S&P 500: SANDISK und Micron explodieren — Domino’s Pizza am Jahrestief

Eduard Altmann ·
SANDISK Aktie

Intels überraschend starke Quartalszahlen haben eine Kettenreaktion ausgelöst. Der gesamte Halbleitersektor profitiert massiv, angeführt von SANDISK mit einem Tagesplus von über 7 % und Micron mit rund 5 %. Gleichzeitig schicken enttäuschende Ergebnisse von Domino’s Pizza die Aktie zweistellig in die Tiefe. Ein Tag der Extreme im S&P 500 — während geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus und die bevorstehende Mega-Cap-Earnings-Woche das Gesamtbild zusätzlich prägen.

Die Divergenz zwischen den Sektoren könnte kaum größer sein:

  • Halbleiter & KI-Infrastruktur profitieren vom strukturellen Speicher-Superzyklus und der Intel-Euphorie
  • Energieversorger wie Vistra Energy werden durch KI-Stromnachfrage und steigende Ölpreise gestützt
  • Konsumwerte leiden unter Makrodruck und verschärftem Wettbewerb
  • Healthcare steht unter Druck — Klagen bei Boston Scientific, Diversifizierungssorgen bei Moderna

SANDISK: KI-Speicherhunger treibt die Rally weiter

SANDISK gehört erneut zu den stärksten Titeln im gesamten S&P 500. Die Aktie notiert bei 1.063,20 Dollar und markiert damit ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs nahezu vervierfacht.

Der unmittelbare Katalysator kam von Intel: Statt des erwarteten einen Cents Gewinn je Aktie meldete der Chipriese 0,29 Dollar — und setzte damit den gesamten Halbleitersektor in Brand. SANDISK profitierte überproportional.

Das fundamentale Bild untermauert die Euphorie. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz sequenziell um 31 % auf 3,03 Milliarden Dollar. Der Datacenter-Umsatz legte sogar um 64 % zu, getrieben durch KI-Infrastrukturkunden. Bank of America erhöhte daraufhin das Kursziel auf 1.080 Dollar und bezeichnete das Unternehmen als „Hauptprofiteur der KI-getriebenen Speichernachfrage“.

Am 30. April steht der nächste Katalysator an: Die Fiskal-Q3-Zahlen. Das Management hat einen Umsatz von 4,4 bis 4,8 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. KI-Rechenzentren benötigen ein Vielfaches an NAND-Flash-Speicher im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen — und die Nachfrage übersteigt das Angebot derzeit deutlich. Ein Analyst erwartet, dass dieser Engpass bis 2028 oder länger anhält.

Micron: HBM-Boom befeuert explosives Wachstum

Micron surft auf der gleichen Welle. Die starken Intel-Zahlen zogen auch den Speicherspezialisten kräftig nach oben. Mit einem Plus von 5 % notiert die Aktie bei 445,25 Euro — ebenfalls auf einem frischen 52-Wochen-Hoch.

Die Basis ist beeindruckend: Die HBM-Kapazität für 2026 ist vollständig ausverkauft. Im April begann die Massenproduktion von HBM4, wobei die Preise gegenüber früheren Generationen um mehr als 50 % gestiegen sind. Für das laufende Fiskalquartal wird ein Gesamtumsatz von 33,5 Milliarden Dollar erwartet — das entspräche einer Wachstumsrate von 260 % gegenüber dem Vorjahr.

Anleger sollten allerdings die Kehrseite im Blick behalten. Die vergleichsweise moderate Bewertung spiegelt ein konkretes Risiko wider: Die aktuell aufgeblähten Speicherpreise werden fallen, sobald Micron und seine Wettbewerber in den kommenden Jahren mehr HBM-Kapazität auf den Markt bringen.

