SK Hynix Aktie: Rückkaufprogramm und Speicherboom treffen auf eine nervöse Börse

SK Hynix profitiert von knappen HBM4-Beständen und hoher KI-Nachfrage, doch Microns Aufholjagd und schwächere DRAM-Dynamik erhöhen die Risiken.

Dieter Jaworski ·
Abstrakte Darstellung von leuchtenden Datenströmen und Halbleitertechnologie in einer modernen Tech-Umgebung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie schwankt trotz KI-Nachfrage stark
  • HBM4-Bestände reichen für unter zehn Tage
  • Micron steigert seinen DRAM-Marktanteil
  • Quartalszahlen folgen Ende Oktober

Ausgangslage

SK Hynix steckt mitten in einem der stärksten Nachfragezyklen seiner Geschichte – und die Börse honoriert das mit Ausschlägen, die selbst erfahrene Anleger ins Schwitzen bringen.

Der Start von OpenAIs GPT-6 Astra am 3. September hat die Aktie regelrecht beflügelt: Am Sonntag zuvor sprang das Papier um 8,26 Prozent, am heutigen Dienstag notiert es bei 1.793.000 Won und liegt damit 0,6 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs von 1.783.000 Won.

Zugleich zeigte der Handelsverlauf am Vormittag, wie fragil die Euphorie ist: Der Leitindex Kospi sprang zeitweise über 7.170 Punkte, fiel dann aber unter die Marke von 7.000 zurück. SK Hynix selbst schwankte zwischen einem Tagesgewinn von fast 6 Prozent und dem späteren, deutlich moderateren Plus.

Warum das jetzt zählt: Der Speichermarkt befindet sich laut TechInsights-Chefstratege Dan Kim in einer Angebotsknappheit, die mindestens bis Ende 2027 anhalten dürfte, mit DRAM-Preissteigerungen von über 200 Prozent im Jahresvergleich.

Gleichzeitig hat SK Hynix am 19. August ein Aktienrückkaufprogramm über 40 Billionen Won angekündigt und plant laut S&P Global Market Intelligence, dieses im vierten Quartal möglicherweise weiter aufzustocken. Beides – strukturelle Nachfrage und Kapitalrückführung – bildet das Fundament der aktuellen Bewertung.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft derzeit alles auf eine Kennzahl hinaus: den HBM4-Lieferengpass und die Frage, wie lange SK Hynix seine Preissetzungsmacht als dominanter Zulieferer von Nvidia halten kann. Das Unternehmen deckt nach Marktschätzungen 60 bis 70 Prozent von Nvidias HBM-Bedarf und hält einen HBM-Marktanteil von 50 bis 60 Prozent.

Die Lagerbestände lagen im dritten Quartal bei unter zehn Tagen – ein Wert, der bei anhaltend hoher Nachfrage kaum Puffer lässt. Bleibt dieser Engpass bestehen, bleibt auch die Preismacht bei SK Hynix. Löst er sich schneller als erwartet, weil Wettbewerber wie Micron aufholen oder neue Kapazitäten schneller ans Netz gehen, wackelt die Story.

Bullisches Szenario

Die Bank of America rechnet mit einem Memory-Superzyklus, der bis 2028 anhält, gestützt von Goldman Sachs‘ Prognose einer Verdopplung der US-Rechenzentrumskapazität bis Ende 2027. DB Securities hat sein Kursziel für SK Hynix auf 2,3 Millionen Won gesetzt – deutlich über dem aktuellen Niveau.

Sollten Apple, Samsung und andere Großabnehmer tatsächlich mehrjährige Lieferverträge ohne Preisdeckel abschließen, wie es Berichten zufolge bereits bei Kioxia verhandelt wird, würde das die Preissetzungsmacht der gesamten Branche zementieren.

S&P Global hat seine EPS-Prognose für SK Hynix im vierten Quartal bereits auf 38.097 Won angehoben, inklusive einer Sonderdividende von 37.722 Won. Das laufende Rückkaufprogramm, von dem laut Marktdaten mehr als 95 Prozent noch nicht ausgeschöpft sind, wirkt zusätzlich als Kursstütze. Käme im vierten Quartal tatsächlich ein weiteres Programm von bis zu 40 Billionen Won hinzu, wäre das ein starkes Signal an den Markt.

Bärisches Szenario

Die Risiken sind real. Erstens zeigt der heutige Handelsverlauf, wie schnell Euphorie kippen kann: Individualanleger verkauften an drei Handelstagen in Folge Aktien im Wert von 13,59 Billionen Won netto, während US-Anleihen und Ölpreise auf Belastungsfaktoren für risikoreiche Assets hindeuten.

Zweitens verlangsamt sich das DRAM-Preiswachstum bereits sichtbar: TrendForce erwartet für das dritte Quartal nur noch 13 bis 18 Prozent Anstieg, nach teils über 90 Prozent im ersten Quartal – ein Zeichen nachlassender Dynamik bei PC- und Smartphone-Nachfrage. Drittens holt Micron im DRAM-Marktanteil auf, von 22 auf 25 Prozent binnen eines Quartals, während SK Hynix bei 26 Prozent verharrt.

Viertens bergen mögliche US-Zölle auf Chips Risiken für die laufenden US-Investitionen, etwa die HBM-Verpackungsanlage in Indiana, deren Bau erst Ende August begonnen hat. Und schließlich bleibt unklar, ob Intel tatsächlich als HBM4E-Foundry-Partner einsteigt – ein Punkt, den SK Hynix derzeit lediglich prüft, nicht beschlossen hat.

Ausblick

Solange die HBM-Knappheit anhält und Großkunden bereit sind, sich über Jahre zu Lieferverträgen ohne Preisobergrenze zu verpflichten, dürfte SK Hynix seine Sonderstellung als Nvidia-Kernlieferant verteidigen und von weiteren Kapitalrückführungen profitieren.

Kippt die Nachfrage jedoch schneller als erwartet – etwa weil sich PC- und Smartphone-Märkte weiter abschwächen oder Micron seinen Rückstand aufholt – dürfte die aktuelle Bewertung, die bereits 176 Prozent seit Jahresbeginn zugelegt hat, unter Druck geraten.

Der nächste konkrete Prüfstein folgt Ende Oktober: Dann legt SK Hynix seine Quartalszahlen für das dritte Quartal vor und will laut eigener Ankündigung zusätzliche Aktionärsrenditen bekanntgeben. Bis dahin bleibt der Markt ein Nervenspiel zwischen struktureller KI-Nachfrage und kurzfristiger Volatilität.

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SK Hynix Aktie

1.793.000,00 KRW

+ 10.000,00 KRW +0,56 %
KGV
KUV 6,18
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,09 %
Marktkapitalisierung 1.169,13 Bio. KRW
Ø Kursziel 3.189.708,97 KRW
ISIN: KR7000660001

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