S&P 500: Zinsen als Stresstest

Bei dauerhaft 5,6 Prozent Rendite wären S&P-500-Erträge ab 7.666 Punkten negativ; Standard Chartered erwartet im Basisszenario sinkende Renditen.

Andreas Sommer ·
Ein geschäftiger Handelsraum an der Börse mit professioneller Atmosphäre und natürlichem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Index legte am Freitag 0,59 Prozent zu
  • Zehnjährige Treasury-Rendite stieg im September
  • Bank setzt Zwölfmonatsziel bei 8.400 Punkten
  • Halbleiter zählen zu den bevorzugten Aktien

Der Index schloss die Woche mit Rückenwind, doch der Blick geht schon weiter: Der Ausverkauf am US-Anleihemarkt rückt in den Mittelpunkt. Das Chief Investment Office von Standard Chartered sieht darin eine Einstiegschance und rechnet vor, wo Aktien bei steigenden Zinsen ins Minus drehen würden.

Freitag: Entspannung bei Öl und KI

Der S&P 500 gewann am Freitag 0,59 Prozent auf 7.811,54 Punkte. Leicht sinkende Ölpreise stützten die Stimmung, ebenso weniger Geopolitik: US-Präsident Donald Trump versicherte, vor den Zwischenwahlen im November keinen Angriff auf den Iran zu starten, und sprach von „produktiven Gesprächen“.

Hinzu kam Erleichterung bei KI-Werten. Am Donnerstag hatte ein Medienbericht über schwache OpenAI-Umsätze den Nasdaq 100 zeitweise um bis zu zwei Prozent gedrückt. Am Freitag hieß es unter Berufung auf Insider, OpenAI erwarte bis Jahresende einen Umsatz von mindestens 70 Milliarden Dollar. Die Differenz zu den zuvor genannten 50 Milliarden dürfte auf Brutto- versus Nettoumsatz hinauslaufen.

Am Einzelwertemarkt sorgte der Telekomsektor für Bewegung. SpaceX kündigte den Erwerb von US-Mobilfunkfrequenzen an und könnte mit Starlink zum großen Wettbewerber werden.

AT&T, Verizon und T-Mobile US verloren bis zu gut 13 Prozent, Funkmastbetreiber wie American Tower und Crown Castle legten bis zu fast 16 Prozent zu. Apple gab 1,1 Prozent nach, weil der Konzern laut Medienberichten wegen schwacher iPhone-18-Pro-Nachfrage Komponentenbestellungen kürzte.

Die Zinsrechnung der Bank

Die Rendite zehnjähriger Treasuries stieg im September um mehr als 50 Basispunkte, der größte Monatsanstieg seit 2022. Standard Chartered nennt eine robuste Konjunktur, höhere Fed-Zinsen, treibstoffgetriebene Inflation, KI-bedingte Kapitalnachfrage und Haushaltssorgen als Treiber.

Die Bank eröffnete eine „opportunistisch bullishe Position“ auf zehnjährige Staatsanleihen. Ihr Argument: Bei einem Anstieg auf sechs Prozent lägen die Verluste unter einem Prozent, bei einem Rückgang auf 4,5 Prozent wären mehr als zehn Prozent Gewinn möglich. Die Geldmärkte preisen aus Sicht der Bank zu viel Fed-Straffung ein.

Wo der Index kippt

Für den S&P 500 setzt Standard Chartered ein Zwölfmonatsziel von 8.400 Punkten. Steigt die Rendite nachhaltig auf 5,6 Prozent, wären die Erträge ab dem Niveau von 7.666 Punkten bei unveränderten Gewinnen negativ. Im Basisszenario erwartet die Bank allerdings eher sinkende Renditen.

Aktienseitig setzt sie auf Qualitätstitel und KI-Profiteure. US-Large-Caps haben den Renditeanstieg demnach relativ gut verkraftet, Small und Mid Caps liegen deutlicher unter ihren Hochs. Halbleiter bleiben bevorzugt.

Die Inflationsdaten für September bis November sollen über einen Zinsschritt der Fed im Dezember entscheiden. Im Oktober rechnet die Bank kaum mit einer Erhöhung. Den Höhepunkt beim US-Dollar und bei den kurzfristigen Renditen erwartet sie bis Ende November.

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S&P 500 Index

7.811,54 PKT

+ 46,18 PKT +0,59 %
KGV —
Sektor —
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung —
ISIN: US78378X1072

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