Vistra Energy: Kernkraft als KI-Profiteur

Während klassische Versorger wie NextEra Energy oder Southern Co. leicht nachgaben, stach Vistra Energy mit einem Plus von über 5 % heraus. Das Unternehmen, Amerikas zweitgrößter Kernkraftbetreiber, profitiert unmittelbar vom explodierenden Stromhunger der Rechenzentren.

Langfristige Verträge untermauern das Anlegervertrauen. Vistra hat Stromlieferverträge über rund 3.800 Megawatt Kernkraft abgeschlossen, die an Amazon Web Services und Meta gebunden sind. Für 2026 stellt das Management ein bereinigtes EBITDA von 6,8 bis 7,6 Milliarden Dollar in Aussicht.

Zusätzliche Fantasie kommt durch die geplante Übernahme von Cogentrix Energy für vier Milliarden Dollar. Der Deal würde 5.500 Megawatt Erdgaskapazität in Regionen mit stark wachsender Rechenzentrum-Nachfrage hinzufügen. Am 7. Mai legt Vistra seine Q1-Ergebnisse vor. Regulatorische Risiken rund um Colocation-Deals mit Hyperscalern bleiben ein Unsicherheitsfaktor, den Anleger nicht unterschätzen sollten.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei SANDISK?

Domino’s Pizza: Gewinnwarnung schickt Aktie auf Jahrestief

Der deutlichste Verlierer des Tages ist Domino’s Pizza mit einem Minus von 11 %. Die Aktie fiel auf 284 Euro — ein neues 52-Wochen-Tief.

Die heute vorgelegten Q1-Zahlen enttäuschten auf breiter Front. Der Gewinn je Aktie lag bei 4,13 Dollar und verfehlte damit die Analystenerwartung von 4,31 Dollar. Der Nettogewinn sank um 6,6 % auf 139,8 Millionen Dollar, der freie Cashflow ging um 10,6 % zurück.

Besonders schmerzhaft war die Senkung der Jahresprognose. Das Management erwartet für 2026 nur noch ein US-Same-Store-Sales-Wachstum im „positiv niedrigen einstelligen“ Bereich — zuvor lag das Ziel bei 3 %. Auch die internationale Prognose wurde gekappt. Im ersten Quartal verlangsamte sich das US-Same-Store-Sales-Wachstum auf magere 0,9 %, wobei der Lieferkanal sogar rückläufig war.

Hinzu kommt verschärfter Wettbewerb: Nationale Pizzaanbieter bieten inzwischen Deals an, die mit dem traditionellen Preisvorteil von Domino’s vergleichbar oder identisch sind. Der Burggraben bröckelt.

Boston Scientific: Solide Zahlen, aber Klagewelle drückt den Kurs

Boston Scientific verlor 5,5 % und notiert bei 53,11 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Das Paradoxe: Die Q1-Zahlen vom 22. April waren eigentlich solide. Der Nettoumsatz stieg um 11,6 % auf 5,2 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie übertraf die Konsensschätzung leicht.

Der anhaltende Druck erklärt sich durch eine Wertpapier-Sammelklage, die sich auf das US-Elektrophysiologie-Geschäft konzentriert. Die Kläger behaupten, das Management habe die Nachhaltigkeit des EP-Wachstums übertrieben und den Wettbewerb heruntergespielt. Am 4. Mai läuft eine wichtige Frist für die Klage ab.

Stifel Nicolaus senkte das Kursziel von 90 auf 85 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Die Aktie bleibt ein klassischer Beweisstück-Titel: Das Vertrauen kehrt erst zurück, wenn sich die Elektrophysiologie-Trends stabilisieren.

Moderna: Zwischen EU-Zulassungserfolg und Cash-Burn-Sorgen

Moderna gab 4,8 % ab und notiert bei 41,80 Euro. Die Aktie liegt damit rund 16 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das Anfang März erreicht wurde.

