SpaceX Aktie: Orbitales Cloud-Computing?
CLSA empfiehlt SpaceX zum Kauf; zugleich rücken Starship-Transporte für KI-Satelliten ab 2027 als geplantes Geschäftsfeld in den Fokus.
Bemannte Raumflüge galten über Jahrzehnte als nationale Prestigeakte, die Milliarden verschlangen und selten marktwirtschaftlichen Maßstäben folgten. Am heutigen Donnerstagmorgen zeigt sich am Weltraumbahnhof ein völlig anderes Bild: Mit den Startvorbereitungen für die Crew-13-Mission zur Internationalen Raumstation ISS demonstriert SpaceX erneut, wie sehr der Transfer von Menschen in den Erdorbit zum verlässlichen Routinebetrieb gereift ist.
Unter der Leitung von NASA-Astronautin Jessica Watkins bricht die vierköpfige Besatzung – darunter Luke Delaney von der NASA, Joshua Kutryk von der Canadian Space Agency und der Roskosmos-Kosmonaut Sergey Teteryatnikov – zu einer sechsmonatigen Expedition auf. Doch während diese staatlichen Aufträge das solide Fundament des Unternehmens bilden, entscheidet sich die Bewertung an den Märkten längst an ganz anderen Zukunftsfeldern.
Raumfahrt als Infrastrukturgeschäft
Die bemannte Raumfahrt ist das öffentlichkeitswirksame Aushängeschild, doch für Investoren ist sie vor allem ein stabiler Anker. Der eigentliche Hebel liegt in der Skalierung der Transportkapazitäten für kommerzielle Nutzlasten. Wenn Raumtransporte planbar und wiederholbar werden wie der Frachtverkehr auf den Weltmeeren, verliert das Wagnis seinen Ausnahmecharakter – und wird zur industriellen Basisinfrastruktur.
Genau dieser Übergang lässt sich an der strategischen Ausrichtung des Konzerns ablesen. Neben dem Ausbau des eigenen Starlink-Netzwerks rücken zunehmend völlig neue Anwendungsbereiche in den Fokus. Medienberichten zufolge kündigte SpaceX-COO Gwynne Shotwell Pläne an, das Trägersystem Starship ab 2027 für den Transport von Satelliten zur Datenverarbeitung mit künstlicher Intelligenz in den Orbit einzusetzen.
Dahinter steht eine bemerkenswerte Verschiebung der Geschäftsfantasie. Raumfahrtunternehmen wurden an den Finanzmärkten traditionell wie spezialisierte Rüstungs- oder Luftfahrtzulieferer betrachtet.
Wenn künftig jedoch gigantische Rechenkapazitäten und KI-Anwendungen direkt im Orbit betrieben werden sollen, wandelt sich die Rolle des Anbieters grundlegend: aus dem reinen Transportdienstleister wird ein systemkritischer Infrastrukturbetreiber für die globale Datenökonomie. Kann die erdnahe Umlaufbahn damit tatsächlich zum nächsten Wachstumsfeld der Technologiebranche werden?
Analysten heben die Bewertungsansätze an
Am Kapitalmarkt bleibt das Papier nicht unbemerkt. Im vorbörslichen Handel notiert die Aktie bei 134,16 Euro, was einem leichten Tagesplus von 0,6 Prozent entspricht. Während die etablierten NASA-Missionen verlässliche Cashflows liefern, kalkulieren Marktbeobachter zunehmend das Potenzial der nächsten Raketengeneration ein.
Ein Starship kann bis zu 60 Satelliten der Generation Starlink V3 transportieren. Das entspricht etwa dem Zwanzigfachen der bisherigen Kapazität einer Falcon-9-Rakete.
Nach dem ersten orbitalen Testflug des Systems, bei dem trotz des Ausfalls eines Triebwerks während des Aufstiegs 26 Starlink-Satelliten ausgesetzt wurden und die Mission erstmals Umsätze einspielte, passten mehrere Analysehäuser ihre Modelle an.
Am 28. September startete das Analysehaus CLSA die Beobachtung von SpaceX mit einer Kaufempfehlung unter dem Votum „Outperform“ und setzte ein Kursziel von $250,00 an. Bereits am 14. September hatte Moffett Nathanson das Kursziel von $131 auf $142 angehoben.
Zwischen Pflichtprogramm und Zukunftswette
Die Crew-13-Mission unterstreicht am heutigen Donnerstag die operative Zuverlässigkeit, die institutionelle Kunden wie Regierungsbehörden erwarten. Für Anleger bildet dieses Geschäft das unverzichtbare Sicherheitsnetz. Doch der Blick der Börse reicht weiter: Die Fantasie speist sich nicht mehr allein aus Versorgungsflügen zur alternden Raumstation, sondern aus der Vision einer orbitalen Plattform für Telekommunikation und Hochleistungsrechnen.
Ob sich die ambitionierten Pläne für orbitales Cloud-Computing und massive Nutzlaststeigerungen ab 2027 wie geplant realisieren lassen, bleibt die entscheidende Bewährungsprobe. Fest steht: SpaceX agiert heute an der Schnittstelle zweier Megatrends – der Kommerzialisierung des erdnahen Raums und dem unstillbaren weltweiten Hunger nach Rechenleistung.