S&P 500: Fed-Sitzung mit hohem Einsatz
Vor dem Fed-Beschluss belasten hohe Anleiherenditen, teure Energie und schwache Konsumnachfrage den S&P 500 und erhöhen die Korrekturgefahr.

Kurz zusammengefasst
- US-Zehnjahresrendite über fünf Prozent
- Industrie wächst trotz schwachem Konsum
- Erzeugerpreise steigen um 5,4 Prozent
- SOX verliert mehr als fünf Prozent
Zehnjahresrenditen über 5 Prozent, Ölpreise über 100 Dollar und eine Notenbank, die ausgerechnet jetzt über eine Zinserhöhung nachdenkt — die Gemengelage an den Märkten ist ungewöhnlich angespannt. Die Fed startet heute ihre zweitägige Sitzung, deren Ergebnis am Mittwoch die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben dürfte. Ein Stratege warnt bereits vor einer Korrektur des S&P 500 um bis zu 10 Prozent.
Der Auslöser für die Nervosität: Die zehnjährige US-Staatsanleihe markierte mit über 5 Prozent Rendite den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Parallel dazu kletterte die Rendite japanischer Staatsanleihen wieder über 3 Prozent — ein Zeichen dafür, dass sich der Renditedruck nicht auf die USA beschränkt.
Finanzminister Scott Bessent, der heute vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses spricht, hatte mit kleineren Anleihekäufen versucht, die Renditen zu deckeln. Bislang ohne sichtbaren Erfolg.
Eine Wirtschaft mit zwei Gesichtern
Hinter der Marktnervosität steckt ein tieferliegendes Muster: Beobachter sprechen von einer „K-shaped recovery“, einer Erholung, die in unterschiedliche Richtungen ausschlägt.
Die Industrie läuft gut — der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag im August bei 54,6 Punkten und damit klar im Wachstumsbereich, nur leicht unter dem Zwei-Jahres-Hoch vom Juli. Der Nowcast der Atlanta Fed für das dritte Quartal deutet mit 4,7 Prozent sogar auf robustes Wachstum hin.
Die privaten Haushalte spüren davon wenig. Einzelhandelsumsätze und Konsumausgaben schwächeln, während die Verbraucherpreise im August um 3,4 Prozent zulegten — getrieben vor allem von Energie.
Noch alarmierender: Die Erzeugerpreise stiegen um 5,4 Prozent und liegen damit deutlich über der Verbraucherpreisinflation, ein Signal, dass sich der Kostendruck erst noch durch die Wertschöpfungskette frisst. Der Nahostkonflikt, der Brent-Öl zeitweise über 107 Dollar je Barrel trieb, verschärft genau dieses Problem.
Chiphersteller als Bremsklotz
Zusätzlichen Druck brachte am Montag eine Debatte um die Grenzen der KI-Entwicklung. Der Halbleiterindex SOX verlor über 5 Prozent — der stärkste Tagesverlust seit Juli — und zog S&P 500 und Nasdaq mit ins Minus. Präsident Trump wies Forderungen nach schärferen Regeln für Künstliche Intelligenz zurück und erklärte die bestehenden Leitplanken für ausreichend, was die Unsicherheit in der Branche allerdings kaum ausräumte.
Die Bondmärkte preisen inzwischen bis zu vier Zinserhöhungen binnen eines Jahres ein. Ob die Fed am Mittwoch tatsächlich den ersten Schritt in diese Richtung geht, entscheidet sich final in den nächsten Stunden — die Reaktion des S&P 500 dürfte unmittelbar folgen.
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