SpaceX-Börsengang elektrisiert die Märkte
SpaceX feiert erfolgreichen Börsenstart mit Kursplus von 28 Prozent. Parallel dazu sinkt der Ölpreis aufgrund von Hoffnungen auf ein Friedensabkommen zwischen USA und Iran.

Kurz zusammengefasst
- SpaceX-Aktie startet bei 135 Dollar
- IPO erlöst 75 Milliarden Dollar
- Ölpreis fällt auf Friedenshoffnung
- Gold unter 200-Tage-Durchschnitt
Der historische Börsengang von Elon Musks SpaceX überlagert an diesem Freitag fast alles andere. Gleichzeitig treiben Hoffnungen auf ein Ende des Golfkriegs zwischen den USA und dem Iran die Aktienmärkte nach oben – und schicken den Ölpreis auf Talfahrt. Ein aufgeladener Tag für die Finanzmärkte.
SpaceX betritt die Bühne
Selten hat ein Börsendebüt so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. SpaceX startete am Freitag an der Nasdaq mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie – ungewöhnlich früh festgelegt, noch vor dem eigentlichen Roadshow-Prozess, was bereits Musks Einfluss auf die Wall-Street-Konventionen verdeutlichte. Im Handelsverlauf kletterte der Kurs auf rund 172,55 Dollar, ein Plus von fast 28 Prozent. Damit wird das Unternehmen, zu dem auch Starlink und xAI gehören, mit mehr als zwei Billionen Dollar bewertet.
Das IPO hatte zuvor 75 Milliarden Dollar eingebracht – der größte Börsengang in der Geschichte der Wall Street. Elon Musk ist damit zum ersten Billionär der Welt aufgestiegen.
Die Reaktion der Anleger war bemerkenswert gemessen, gemessen an der vorangegangenen Euphorie. „Wir könnten den ganzen Tag über leichten Aufwärtsdrift sehen, weil die Verkäufer fehlen und man noch einige Käufer anlocken könnte“, sagte Mike Dickson von Horizon Investments. Nur drei bis vier Prozent der Aktien sind überhaupt für den Handel verfügbar – ein enger Markt, der Kursschwankungen dämpft, aber auch verstärken kann.
Für die breiten Märkte hat das Debüt symbolische Strahlkraft. „Es ist ein Barometer für den allgemeinen Risikoappetit und die Gesundheit des Marktes“, erklärte Chris Zaccarelli von Northlight Asset Management. Ein gelungenes IPO dieser Größenordnung sende ein positives Signal weit über die Raumfahrtbranche hinaus. Andere Weltraumaktien litten hingegen unter Gewinnmitnahmen: Rocket Lab fiel um acht Prozent, Intuitive Machines brach um 12,5 Prozent ein.
Frieden am Golf – Hoffnung mit Fragezeichen
Parallel zu SpaceX bewegt eine mögliche diplomatische Wende im Nahostkonflikt die Märkte. Trump hatte bereits seit Mitte März mehrfach erklärt, eine Einigung mit dem Iran stehe kurz bevor. Diesmal scheint die Lage konkreter: Ein westlicher Diplomat bestätigte Reuters, ein Memorandum zwischen den USA und dem Iran könnte bereits am Sonntag unterzeichnet werden.
Die Märkte reagierten entsprechend. Der Ölpreis fiel deutlich – Brent-Rohöl verlor rund 3,4 Prozent auf 87,35 Dollar je Barrel, US-Rohöl notierte bei 86,44 Dollar. Damit setzt sich die Talfahrt vom Vortag fort. Der dreimonatige Golfkrieg hatte die globalen Energiepreise stark angeheizt und die Europäische Zentralbank am Donnerstag dazu veranlasst, erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen zu erhöhen.
Doch die Unsicherheit bleibt. Trump bezeichnete Berichte über die Bedingungen des Abkommens als ungenau, iranische Staatsmedien sprachen von einer Annäherung, ohne Details zu bestätigen. „Man weiß nie, was die endgültigen Details sein werden. Man weiß nie, welche Seite die ganze Geschichte kennt“, formulierte Zaccarelli die Marktlage nüchtern. Michael Nizard von Edmond de Rothschild Asset Management sieht darin trotzdem eine strukturelle Unterbewertung: „Die mögliche Friedensdividende ist im Markt noch längst nicht eingepreist.“
Fed, Gold und der Druck auf die Zinsen
Im Hintergrund brodelt eine weitere, weniger spektakuläre, aber langfristig bedeutsamere Entwicklung: die Erwartungen an die US-Notenbank Federal Reserve. Deren nächste Sitzung nächste Woche wird die erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh sein. Derzeit sehen Bondmärkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 75 Prozent, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen erhöht – eine vollständige Einpreisung einer Anhebung ist für März 2027 erreicht.
Muhammad Qubbaj, Co-Chef für US-Zinsprodukte bei Goldman Sachs, hält diese Positionierung für korrekt. „Die Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig“, sagte er. Entscheidend werde sein, welchen Ton Warsh beim ersten Meeting setzt – konfrontativ oder konsensbildend. Qubbaj plädiert für Letzteres.
Besonders hart trifft das Zinsumfeld den Goldmarkt. Nach einem Rekordhoch von 5.595 Dollar je Unze im Januar hat das Edelmetall inzwischen rund 25 Prozent verloren. Am Donnerstag fiel Gold auf ein Sechsmonatstief von 4.022 Dollar, bevor es sich leicht erholte. Am Freitag notierte es bei rund 4.188 Dollar. Kritisch: Gold hat erstmals seit zweieinhalb Jahren seinen 200-Tage-Durchschnitt unterschritten – für technische Analysten ein bedeutendes Warnsignal. Standard Chartered schätzt, dass ETF-Bestände von mindestens 270 Tonnen unter der Schwelle von 4.250 Dollar bereits Verluste aufweisen.
Globale Spannungsfelder
Der Tag liefert auch ein Schlaglicht auf globale Schwachstellen. In China blieb die Kreditvergabe im Mai mit 520 Milliarden Yuan erneut hinter den Erwartungen zurück. Analysten hatten 550 Milliarden Yuan prognostiziert. Besonders besorgniserregend: Die Haushaltskredite schrumpften abermals – ein Zeichen für anhaltend schwache Konsumnachfrage inmitten der Immobilienkrise. Trotz informeller PBOC-Anweisungen an Staatsbanken, die Kreditvergabe anzukurbeln, bleibt das Kernproblem ein Nachfragedefizit, kein Angebotsmangel.
An den Devisenmärkten hält sich der Dollar stabil. Gegenüber dem Yen notierte er bei 160,25 – nahe der Marke, bei der japanische Behörden Interventionen erwägen könnten.
Was bleibt
Die Börsenwoche endet mit einem seltenen Zusammenspiel von Signalen: Ein Mega-IPO als Stimmungstest, ein möglicher Waffenstillstand am Golf als Hoffnungsträger und eine Notenbank im Wandel als strukturelle Unbekannte. Wie stabil diese Kombination ist, wird sich spätestens nächste Woche zeigen – wenn Warsh erstmals vor dem FOMC-Ausschuss das Wort ergreift.
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