S&P 500: Blaue Welle, grüne Zahlen
Nach nächtlichen Verlusten erholten sich US-Aktien; im Oktober schnitt der gleichgewichtete Index besser ab als der S&P 500.

Kurz zusammengefasst
- Demokraten gewinnen beide Kongresskammern
- S&P 500 rund ein Prozent im Plus
- Gleichgewichteter Index steigt im Oktober 4,9 Prozent
- Cloud-Konzerne planen bis zu 740 Milliarden Dollar Investitionen
Die befürchtete „blaue Welle“ ist da, doch die Wall Street schüttelt sie ab. Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen Senat und Repräsentantenhaus erobert. Der S&P 500 notiert dennoch rund ein Prozent im Plus bei etwa 7.650 Punkten, der Dow Jones legt 1,5 Prozent zu.
Asien zuckt, Amerika dreht
In der Nacht sah das noch anders aus. Der Nikkei verlor zeitweise rund 3,6 Prozent, der Kospi etwa 3,2 Prozent. Vor allem Chip- und Technologiewerte gerieten unter Druck, weil Marktteilnehmer eine schärfere KI-Regulierung unter den Demokraten fürchteten. Der Nasdaq-100-Future lag zwischenzeitlich mehr als 2 Prozent im Minus.
Die Sorgen verflogen schnell. Europa startete stabil, die US-Futures machten ihre Verluste wett. Hinzu kommt: Das Ergebnis ist eindeutig, eine Hängepartie mit Anfechtungen bleibt aus. Präsident Trump gratulierte den Demokraten und signalisierte Kooperationsbereitschaft.
Auch die Historie spricht nicht gegen den Markt. Seit 1950 stand der S&P 500 zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl höher, im Schnitt um rund 15 Prozent.
Oktober: Die KI-Rechnung
Hintergrund der Nervosität ist ein schwacher Oktober für Technologiewerte. Der Nasdaq fiel um 5,2 Prozent, so stark wie seit März 2025 nicht mehr. Der Technologiesektor im S&P 500 gab 8,3 Prozent ab, Kommunikationsdienste sogar 10 Prozent. Auslöser waren die Quartalsberichte: Die großen Cloud-Anbieter planen für 2026 Investitionen von zusammen bis zu 740 Milliarden Dollar.
Der breite Markt hielt dagegen. Der S&P 500 verlor im Monat nur etwa ein Prozent, der gleichgewichtete Index legte dagegen 4,9 Prozent zu. Einen solchen Vorsprung vor dem klassischen Index gab es in einem Monat zuletzt 2009. Basiskonsumgüter erlebten ihren besten Monat seit dem Jahr 2000.
Zuletzt lieferten AMD und Arista Networks nachbörslich Argumente gegen ein Ende des KI-Booms. AMD steigerte den Umsatz um 45 Prozent, Arista meldete 58,5 Prozent Wachstum und hob die Jahresprognose an. Die Aktien legten um mehr als 6 beziehungsweise rund 12 Prozent zu.
Stimmung am Boden, Zinsen im Blick
Die Stimmung bleibt gedrückt. Der Fear & Greed Index steht bei 24 Punkten und signalisiert extreme Angst. Der VIX notiert knapp über 20 Punkten, was auf erhöhte Nervosität, aber nicht auf Panik hindeutet. Dass viele Anleger einen Ausverkauf erwartet hatten, macht die Erholung aus Sicht von Beobachtern zu einem möglichen Signal.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei etwa 4,93 Prozent. Heute stehen die ADP-Arbeitsmarktdaten um 14:15 Uhr und der ISM-Dienstleistungsindex um 16:00 Uhr MEZ an. Fallen sie robust aus, könnten sich die Zinserwartungen erneut verschieben und die Technologiewerte wieder belasten.
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