S&P 500: Warsh entscheidet über Erholung
Der Index gewann 0,7 Prozent; Warshs Einschätzung lockerer Finanzbedingungen könnte die Zinserwartungen beeinflussen.

Kurz zusammengefasst
- S&P 500 steigt um 0,7 Prozent
- Ölpreis sinkt auf rund 102 Dollar
- Fed-Zinsentscheid am Mittwoch erwartet
- Microsoft, Alphabet und Amazon melden Quartalszahlen
Die Wall Street erholt sich von mehrmonatigen Tiefs, doch der Mittwoch könnte die Richtung vorgeben. Dann entscheidet die US-Notenbank über den Leitzins, und Fed-Chef Kevin Warsh tritt vor die Presse. Entscheidender als der Beschluss selbst dürfte seine Einschätzung der Finanzbedingungen sein.
Erholung nach Tiefs der Vorwoche
Der S&P 500 legte am Montag um 0,7 Prozent auf 7.676,77 Punkte zu. Marktteilnehmer sprachen von Schnäppchenjagd, nachdem die Indizes in der Vorwoche auf Mehrmonatstiefs gefallen waren. Auch der Dow Jones und die Nasdaq gewannen. Gestützt wurde die Stimmung von nachgebenden Ölpreisen: Berichte über einen Besuch einer katarischen Delegation im Iran zur Deeskalation drückten den Preis für US-Rohöl auf rund 102 Dollar je Barrel.
Am Markt stand vor allem die Tech-Branche im Mittelpunkt. Tesla sprang auf Fantasien über eine mögliche Fusion mit SpaceX um sechs Prozent nach oben, Barclays hatte die Aktie zuvor hochgestuft. Verizon verlor trotz angehobener Jahresziele fast vier Prozent, weil Anleger neue Konkurrenz durch SpaceX fürchten.
Warsh und die lockeren Finanzbedingungen
Eine Zinspause gilt als ausgemacht. Am Terminmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung bei rund zehn Prozent, in einer Umfrage unter 100 Ökonomen erwarten 94 keine Bewegung. Für Dezember rechnen dagegen alle Befragten mit dem nächsten Schritt nach oben. Im September hatte die Fed erstmals seit 2023 angehoben.
Interessanter ist der Blick auf den Finanzbedingungsindex der Chicago Fed. Er steht bei minus 0,50 und signalisiert damit weiterhin lockere Bedingungen. Der S&P 500 entwickelte sich historisch meist gegenläufig zu diesem Index.
Stuft Warsh die Bedingungen als zu locker ein, könnten die Märkte weitere Zinserhöhungen einpreisen. Steigende Renditen, breitere Kreditaufschläge und höhere Schwankungen wären die Folge, besonders für hoch bewertete Titel.
Termine der Woche
Die Woche bleibt dicht getaktet:
- Mittwoch, 19:00 Uhr MEZ: Zinsentscheid der Fed, eine halbe Stunde später Pressekonferenz von Warsh
- Mittwoch und Donnerstag: Quartalszahlen von Microsoft, Alphabet und Amazon
- Donnerstag: Kern-PCE-Inflation für September, erwartet werden 3,1 Prozent nach 3,0 Prozent im August
- 3. November: US-Zwischenwahlen
Historisch spricht für die Wahl einiges: Seit 1950 schloss der S&P 500 in jedem Jahr nach den Midterms im Plus, die Spanne reichte von 1,9 bis 33,2 Prozent. Fällt die Inflation am Donnerstag höher aus als erwartet und gibt sich Warsh am Vorabend falkenhaft, dürfte die Dezembererhöhung kaum noch zu verhindern sein.
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