S&P 500: Ölpreis und Bewertungssorgen bremsen Rekordlauf
Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise und Anleiherenditen, während Bewertungsindikatoren auf historische Extreme steigen. Der S&P 500 verliert deutlich.

Kurz zusammengefasst
- S&P 500 verliert 0,87 Prozent
- Ölpreis steigt auf 87 Dollar
- Walmart-Aktie bricht um neun Prozent ein
- Buffett-Indikator erreicht Allzeithoch
Der S&P 500 hat einen unangenehmen Handelstag hinter sich. Der Leitindex verlor 66,82 Punkte oder 0,87 Prozent und schloss bei 7.641,16 Zählern. Auslöser war eine Mischung aus geopolitischer Eskalation und wachsenden Zweifeln an der Bewertung des US-Marktes.
Öl treibt die Nervosität
US-Präsident Donald Trump hat mit drastischen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran gedroht, Finanzminister Scott Bessent kündigte für kommenden Montag Details zu einem „ökonomischen Feldzug“ an.
Die Ölpreise reagierten prompt: West Texas Intermediate kletterte auf über 87 Dollar je Barrel, Brent näherte sich der 94-Dollar-Marke. Steigende Energiekosten gelten als Belastung für Konsumenten und Inflation gleichermaßen — beides Themen, die dem Aktienmarkt derzeit besonders zusetzen.
Hinzu kam ein kräftiger Anstieg der Anleiherenditen, nachdem sich die Erleichterung über die angekündigten Treasury-Rückkäufe schnell wieder verflüchtigte. Die 30-jährige US-Staatsanleihe hatte zuvor mit über 5,3 Prozent ein Niveau erreicht, das seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr zu sehen war. Belastend wirkten zudem schwache Zahlen von Walmart, dessen Aktie um 9 Prozent einbrach und die Stimmung im breiten Markt zusätzlich drückte.
Warnzeichen mehren sich
Die Kursverluste treffen auf einen Markt, der ohnehin unter erhöhter Beobachtung steht. Stratege Jim Paulsen hält noch vor Jahresende eine Korrektur des S&P 500 um 10 bis 20 Prozent für möglich. Seine Begründung: Der Index notiert rund 55 Prozent über seiner durchschnittlichen Nachkriegstrendlinie — ein Aufschlag, der zuletzt auf dem Höhepunkt der Technologieblase im Jahr 2000 erreicht wurde.
Auch die Stimmungsindikatoren zeichnen ein angespanntes Bild. Der Bull-and-Bear-Indikator der Bank of America steht bei 9,6 von 10 Punkten, ein Niveau, das historisch als Verkaufssignal gilt. Der Anteil defensiver Aktien an der Marktkapitalisierung des Index ist derweil auf nur noch 17 Prozent gefallen, nahe einem Rekordtief.
Warren Buffett hatte bereits zuvor öffentlich vor übertriebener Risikofreude gewartet: Es sei schwierig, Wert zu finden, wenn alle lieber zocken würden. Der nach ihm benannte Indikator, das Verhältnis von US-Marktkapitalisierung zu Wirtschaftsleistung, kletterte auf ein Allzeithoch von knapp 238 Prozent — deutlich über dem Niveau der Dotcom-Blase.
Bemerkenswert dabei: Buffetts Berkshire Hathaway wurde im zweiten Quartal nach 14 Quartalen erstmals wieder zum Netto-Käufer von Aktien, mit Alphabet als größtem Einzelposten.
Die kommende Woche dürfte richtungsweisend werden. Bessents angekündigte Pressekonferenz am Montag zu den Iran-Sanktionen wird zeigen, ob sich die Ölpreis-Rally fortsetzt oder abflacht. Für den S&P 500 bleibt die Gemengelage aus hohen Bewertungen, steigenden Zinsen und geopolitischem Risiko damit vorerst bestehen.
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