SpaceX Aktie: 15,66 Prozent Tagesplus nach Lockup-Ablauf
Nach dem ersten Lockup-Ablauf steigt der SpaceX-Kurs deutlich, bleibt aber unter dem Ausgabepreis. Analysten sehen weiterhin großes Potenzial, warnen jedoch vor Risiken.

Kurz zusammengefasst
- Kursplus von 15,66 Prozent am Freitag
- Erste Sperrfrist nach Börsengang abgelaufen
- Analysten: 80 Prozent Kaufempfehlungen
- Starlink-Gewinn, KI-Segment mit Verlust
Die SpaceX-Aktie hat am Freitag eine der stärksten Kursbewegungen ihrer noch jungen Börsengeschichte hingelegt. Der Titel schloss bei 115,14 Euro und legte damit an einem einzigen Handelstag um 15,66 Prozent zu. Auf Wochensicht steht sogar ein Plus von 22,53 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro, erreicht im Juni, fehlen der Aktie damit aber weiterhin 40,79 Prozent – die Erholung ist heftig, aber von den Rekordständen ist das Papier noch weit entfernt.
Auslöser der Rally war der Ablauf der ersten Sperrfrist nach dem Börsengang. SpaceX war im Juni mit einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar pro Aktie an die Börse gegangen, bewertet mit rund 1,77 Billionen US-Dollar – der größte US-Börsengang überhaupt. Am ersten Handelstag schoss die Aktie um 19 Prozent auf 161 US-Dollar nach oben, fiel danach aber wieder unter den Ausgabepreis.
Sperrfrist-Ablauf setzt Angebotsschock frei
Am Donnerstag wurden bis zu 911,5 Millionen Aktien im Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar handelbar – der erste Lockup-Ablauf seit dem Börsengang. Der frei handelbare Anteil verdoppelte sich dadurch von 639 Millionen auf 1,55 Milliarden Aktien und stieg von knapp 5 auf annähernd 12 Prozent aller ausstehenden Anteile. Die Aktie fiel zunächst auf ein neues Tief, ehe institutionelle Käufer das zusätzliche Angebot offenbar aufsogen und den Kurs binnen zwei Handelstagen um 23 Prozent nach oben trieben. Der Börsenwert von SpaceX legte dadurch um rund 327 Milliarden US-Dollar zu, im US-Handel näherte sich der Kurs wieder dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar an.
Ganz ausgestanden ist das Thema damit nicht: Weitere Tranchen sollen bis Dezember freigegeben werden, dann wären rund 40 Prozent der Aktien handelbar. Die Anteile von Elon Musk selbst bleiben nach Angaben von Teslarati bis Mitte 2027 gesperrt. Der US-Fachdienst berichtete zudem, dass Leerverkäufer bereits vor dem Lockup-Ablauf 34 Prozent des Streubesitzes shortverkauft hatten – 95 Prozent aller verleihbaren Aktien waren zu diesem Zeitpunkt bereits verliehen. Das deutet auf eine sehr angespannte Positionierung im Vorfeld hin.
Analysten zwischen Kaufempfehlung und Warnung
Die Research-Firma Argus stufte die Aktie im Zuge der Erholung auf „Buy“ hoch und nennt ein Kursziel von 160 US-Dollar. Rund 80 Prozent der von Analysten abgegebenen Einschätzungen lauten aktuell auf Kaufen, das mittlere Kursziel liegt bei etwa 221 US-Dollar – deutlich über dem aktuellen Kursniveau im US-Handel. Argus rechnet für 2026 mit einer Umsatz-Run-Rate von rund 100 Milliarden US-Dollar, für 2027 mit 110 Milliarden US-Dollar.
Es gibt aber auch deutlich skeptischere Stimmen. Der Investor George Noble nennt ein Kursziel von lediglich 30 US-Dollar, was einem Kurssturz von rund 72 Prozent gegenüber aktuellen US-Notierungen entspräche. Auch der bekannte Marktkommentator Jim Cramer rät zur Vorsicht: Er empfiehlt SpaceX zwar als langfristigen Kauf, warnt kurzfristig aber vor weiterer Unsicherheit. Cramer verweist darauf, dass die Aktie erst am 5. August um 13,61 Prozent eingebrochen war, nachdem die Investitionsausgaben im zweiten Quartal die Erwartungen um mehr als 5 Milliarden US-Dollar übertroffen hatten.
Starlink liefert Gewinn, KI-Geschäft belastet die Bilanz
Die zugrunde liegenden Geschäftszahlen zeigen ein zweigeteiltes Bild. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden US-Dollar und übertraf damit den Konsens von 6,93 Milliarden US-Dollar deutlich. Unter dem Strich blieb dennoch ein Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar, umgerechnet 0,09 US-Dollar je Aktie. Das Starlink-Geschäft trug mit 12 Millionen Abonnenten und einem operativen Gewinn von 1,66 Milliarden US-Dollar maßgeblich zur Stabilität bei. Das KI-Segment wuchs zwar um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden US-Dollar Umsatz, verbuchte aber einen operativen Verlust von 1,3 Milliarden US-Dollar. Die KI-Investitionen allein machten mit 15,83 Milliarden US-Dollar rund 86 Prozent der gesamten Investitionsausgaben aus – ein Kostenblock, der die Anleger im Vorfeld verschreckt hatte.
Parallel zur Kursbewegung meldete SpaceX operative Entwicklungen im Raumfahrtgeschäft: Ein Versuch, den 52 Meter langen Rumpf eines Starship-Testfahrzeugs aus dem Indischen Ozean zu bergen, gilt nach Einschätzung von Elon Musk als wenig erfolgversprechend, soll aber wertvolle Hitzeschild-Daten für künftige Modelle liefern. Zudem wurde bestätigt, dass ein Falcon-9-Start zuvor einen Mondkrater verursacht hatte. Für die Kursentwicklung dürfte in den kommenden Wochen jedoch vor allem der nächste angekündigte Lockup-Termin Ende August entscheidend sein.
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