SpaceX Aktie: 911,5 Millionen Anteile freigegeben
SpaceX übertrifft Umsatzerwartungen deutlich, verzeichnet aber Kursverluste. Hohe KI-Ausgaben und der Ablauf der Aktiensperrfrist sorgen für Verkaufsdruck.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzsprung um 92 Prozent
- Nettoverlust geringer als erwartet
- KI-Investitionen belasten Quartalsbilanz
- Lockup-Ablauf erhöht Angebot an Aktien
Die erste Quartalsbilanz von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen hätte eigentlich Anlass zur Freude geben sollen. Der Umsatz schoss im zweiten Quartal um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar nach oben und übertraf die Erwartungen der Analysten von rund 6,8 Milliarden Dollar deutlich. Der Nettoverlust lag bei 541 Millionen Dollar beziehungsweise 9 Cent je Aktie – weniger als halb so hoch wie prognostiziert. Trotzdem brach die Aktie ein. Sie notiert aktuell bei 99,49 Euro und verliert allein am heutigen Mittwoch 8,56 Prozent, nachdem sie gestern noch bei 108,80 Euro geschlossen hatte.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Der Widerspruch zwischen Zahlen und Kursreaktion erklärt sich aus der Ausgabenseite. SpaceX steckte im Quartal 18,4 Milliarden Dollar in Investitionen, sechsmal so viel wie im Vorjahresquartal. Davon flossen 15,8 Milliarden Dollar allein in den Ausbau von Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz. Das KI-Geschäft selbst wuchs zwar rasant und steuerte 2,56 Milliarden Dollar Umsatz bei, ein Plus von rund 250 Prozent, blieb aber mit einem operativen Verlust von 1,26 Milliarden Dollar tief in den roten Zahlen. Profitabel war im Konzern nur das Starlink-Geschäft, das seinen Umsatz um 66 Prozent auf 4,29 Milliarden Dollar steigerte und einen operativen Gewinn von 1,66 Milliarden Dollar erzielte. Die Zahl der Starlink-Abonnenten verdoppelte sich binnen eines Jahres auf 12 Millionen.
Konzernchef Elon Musk verteidigte die hohen Investitionen und bezeichnete das Erreichen von 100 Milliarden Dollar annualisiertem Umsatz bis Dezember als „keine Frage“. Er stellte zudem in Aussicht, dass der Konzern die Marke von einer Billion Dollar Jahresumsatz bereits 2030 statt wie zuvor angepeilt 2031 erreichen könnte – die Chance für 2029 sei „nicht Null“. Der Finanzchef von SpaceX betonte, dass sich die KI-Investitionen innerhalb von weniger als einem Jahr amortisieren sollen, gestützt auf neue Cloud-Verträge mit Partnern wie Google und Anthropic im Volumen von mehreren Milliarden Dollar.
Lockup-Ablauf verschärft den Verkaufsdruck
Zur schwachen Aufnahme der Zahlen kommt ein zweiter Belastungsfaktor hinzu: Am morgigen Donnerstag läuft die erste Sperrfrist für Insider-Aktien aus. Bis zu 911,5 Millionen Anteile könnten dann handelbar werden, wobei zunächst 20 Prozent freigegeben werden – weitere Tranchen folgen im Dezember 2026 und im Juni 2027. Der frei handelbare Streubesitz, der bislang bei weniger als 280 Millionen Aktien lag, könnte sich damit mehr als verdoppeln. Hinzu kommt ein Short-Interest von 219,3 Millionen Aktien, was rund 34 Prozent des aktuellen Streubesitzes entspricht. Die Aktie war im Juni zum Preis von 135 Dollar an die Börse gegangen und hatte den größten Börsengang der Geschichte mit einem Emissionsvolumen von 86 Milliarden Dollar hinter sich gebracht. Vom damaligen Höchststand hat sich das Papier mittlerweile deutlich entfernt und bewegt sich nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 91,04 Euro, zu dem der aktuelle Kurs einen Abstand von 9,28 Prozent aufweist.
Analysten uneins über den fairen Wert
Die Reaktionen der Wall-Street-Häuser fallen entsprechend gespalten aus. Piper Sandler senkte sein Kursziel von 156 auf 140 Dollar und stufte die Aktie auf „Neutral“ zurück – als Begründung nannten die Analysten explizit die Sorge vor dem stark steigenden Angebot durch die Lockup-Freigabe sowie erwartete Investitionen von rund 65 Milliarden Dollar für 2027. JPMorgan bewertet die Lage dagegen deutlich optimistischer und hob sein Kursziel von 225 auf 240 Dollar an, mit Verweis auf mögliche Investitionen von bis zu 200 Milliarden Dollar in den Jahren 2027 und 2028. Weitere Häuser wie Bank of America, Mizuho und Clear Street siedeln ihre Kursziele zwischen 200 und 235 Dollar an, sodass der Analystenkonsens im Schnitt bei rund 233,71 Dollar liegt – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Für Anleger bleibt damit die entscheidende Frage, ob die Skepsis über die milliardenschweren KI-Investitionen anhält oder ob der starke operative Fortschritt bei Starlink und im KI-Geschäft mittelfristig die Oberhand gewinnt.
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