S&P 500: Bewertungswandel schockt

Eine fundamentale Bewertungswende prägt den S&P 500: Immaterielle Assets wie Patente und Software stellen heute den Großteil des Unternehmenswerts dar, während klassische Vermögenswerte auf nur noch 8 Prozent schrumpften.

Redaktion Stock-World ·
S&P 500 Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Dramatischer Wandel von Sach- zu immateriellen Werten
  • Stabilität trotz aggressiver Zinserhöhungen überrascht
  • Technologiewerte führen aktuelle Marktverluste an
  • Studie zeigt ökonomische Inversion seit 1975

Die Wall Street zeigt sich am Donnerstag schwach – der S&P 500 verliert über ein Prozent. Doch hinter den Kulissen vollzieht sich eine tektonische Verschiebung, die das Verständnis von Unternehmenswert revolutioniert: Immaterielle Vermögenswerte dominieren inzwischen 92 Prozent der Marktkapitalisierung des Index. Eine fundamentale Kehrtwende, die Investoren vor neue Herausforderungen stellt.

Vom Stahl zur Software

Die Zahlen der Ocean Tomo Studie sind bemerkenswert: 1975 machten klassische Vermögenswerte wie Maschinen, Gebäude und Lagerbestände noch 83 Prozent des Marktwerts der S&P 500-Unternehmen aus. Fünfzig Jahre später hat sich das Verhältnis komplett umgekehrt. Patente, Marken, Datenbanken und Software-Plattformen stellen heute den Löwenanteil des Unternehmenswerts dar – greifbare Assets sind auf mickrige 8 Prozent geschrumpft.

Matthew Johnson, Autor der Studie, spricht von einer „ökonomischen Inversion“. Der Wert ist gewandert „von dem, was man anfassen kann, zu dem, was man denken kann“. Besonders rasant verlief diese Transformation zwischen 1985 und 2005, als der Anteil immaterieller Werte von 32 auf 79 Prozent hochschoss – eine Verschiebung von 47 Prozentpunkten in nur zwei Jahrzehnten.

Zinswende ohne Wirkung

Verblüffend: Zwischen 2020 und 2025 blieb der Anteil immaterieller Assets trotz der aggressivsten Zinserhöhungen seit vier Jahrzehnten stabil bei rund 90 Prozent. Die klassische Finanztheorie hätte eigentlich vorhergesagt, dass gerade Unternehmen mit hohen immateriellen Werten unter steigenden Zinsen leiden müssten. Ihre langfristigen Cashflows und der Mangel an physischen Sicherheiten sollten sie besonders anfällig machen.

Die Realität zeigte das Gegenteil. Dr. Nikki Tavasoli merkt an, dass diese Beobachtung die traditionellen Annahmen herausfordert. Die Stabilität deutet darauf hin, dass die Bewertungslogik für moderne Unternehmen grundlegend überdacht werden muss.

Aktienmärkte unter Druck

Am Donnerstag selbst präsentiert sich der S&P 500 schwach. Technologiewerte führen die Verluste an, während Anleger auf die Inflationsdaten am Freitag warten. Der überraschend starke Arbeitsmarktbericht vom Mittwoch hat die Erwartungen auf baldige Zinssenkungen der Federal Reserve gedämpft. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf 4,125 Prozent.

Währenddessen zeigen europäische Märkte eine vorsichtig positive Tendenz. Hoffnungen auf eine Verlängerung des Handelswaffenstillstands zwischen den USA und China stützen die Stimmung. Präsident Trump soll Anfang April zu einem Gipfel nach Peking reisen.

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S&P 500 Index

7.580,07 PKT

– 140,32 PKT -1,82 %
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