SpaceX Aktie: Gespaltenes Analystenbild
Sechs Wochen nach dem Börsengang zeigt sich ein gespaltenes Analystenbild: Kaufempfehlungen stehen einer Warnung vor möglichen Kursverlusten gegenüber.

Kurz zusammengefasst
- Kaufempfehlungen von sechs Großbanken
- Warnung vor 30 Prozent Kursrückschlag
- KI-Segment mit operativem Verlust
- Wachsender Wettbewerbsdruck aus Asien
Sechs Großbanken starten mit Kaufempfehlungen, ein Analyst des Anlegermagazins The Motley Fool warnt dagegen vor einem Rückschlag von bis zu 30 Prozent bis 2028. Bei kaum einem frischen Börsenneuling klaffen die Einschätzungen derzeit so weit auseinander wie bei SpaceX. Rund sechs Wochen nach dem größten Börsengang aller Zeiten zeigt sich: Die Erstzeichner-Euphorie ist einer nüchternen Debatte über Bewertung und Geschäftsmodell gewichen.
Am Mittwoch schloss die Aktie mit einem Abschlag von 6,70 Prozent bei 115,26 Dollar — spürbar unter dem Rekordhoch von 225,64 Dollar, das sie in der ersten Handelswoche nach dem Börsengang am 12. Juni erreicht hatte. Damit nähert sich der Kurs wieder dem Ausgabepreis von 135 Dollar, zu dem im Rahmen des Börsengangs 555,6 Millionen Aktien platziert wurden.
Kursziele zwischen 115 und 800 Dollar
Nach Ablauf der üblichen Stillhaltefrist nahmen am 7. Juli sechs Großbanken die Bewertung auf — durchweg mit Kaufempfehlung. Morgan Stanley setzte mit 300 Dollar das höchste Kursziel, Goldman Sachs blieb mit 205 Dollar vorsichtiger. Über alle Häuser hinweg reicht die Spanne der Ziele inzwischen von 115 bis 800 Dollar. Eine solche Streuung spiegelt vor allem eines: Es gibt noch keinen Konsens darüber, wie das KI-Geschäft von SpaceX zu bewerten ist.
Genau dort setzt auch die Kritik des Motley-Fool-Analysten an. Das im Februar 2026 übernommene KI-Segment um xAI und die Plattform X erzielte 2025 einen Umsatz von 3,2 Milliarden Dollar, verbuchte dabei aber einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar. Das Starlink-Segment trägt diese Verluste faktisch mit: Es kam im selben Jahr auf 11,4 Milliarden Dollar Umsatz und 4,4 Milliarden Dollar operativen Gewinn. Ein Lichtblick bleibt der Großauftrag von Anthropic, das sich Rechenkapazität auf rund 325.000 Nvidia-Grafikprozessoren im Rahmen eines auf monatlich 1,25 Milliarden Dollar angelegten Vertrags bis Mai 2029 gesichert hat — allerdings mit einer Kündigungsfrist von 90 Tagen pro Quartal.
Asien holt technologisch auf
Hinzu kommt wachsender Wettbewerbsdruck bei wiederverwendbaren Raketen. Mitte Juli gelang der staatlichen China Aerospace Science and Technology Corporation erstmals die Bergung der ersten Stufe einer Long-March-10B-Rakete per Netzsystem auf einem Bergungsschiff. Einen Tag später führte die japanische Raumfahrtbehörde JAXA einen ersten kontrollierten Testflug ihrer experimentellen Rakete RV-X durch. Beide Programme stehen nach Angaben der Betreiber selbst noch früh in der Entwicklung und dürften SpaceX im laufenden Geschäft mit US-Regierungsaufträgen auf Jahre hinaus nicht ablösen — sie zeigen aber, dass die technologische Lücke kleiner wird.
Ob die pessimistische Einschätzung eintrifft, dürfte sich zuerst an den kommenden Quartalszahlen entscheiden. Wächst das KI-Segment schneller in Richtung Profitabilität als bislang, dürfte das die hohen Kursziele stützen. Bleibt die Kluft zwischen Umsatz und operativem Verlust ähnlich groß, dürfte die Debatte über die Bewertung neue Nahrung erhalten.
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