Eigentlich lieferte das Unternehmen zuletzt eine Erfolgsmeldung: Die europäische Marktzulassung für mCOMBRIAX — den weltweit ersten kombinierten Grippe- und COVID-Impfstoff für Erwachsene ab 50 Jahren. Der Kurs reagiert trotzdem negativ. Anleger richten den Blick auf den kurzfristigen Cash-Burn und die Frage, wie schnell Moderna seine Umsätze jenseits des COVID-Zyklus diversifizieren kann.

Am 1. Mai legt das Unternehmen Quartalsergebnisse vor. Die Prognose sieht einen Verlust von 2,28 Dollar je Aktie vor — trotz eines Umsatzanstiegs von über 100 % gegenüber dem Vorjahr. Die reduzierte US-Regierungsunterstützung für Influenza-Programme verstärkt die Unsicherheit zusätzlich. Bei Moderna überwiegt derzeit die Skepsis gegenüber der Geschwindigkeit der Pipeline-Monetarisierung.

Mega-Cap-Woche und Fed-Entscheid als nächste Wegmarken

Der heutige Handelstag illustriert die extreme Spreizung innerhalb des S&P 500. KI-Infrastruktur und Energieversorgung bleiben die dominanten Wachstumsthemen des Jahres. Der Konsumsektor hingegen kämpft mit Gegenwind — Domino’s ist nur das jüngste Beispiel.

In dieser Woche verlagert sich die Aufmerksamkeit auf die Quartalsergebnisse von Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Apple. Ihre KI-Investitionspläne dürften den weiteren Kurs für den Halbleitersektor maßgeblich bestimmen. Die Fed wird ihren Leitzins voraussichtlich unverändert lassen — der anhaltende Nahost-Konflikt und die wirtschaftliche Unsicherheit sprechen für eine abwartende Haltung. Für die Gewinner wie SANDISK und Micron könnte die Mega-Cap-Woche weiteren Treibstoff liefern. Für die Verlierer bleibt die Frage, ob der Boden bereits erreicht ist.

SANDISK-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SANDISK-Analyse vom 27. April liefert die Antwort:

Die neusten SANDISK-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SANDISK-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 27. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

SANDISK: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

SANDISK Aktie

1.063,20 USD

+ 73,30 USD +7,40 %
KGV 0,00
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 146,11 Mrd. USD
ISIN: US80004C2008

Community Forum zu SANDISK

Ähnliche Artikel

Novo Nordisk: 6,8 Milliarden DKK Semaglutide-Umsatz 2025 China

Novo Nordisk: 6,8 Milliarden DKK Semaglutide-Umsatz 2025 China

Pharma & Biotech ·
Micron: Melius startet mit 700-Dollar-Ziel

Micron: Melius startet mit 700-Dollar-Ziel

Nasdaq ·
Netflix Aktie: $55 Milliarden Rückkauf expandiert

Netflix Aktie: $55 Milliarden Rückkauf expandiert

Nasdaq ·
Der Zenit wird in dieser Woche erreicht!

Der Zenit wird in dieser Woche erreicht!

Kolumnen ·
S&P 500: SANDISK und Micron explodieren — Domino's Pizza am Jahrestief

S&P 500: SANDISK und Micron explodieren — Domino's Pizza am Jahrestief

S&P 500 ·

Weitere Artikel zu SANDISK

Alle Artikel anzeigen
SanDisk Aktie: Das wahre Risiko

SanDisk Aktie: Das wahre Risiko

Nasdaq ·
SanDisk Aktie: Das 2.600-Dollar-Szenario!

SanDisk Aktie: Das 2.600-Dollar-Szenario!

Nasdaq ·
SANDISK Aktie: Beeindruckende Resultate

SANDISK Aktie: Beeindruckende Resultate

Earnings ·
SANDISK Aktie: Konstruktiver Aufschwung!

SANDISK Aktie: Konstruktiver Aufschwung!

Nasdaq ·
SanDisk Aktie: Bewertungsdebatte nach Citi-Upgrade

SanDisk Aktie: Bewertungsdebatte nach Citi-Upgrade

Halbleiter ·