S&P 500: Ölpreis fordert Tribut

Steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen drücken den S&P 500. Futures erholen sich leicht, doch die Unsicherheit bleibt hoch.

Redaktion Stock-World ·
Abstraktes Finanzbild einer Bürogebäude-Spiegelung in dunklem Öl, das den Druck auf den S&P 500 symbolisiert. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Brent-Rohöl steigt auf über 100 Dollar
  • S&P 500 verliert 1,2 Prozent an einem Tag
  • Optionshändler fokussieren auf 7.500 Punkte
  • Gemischte Tech-Zahlen belasten zusätzlich

Ein Tag nach dem kräftigsten Rücksetzer seit einem Monat fangen sich die US-Futures wieder. Ausgelöst hatte den Rückschlag ein Ölpreis, der über die Marke von 100 Dollar gesprungen ist und Erinnerungen an die Eskalation vom März weckt.

Der Ölschock trifft die Wall Street

Houthi-Angriffe auf saudische Tanker im Roten Meer und eine weitere US-Angriffswelle gegen iranische Ziele ließen Brent-Rohöl am Donnerstag um rund sechs Prozent auf über 100 Dollar je Barrel steigen. Die Folgen blieben nicht auf den Ölmarkt beschränkt.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,7 Prozent, den höchsten Stand seit Januar 2025. Der S&P 500 verlor daraufhin 1,2 Prozent — der stärkste Tagesrückgang seit vier Wochen. Seit die nächtlichen US-Angriffswellen gegen Iran am 12. Juli begannen, steht der Index rund zwei Prozent im Minus, bleibt damit aber weniger als drei Prozent unter seinem Rekordhoch.

Am Freitag drehten die Futures wieder ins Plus, gestützt von der Hoffnung auf eine Beruhigung. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren — die Frage ist, wie lange die Erholung trägt, wenn der Konflikt weiter eskaliert.

Optionsmärkte markieren eine kritische Marke

Optionshändler beobachten dabei eine Region um 7.500 Punkte im S&P 500 als entscheidenden Wendepunkt. Solange Marktmacher in dieser Zone positiv positioniert sind, dämpfen sie Kursschwankungen durch automatisches Gegenhandeln. Rutscht der Index — oder der SPY-ETF unter die Marke von 740 Dollar — in eine negative Gamma-Lage, könnte sich dieser stabilisierende Effekt ins Gegenteil verkehren und Abwärtsbewegungen verstärken.

Zinssorgen und gemischte Tech-Zahlen

Parallel zum Ölpreis belasteten durchwachsene Berichte aus dem Tech-Sektor die Stimmung. Tesla verfehlte die Gewinnerwartungen deutlich, während Alphabet zwar besser als erwartet abschnitt, die Investitionsprognose für KI-Infrastruktur aber auf bis zu 205 Milliarden Dollar anhob — was bei Anlegern Zweifel an der Rendite dieser Ausgaben weckte. Intel dagegen übertraf die Erwartungen dank starker Nachfrage nach KI-Chips und legte vorbörslich mehr als fünf Prozent zu.

Die Fed-Erwartungen haben sich binnen einer Woche spürbar verschoben: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung beim nächsten Treffen liegt inzwischen bei fast 38 Prozent, für September sogar bei über 80 Prozent — beide Werte deutlich höher als noch vor sieben Tagen.

Zusätzlichen Gegenwind liefert die Handelspolitik. Neue Zölle zwischen 10 und 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Ländern ersetzen den zuvor ausgelaufenen weltweiten Zehn-Prozent-Aufschlag und treffen auch Kanada und die EU.

Dimons Warnung passt ins Bild

JPMorgan-Chef Jamie Dimon hatte bereits vor dieser Woche erklärt, weder Aktien noch lang laufende Staatsanleihen kaufen zu wollen. Seine Begründung: Der Markt blende geopolitische und fiskalische Risiken aus, obwohl der S&P 500 im laufenden Jahr bereits rund zehn Prozent zugelegt hat. Bei Anleihen hält er ein Renditeniveau von 4 bis 4,5 Prozent selbst bei niedriger Inflation für gerechtfertigt — ein Wert, der mit aktuell 4,7 Prozent bereits überschritten ist.

Am Freitag richtet sich der Blick zusätzlich auf die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungssektor der USA. Ob die Erholung der Futures Bestand hat, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob sich die Lage rund um die Straße von Hormus in den kommenden Tagen weiter zuspitzt oder abkühlt.

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