SpaceX Aktie: Geopolitik-Bombe!
Eingriffe bei Starlink, offene Zuständigkeiten bei Starshield und regulatorische Hürden erhöhen die Unsicherheit für SpaceX.
Kurz zusammengefasst
- Starlink-Drosselung beeinträchtigte ukrainische Drohneneinsätze
- Pentagon-Zugriff auf Starshield soll eingeschränkt werden
- FAA plant Umweltprüfung und öffentliche Anhörungen
- 8-Milliarden-Dollar-Frequenzkauf wartet auf FCC-Zustimmung
Die Grenze zwischen kommerziellem Technologiekonzern und sicherheitspolitischer Schlüsselinfrastruktur verläuft bei SpaceX fließend. Genau dieser Umstand birgt für Anleger handfeste Risiken, die der Markt nach meiner Ansicht noch immer unterschätzt.
Das Engagement des Raumfahrtunternehmens im Ukraine-Krieg und die jüngsten Spannungen mit Washington führen drastisch vor Augen: Wer in diesen Giganten investiert, wettet nicht nur auf Raketenstarts, sondern auf globale Geopolitik.
Reibungspunkte mit dem Pentagon
Am vergangenen Mittwoch drosselte SpaceX Berichten zufolge Starlink-Dienste in der Ukraine, indem Terminals bei Geschwindigkeiten von über 160 Kilometern pro Stunde ausgebremst wurden. Dieser Schritt beeinträchtigte militärische Drohneneinsätze spürbar.
Nur einen Tag später berichtete Reuters, dass Vertreter des Weißen Hauses die Führung des Pentagons angewiesen haben, den ukrainischen Zugriff auf das militärische Satellitensystem Starshield zu beschränken. Wer diese Entscheidung letztlich traf, blieb dabei unklar.
Aus meiner Sicht markieren diese Vorfälle einen heiklen Wendepunkt. Ein kommerzieller Infrastrukturanbieter, der aktiv in das operative Geschehen eines Krieges eingreift oder zwischen die Fronten der Washingtoner Bürokratie gerät, riskiert mehr als nur politische Schlagzeilen.
Für SpaceX steht das Vertrauen staatlicher Großkunden auf dem Spiel. Wenn Militärs weltweit den Eindruck gewinnen, dass die Verfügbarkeit von Übertragungskanälen von Launen oder unklaren Zuständigkeiten abhängt, geraten lukrative Rüstungsaufträge ins Wanken.
Gigantische Pläne und reale Barrieren
Gleichzeitig demonstriert das Unternehmen ein fast schon beängstigendes Expansionstempo. Am Dienstag der vergangenen Woche reichte SpaceX den Vorschlag ein, an der texanischen Starbase künftig bis zu 456 Starship-Starts und 912 Landungen pro Jahr durchzuführen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA kündigte dazu eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowie öffentliche Anhörungen an.
Parallel dazu sicherte sich das Unternehmen vor rund zwei Wochen für 8 Milliarden Dollar in bar das landesweite 800-MHz-Frequenzportfolio von Grain Management, vorbehaltlich der Zustimmung der Telekommunikationsbehörde FCC. SpaceX erhielt zudem die Genehmigung für 15.000 Direct-to-Device-Satelliten.
Diese Dimensionen sind beeindruckend, wecken aber auch Zweifel an der Umsetzbarkeit.
Der Widerstand lokaler Anwohner und von Umweltverbänden dürfte zunehmen. Für mich zeigt sich hier ein Muster: SpaceX prescht strategisch maximal vor, stößt dabei jedoch zunehmend an regulatorische und ökologische Grenzen, die das Wachstum verlangsamen könnten.
Was die Bewertung jetzt trägt
An der Börse notiert das Papier heute bei 131,78 Euro und liegt damit rund 32 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Auf diesem Niveau preisen Marktteilnehmer weiterhin eine nahezu reibungslose Dominanz im Satelliten- und Trägerraketenmarkt ein.
Das operative Basisgeschäft liefert fraglos verlässliche Erträge. Allein am 13. Oktober startete die 35. Versorgungsmission für die NASA mit mehr als 6.300 Pfund Fracht zur Internationalen Raumstation, begleitet von weiteren Routineflügen für das Starlink-Netz.
Doch diese Erfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die künftige Skalierung auf wackligeren Beinen steht als in früheren Jahren. Am morgigen 20. Oktober stehen nach Handelsschluss die Zahlen für das dritte Quartal an, die das Management ab 16:30 Uhr US-Ostküstenzeit in einem Webcast erläutern will.
Unterm Strich überwiegen für mich derzeit die Unwägbarkeiten. Die Drosselung von Terminals und das Tauziehen um Starshield zeigen unmissverständlich, dass SpaceX kein gewöhnlicher Technologiekonzern ist. Wer sich hier engagiert, kauft das geopolitische Risiko voll mit ein. Solange Washington und SpaceX ihr sicherheitspolitisches Verhältnis nicht klar definieren, spricht das Chancen-Risiko-Verhältnis eher für eine Phase erhöhter Wachsamkeit.
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