SpaceX debütiert mit 1,77 Billionen Dollar — die Bundesbank sieht trotzdem bis 2028 nur Kriechgang

Spacex startet mit 1,77 Billionen Dollar an der Nasdaq, während die Bundesbank bis 2028 nur schwaches Wachstum prognostiziert.

Eduard Altmann ·
Stellantis Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Größter Börsengang aller Zeiten
  • Bundesbank senkt Wachstumsprognose
  • Iran-Hoffnung treibt Reisetitel
  • Continental fokussiert sich auf Kerngeschäft

Liebe Leserinnen und Leser,

75 Milliarden Dollar. So viel Kapital hat ein einzelnes Unternehmen an einem einzigen Tag eingesammelt — mehr als Saudi Aramco 2019, mehr als jeder andere Börsengang der Geschichte. SpaceX notiert seit diesem Freitag an der Nasdaq, bewertet mit 1,77 Billionen Dollar. Gleichzeitig veröffentlichte die Bundesbank ihre neue Konjunkturprognose: 0,5 Prozent Wachstum für 2026, Inflation bei 2,9 Prozent, vollständige Erholung frühestens 2028. Wer gestern nach der EZB-Zinserhöhung auf 2,25 Prozent fragte, wer diesen Zyklus überlebt — der bekommt heute von zwei Seiten Antworten, die nicht zusammenpassen wollen.

SpaceX an der Nasdaq: Der größte IPO aller Zeiten — und seine Achillesferse

555,6 Millionen Class-A-Aktien zu je 135 Dollar, Ticker SPCX, Bewertung 1,77 Billionen Dollar. Elon Musk kontrolliert über 80 Prozent der Stimmrechte und dürfte laut Forbes und Reuters sein Nettovermögen auf über 1,1 Billionen Dollar heben — der erste Billionär der Welt. Das Angebot war 3,5- bis 4-fach überzeichnet; BlackRock allein orderte Aktien im Wert von 5 Milliarden Dollar.

Die nüchternen Zahlen dahinter verdienen Aufmerksamkeit: SpaceX wies 2025 einen Nettoverlust von knapp 5 Milliarden Dollar bei 18,7 Milliarden Dollar Umsatz aus. Profitabel ist einzig Starlink mit 11,4 Milliarden Dollar Umsatz und 4,4 Milliarden Dollar operativem Gewinn. Das im Februar 2026 übernommene KI-Unternehmen xAI verbuchte allein 2025 einen operativen Verlust von 6,35 Milliarden Dollar. Die IPO-Bewertung liegt beim 94-Fachen des 2025er Umsatzes. Morningstar setzt den fairen Wert bei 780 Milliarden Dollar an — rund 56 Prozent unter der Erstnotiz.

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Die Analystenspanne ist bemerkenswert breit: Goldman Sachs sieht das KI-Segment bis 2030 bei 322 Milliarden Dollar Umsatz, Morgan Stanley prognostiziert für 2040 einen Gesamtumsatz von 3,4 Billionen Dollar. Auf der anderen Seite warnt Capital Economics, dass eine Welle von Mega-IPOs — nach SpaceX sollen Anthropic und OpenAI folgen — historisch mit Spätphasen großer Aktienbooms zusammenfällt. Für deutsche Privatanleger, die am Ausgabepreis nicht beteiligt waren, gilt: Der Eröffnungskurs am Sekundärmarkt dürfte die ohnehin sportliche Bewertung nochmals übersteigen. Wer hier einsteigt, kauft eine Wette auf die Zukunft — nicht auf die Gegenwart.

Iran-Hoffnung treibt Reise- und Bankwerte — Verbio und Rheinmetall verlieren

US-Präsident Trump signalisierte am Freitag Fortschritte bei einem Rahmenabkommen mit dem Iran und sagte angekündigte Angriffe ab. Brent-Öl fiel zeitweise auf 85,80 Dollar je Barrel, den tiefsten Stand seit dem Beginn des Iran-Kriegs im März, und notierte zuletzt bei rund 87,93 Dollar — gut drei Prozent unter dem Donnerstagsniveau.

Die Marktreaktion war deutlich: Fraport legte bis zu 8,5 Prozent zu, Lufthansa rund 6 Prozent. Jefferies bestätigte für Fraport das Rating „Buy“ mit Kursziel 95 Euro — bei einem Kurs von rund 69,75 Euro ein Aufwärtspotenzial von über 36 Prozent. Analyst Graham Hunt verwies auf starke internationale Verkehrszahlen im Mai, attraktive Bewertung und steigende freie Cashflows. Deutsche Bank gewann über 5 Prozent, Hypoport 6 Prozent. Flatexdegiro stieg nach einer neuen „Overweight“-Einstufung durch Barclays mit Kursziel 41 Euro um gut 6 Prozent.

Die Verlierer des Tages folgen derselben Logik, nur spiegelverkehrt: Verbio verlor fast 5 Prozent, weil der Bioethanol-Produzent direkt von hohen Ölpreisen profitiert. Rheinmetall gab rund 3 Prozent nach — weniger Krieg bedeutet weniger Rüstungsnachfrage.

Entscheidend ist: Teheran dementierte am Freitag eine finale Einigung. Die Kursgewinne im Reise- und Finanzsektor sind real, aber solange kein unterschriebenes Abkommen vorliegt, bleiben sie reversibel.

