SK Hynix Aktie: 944 Milliarden Won Scheidungszahlung
SK Hynix verliert über acht Prozent an einem Tag. Ein Gerichtsurteil gegen den Chef und ein breiter Ausverkauf am koreanischen Markt belasten den Chipkonzern schwer.

Kurz zusammengefasst
- Aktie bricht um über acht Prozent ein
- Scheidungsurteil gegen Konzernchef Chey
- Breiter Ausverkauf am koreanischen Aktienmarkt
- Quartalszahlen am 29. Juli erwartet
SK Hynix hat am heutigen Freitag einen der schwärzesten Handelstage des Jahres erlebt. Die Aktie brach in Seoul um 8,34 Prozent auf 1.759.000 Won ein, die Marktkapitalisierung schrumpfte damit um rund 114 Billionen Won. Auslöser war ein Doppelschlag aus einem Gerichtsurteil gegen den Konzernchef und einem breiten Ausverkauf am gesamten koreanischen Aktienmarkt.
Scheidungsurteil gegen Konzernchef belastet zusätzlich
Das Berufungsgericht in Seoul verurteilte SK-Chairman Chey Tae-won heute dazu, seiner Ex-Frau Roh Soh-yeong eine Barzahlung von 944 Milliarden Won zu leisten – umgerechnet rund 644 Millionen Dollar. Die Summe wurde damit gegenüber dem ursprünglichen Urteil von 1,38 Billionen Won aus dem Jahr 2024 deutlich reduziert, das Gericht schloss zudem einen zuvor unterstellten Beitrag aus illegalen Geldern aus der Bewertung aus. Wichtig für Anleger: Die Zahlung erfolgt in bar, Cheys Anteile an der Holding SK Inc. bleiben unangetastet. Chey hält 17,9 Prozent an SK Inc., das über seine Beteiligungsstruktur wiederum SK Hynix kontrolliert – ein Großteil seines Aktienpakets ist als Sicherheit für einen laufenden Kredit verpfändet. Beide Parteien können gegen das Urteil noch Rechtsmittel einlegen.
Breiter Ausverkauf trifft Halbleiterwerte besonders hart
Der Kurssturz bei SK Hynix fiel in einen Tag, an dem der koreanische Leitindex KOSPI um 5,72 Prozent auf 6.690,62 Punkte einbrach und damit die Marke von 7.000 Zählern nach unten durchbrach. Der Handel wurde zeitweise für fünf Minuten per Sidecar-Mechanismus ausgesetzt, dem inzwischen fünften derartigen Eingriff in Folge. Auslöser der Marktpanik waren eskalierende Spannungen im Nahen Osten, nachdem US-Präsident Trump dem Iran mit einem „massiven Angriff“ gedroht hatte. Die Ölpreise reagierten prompt: Brent-Rohöl kletterte über die Marke von 100 Dollar je Barrel, WTI notierte bei rund 92 Dollar. Ausländische Investoren und institutionelle Anleger verkauften Aktien im Wert von zusammen 5,2 Billionen Won, während koreanische Privatanleger für 5,18 Billionen Won zukauften. Neben SK Hynix traf es auch Samsung Electronics mit einem Minus von 7,59 Prozent besonders schwer – beide Chipkonzerne gerieten zusätzlich unter Druck durch eine bearishe Einschätzung von Morgan Stanley zum Halbleitersektor. Die Baisse setzte sich in den USA fort: SK-Hynix-Hinterlegungsscheine gaben im dortigen Handel um 6 Prozent auf 158,56 Dollar nach, im Sog fielen auch Micron, SanDisk und Western Digital deutlich.
Anleger warten auf Quartalszahlen am 29. Juli
Inmitten der Turbulenzen richtet sich der Blick der Anleger zunehmend auf den 29. Juli, wenn SK Hynix seine Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Vorab hatte die Aktie in der vergangenen Woche eine heftige Achterbahnfahrt hingelegt: Nach einem Ausverkauf infolge einer überraschenden Zinserhöhung der Bank of Korea und einer Aussetzung gehebelter Zertifikate fiel das US-Papier zwischenzeitlich auf ein Jahrestief von 145,57 Dollar, bevor es sich erholte. HSBC bekräftigte das Papier am 17. Juli als bevorzugten Wert im Chipsektor. Zuletzt trieb zudem die starke Prognose des Konkurrenten Micron die Erwartungen an: Der US-Speicherhersteller hatte für sein drittes Fiskalquartal einen Umsatzsprung um rund 346 Prozent auf 41,46 Milliarden Dollar gemeldet und für das Folgequartal einen Erlös von etwa 50 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Für SK Hynix selbst wiesen die zuletzt verfügbaren Quartalszahlen einen Umsatzsprung von 198 Prozent auf 35,5 Milliarden Dollar und einen Gewinnanstieg von rund 400 Prozent auf etwa 27 Milliarden Dollar aus, bei einer operativen Marge von 72 Prozent und einem Marktanteil von 58 Prozent im Geschäft mit High-Bandwidth-Memory-Chips.
Warnung vor überhitzter US-Notierung
Parallel zur operativen Stärke wächst die Sorge über eine Bewertungsblase bei den in den USA gehandelten SK-Hynix-Papieren. Owen Lamont vom Vermögensverwalter Acadian warnte, die Hinterlegungsscheine notierten zeitweise mit einem Aufschlag von bis zu 50 Prozent gegenüber den Aktien in Seoul – ein Vielfaches der historisch üblichen Spanne von 2 bis 4 Prozent bei vergleichbaren Umwandlungen. Er zog Parallelen zur Dotcom-Blase und der damaligen Infosys-Notierung. Koreanische Privatanleger hatten bis zum 17. Juli netto rund 500 Millionen Dollar in die US-Papiere investiert. Ab dem 29. Juli – dem Tag der Quartalszahlen – startet die Umwandlung heimischer Aktien in Hinterlegungsscheine, was den Aufschlag nach Einschätzung von Marktbeobachtern verringern könnte.
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