK Hynix Aktie: 38,1 Milliarden Dollar für zwei Fabriken
SK Hynix investiert 38,1 Mrd. Dollar in neue Fabriken und meldet Rekordquartal, während die Aktie nach China-Sorgen deutlich nachgibt.
Kurz zusammengefasst
- Rekordquartal mit 76% operativer Marge
- 38,1 Mrd. Dollar für zwei neue Fabriken
- China-Geschäft: Strategische Überprüfung läuft
- Analysten sehen trotz Kursschwäche Potenzial
SK Hynix hat am Freitag im Handel in Seoul deutlich nachgegeben und schloss 4,88 Prozent leichter. Damit setzt sich eine Talfahrt fort, die den Speicherchip-Hersteller in den vergangenen 30 Tagen rund 31,50 Prozent seines Wertes gekostet hat. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 118,87 Prozent zu Buche – die jüngste Schwäche relativiert sich vor dem Hintergrund der vorausgegangenen Rally, ändert aber nichts an der Nervosität der Anleger.
Sorgen um das China-Geschäft belasten
Der Ausverkauf fällt in eine Woche voller heikler Nachrichten aus China. Reuters berichtete heute, dass SK Hynix und Samsung Electronics Chipfertigungsanlagen des chinesischen Herstellers Advanced Micro-Fabrication Equipment (AMEC) für ihre chinesischen Werke prüfen. Tests von AMEC-Ätzanlagen laufen laut Reuters bereits seit rund zwei Jahren, ausgelöst durch die Unsicherheit über US-Exportkontrollen. SK Hynix wollte den Bericht nicht kommentieren, Samsung erklärte, es habe keine AMEC-Geräte für seine China-Fabrik getestet.
Parallel dazu arbeitet SK Hynix laut einem Bloomberg-Bericht mit Beratern an einer strategischen Überprüfung seines Halbleitergeschäfts in Chongqing und erwägt, einen strategischen Investor ins Boot zu holen – darunter auch chinesische Finanzinstitute. Ein vollständiger Verkauf stehe laut Bloomberg nicht zur Debatte, das Unternehmen könnte aber eine kleinere Beteiligung behalten. Hintergrund ist der Entzug der sogenannten Validated-End-User-Genehmigung durch US-Behörden, der Anlagenmodernisierungen an den chinesischen Standorten seit Ende 2025 blockiert.
Milliardeninvestition in neue Fabriken
Gegen den Trend expandiert SK Hynix kräftig. Am Freitag kündigte der Konzern an, 54 Billionen Won, umgerechnet 38,1 Milliarden Dollar, in zwei neue Speicherchip-Fabriken zu investieren. Die Anlage Y2 im Yongin-Halbleitercluster soll DRAM-Chips produzieren; der Spatenstich ist für Juli 2027 vorgesehen, der erste Reinraum soll im Juni 2029 öffnen. In Cheongju entsteht mit M17 eine NAND-Fabrik, deren Bau im Februar 2027 beginnt, mit erstem Reinraum im Dezember 2028.
Wettbewerb wächst, die Bilanz glänzt trotzdem
Der Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund wachsenden Wettbewerbs. Laut CNBC hat Samsung Electronics im zweiten Quartal die Marktführerschaft bei DRAM-Chips nach Marktanteil zurückerobert, gestützt auf Zahlen von Counterpoint Research. Deren Analyst Neil Shah ordnete die neuen SK-Hynix-Fabriken als langfristige Wette ein: Sie seien „für 2029 und darüber hinaus ausgelegt“, das kurzfristige Angebot bleibe unberührt. Die parallelen Kapazitätserweiterungen von Samsung, SK Hynix, Micron und dem chinesischen Anbieter CXMT dürften das weltweite Angebot bis 2028 aber deutlich vergrößern.
Operativ liefert SK Hynix unterdessen Bestwerte. Im zweiten Quartal erzielte der Konzern einen Umsatz von 79,3187 Billionen Won bei einer operativen Marge von 76 Prozent – nach eigenen Angaben das stärkste Quartal der Firmengeschichte. Der Nettogewinn fiel mit einer Marge von 118 Prozent sogar noch höher aus.
Auch das erste Halbjahr markierte einen Meilenstein: Erstmals überstieg der Umsatz binnen sechs Monaten die Marke von 100 Billionen Won, getragen von der anhaltenden Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen. In der Folge hob SK Hynix seine Investitionsprognose an: Die Kapitalausgaben sollen 2026 um rund 50 Prozent auf mindestens 45 Billionen Won steigen, nachdem die operative Marge im Frühjahrsquartal wegen anhaltender Speicherchip-Knappheit über 80 Prozent gelegen hatte – ein Wert, der auch die Preise für Kunden wie Apple und Nintendo in die Höhe trieb. Technologisch untermauerte der Konzern seine Position zudem mit der Vorstellung erster Standardspezifikationen für High Bandwidth Flash, einer neuen Speicherebene zwischen HBM und SSDs, entwickelt gemeinsam mit Sandisk und mit Google sowie Tenstorrent im Konsortium.
Analysten optimistisch, Kapitalrückgabe im Blick
Trotz der Kursschwäche bleiben viele Analysten zuversichtlich. Cantor Fitzgerald nahm die Aktie am Dienstag mit Overweight neu in die Bewertung auf und erwartet, dass sich die in den USA gehandelten SK-Hynix-Anteile binnen zwölf Monaten verdoppeln. Am selben Tag startete der Analyst Quinn Bolton die Coverage mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 200 Dollar, begründet mit der KI-getriebenen Führungsposition im Speicherchip-Markt. Auch Needham und Rosenblatt vergaben Kaufempfehlungen.
Für zusätzliche Kursfantasie sorgte am Mittwoch eine Rally: SK-Hynix-Aktien legten in Seoul laut Bloomberg zeitweise 7,9 Prozent zu, deutlicher als der Anstieg von Samsung Electronics um 6 Prozent. Auslöser war die Erwartung, der Konzern könnte bald Aktienrückkäufe und weitere Details eines Kapitalrückgabeprogramms bekanntgeben. Hintergrund ist die 25-tägige „Quiet Period“ nach US-Vorschriften, die am 4. August endete – sie folgte auf den Verkauf von American Depositary Receipts am 10. Juli, bei dem SK Hynix 26,5 Milliarden Dollar einsammelte, die größte Erstplatzierung eines ausländischen Unternehmens an einer US-Börse.
Medienberichten zufolge war die in New York gehandelte Aktie im Juli von rund 194 auf 124,80 Dollar eingebrochen, belastet unter anderem durch den Börsengang des chinesischen Konkurrenten CXMT und Spekulationen über mögliche chinesische Zulieferer bei Apple. Nach optimistischen Äußerungen von Amazon zur künftigen KI-Nachfrage erholte sich der Kurs um 30 Prozent.
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