Bundesbank: Deutschland wächst bis 2028 langsamer als die Inflation frisst

Die Bundesbank hat am Freitag ihre Wachstumsprognose gesenkt und die Inflationserwartung deutlich angehoben. Kalenderbereinigtes BIP-Wachstum: 2026 nur 0,5 Prozent (zuvor 0,6 Prozent), 2027 lediglich 0,8 Prozent, erst 2028 soll mit 1,4 Prozent spürbare Dynamik einsetzen. Die Inflation (HVPI) erwartet die Bundesbank 2026 bei 2,9 Prozent, 2027 bei 2,7 Prozent, 2028 bei 1,9 Prozent — jeweils deutlich über den Dezember-Schätzungen. Die Schuldenquote soll auf fast 70 Prozent steigen, die Defizitquote 2028 bei 4,9 Prozent liegen.

Was das konkret bedeutet: In jedem der kommenden zwei Jahre liegt die Inflation über dem Wachstum. Realrenditen auf Bundesanleihen bleiben negativ. Das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro verhindert laut Bundesbank zwar eine Rezession im Sommerhalbjahr, aber es ändert nichts am Grundbefund — Deutschland bleibt ein Niedrigwachstumsland mit erhöhtem Preisdruck.

Besonders relevant ist das Risikoszenario: Sollte der Iran-Krieg eskalieren statt enden, könnten BIP-Verluste bis 2028 kumuliert zwei Prozentpunkte betragen, die Inflation 2027 über 5 Prozent klettern. Bundesbankpräsident Nagel sprach von einer Konjunktur, die „bis 2028 an Fahrt gewinnt“. Das klingt zuversichtlicher, als die eigenen Zahlen hergeben.

Continental und VW: Europas Autoindustrie sortiert sich neu

Zwei Signale, die zusammengehören. Continental legte am Freitag rund 4 Prozent zu und notiert über allen relevanten gleitenden Durchschnitten. Der Konzern hat sich nach dem Verkauf der ContiTech-Sparte, der Ausgliederung des Automotive-Geschäfts als Aumovio (Börsengang September 2025) und der früheren Vitesco-Abspaltung wieder auf das Reifengeschäft fokussiert — das Kerngeschäft, mit dem Continental 1871 begann. Ein 155 Jahre alter Konzern, der sich auf seine Wurzeln besinnt: Das ist entweder Kapitulation oder Konzentration. Die Kursentwicklung spricht für Letzteres.

Parallel forderten Stellantis, Renault und Volkswagen am Freitag gemeinsam einfache „Made in Europe“-Regeln, um im Wettbewerb mit chinesischen Elektroautos zu bestehen. VW-Vorzugsaktien stiegen um rund 3,6 Prozent; das KGV liegt bei unter 5. Ein Niveau, das entweder eine Bewertungschance oder eine Ertragswarnung einpreist — beides ist möglich. Dass Renault gleichzeitig mit Geely in Brasilien kooperiert, um den vollelektrischen EX2 in Curitiba zu produzieren, zeigt die Strategie: europäische Schutzregeln fordern, chinesische Kostenvorteile nutzen. Barclays senkte das Kursziel für Renault von 42,50 auf 31,50 Euro, behielt aber „Overweight“ bei.

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In einem Umfeld, in dem Inflation das Wachstum übersteigt und Bewertungen wie bei VW historisch niedrig wirken, lohnt der Blick auf substanzstarke deutsche Unternehmen — doch nicht jeder Titel mit günstigem KGV ist tatsächlich eine Chance. Welche 3 deutschen Konzerne aus Maschinenbau, Immobilien und Automobil Finanzexperten jetzt für besonders aussichtsreich halten, verrät dieser kostenlose Report. „3 Deutsche Giganten“ – Gratis-Report jetzt sichern

Was nächste Woche zählt

Der Michigan Consumer Sentiment Index übertraf am Freitag mit 48,9 die Erwartungen von 46,1 — ein kleines positives Signal, das aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass die US-Inflation im Mai auf 4,2 Prozent gestiegen ist. Nächste Woche leitet der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh seine erste FOMC-Sitzung. Goldman Sachs hält die Zinserhöhungswetten der Bondmärkte für berechtigt.

Für die kommenden Tage gilt eine einfache Wenn-Dann-Logik: Ein konkretes Iran-Abkommen beim G7-Gipfel würde Ölpreise und Rüstungswerte gegenläufig bewegen — und die Bundesbank-Prognose schlagartig weniger düster aussehen lassen. Bleibt der Deal aus, kehrt der Energiepreisdruck zurück, und die Inflationszahlen der Bundesbank erweisen sich als optimistisch statt pessimistisch.

Die Woche hat gezeigt, dass die EZB-Zinserhöhung vom Donnerstag und die Bundesbank-Prognose vom Freitag zwei Seiten derselben Medaille sind: Europa wächst zu langsam für seine Inflation. Wer in diesem Umfeld investiert, braucht Unternehmen, die ihre Kosten kontrollieren und ihre Preise durchsetzen können. Der SpaceX-Börsengang ist spektakulär — aber für die meisten deutschen Depots sind Fraport bei einem KGV weit unter dem Jefferies-Kursziel oder Continental mit klarem Fokus die relevanteren Entscheidungen. Nicht die größte Story verdient das meiste Kapital, sondern die mit dem besten Chance-Risiko-Verhältnis.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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